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Es war der größte Erfolg in ihrer langen Karriere: Die gebürtigen Moosburgerinnen (v. l.) Gabi und Birgit Rockmeier gewannen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton zusammen mit Marion Wagner und Melanie Paschke Silber mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel. Dachten sie damals, als dieses Bild entstand! Denn 2004 bekamen sie nachträglich Gold zugesprochen, da Kelli White und Marion Jones aus dem siegreichen US-Team des Dopings überführt worden waren.

Neue Serie des Freisinger Tagblatts

„Was machen eigentlich...?“ Die Rockmeier-Zwillinge haben sich dem Nachwuchssport verschrieben

2001 in Edmonton feierten Birgit und Gabi Rockmeier den größten Erfolg ihrer langen Leichtathletik-Karriere. Doch was machen die Zwillinge aus Moosburg eigentlich heute? Wir haben nachgefragt.

Moosburg – Immer montags – für gewöhnlich – findet in Wolfersdorf beim SVA Palzing sowie beim TV Münchsmünster das Training für die Leichtathletik-Kinder statt. Da wird’s ganz schön laut in der Turnhalle. Lachen, wildes Umhertollen und konzentrierte Bewegungs- und Koordinationsübungen sind zu beobachten. Beide Leichtathletik-Gruppen haben etwas gemeinsam, und das, obwohl die Ortschaften gut 45 Kilometer voneinander entfernt liegen: Der Name der Übungsleiterin ist Rockmeier. Gabi ist von 15 bis 16 Uhr als Trainerin in Münchsmünster aktiv, und Birgit leitet von 16 bis 17 Uhr die Einheit in der Wolfersdorfer Turnhalle.

Dieser Erfolg war das erste ganz dicke Ausrufezeichen: Bei den Junioren-Europameisterschaften 1991 gewannen die Rockmeier-Zwillinge Staffelgold über die 4x100-Meter-Distanz – damals in der Besetzung mit (v. l.) Silke Lichtenhagen, Birgit und Gabi Rockmeier und Katharina Gaus.

Unzählige Medaillen auf den Tartanbahnen dieser Welt

Viele der Kinder wissen gar nicht so genau, welch prominente Trainerin da mit ihnen in der Halle steht. Denn von 1991 bis 2005 sammelten die Rockmeier-Zwillinge aus Aich bei Moosburg unzählige Medaillen und Erfolge auf den Tartanbahnen dieser Welt. Zuerst noch für den TSV Jahn Freising und danach ab dem Jahr 1999 für die LG Olympia Dortmund.

EM-Gold für Deutschland! Die 4x400-Meter-Staffel mit (v. l.) Birgit Rockmeier, Florence Ekpo-Umoh, Claudia Marx und Grit Breuer setzte sich 2002 im Münchner Olympiastadion die Krone auf.

Doch die Zeiten, als noch tägliches Training und Wettkämpfe am Wochenende den Terminkalender der beiden inzwischen 46-Jährigen bestimmten, sind längst vorbei. 2006 beendeten sie ihre Karriere im Deutschen Leichtathletik-Verband. Das sei ihnen damals gar nicht schwer gefallen, betonen beide unisono. Im Gegenteil – nach einigen schweren Verletzungen sei sie sogar „froh gewesen, dass es vorbei ist“, meint Gabi. Zwar gab’s in den ersten zwei, drei Jahren danach, insbesondere für Birgit als Betreuerin diverser Trainingsgruppen, noch Kontakt zum Leistungssport. Doch nach und nach haben sich beide als Übungsleiterinnen dem Nachwuchssport am jeweiligen Wohnort verschrieben. Dabei gehe es aber um die Freude an der Bewegung für die Kinder und nicht darum, Leistungsgruppen zu bilden oder gar an Wettkämpfen teilzunehmen.

Ein ganz normales Leben mit Beruf, Familie und Haushalt

Auch privat verfolgen Birgit und Gabi das Geschehen in der Leichtathletik-Szene nur noch selten. „Klar, wenn ein Großereignis im Fernsehen läuft und man reinschaut, fiebert man mit. Aber nicht mehr als normale Sportfans auch“, sind die Zwillinge einer Meinung. Schon kurz nach dem Karriereende hatte für die Ex-Sprinterinnen ein ganz normales Leben mit Beruf, Haushalt und Familie begonnen.

In Uniform: Dieses Bild zeigt Birgit (l.) und Gabi Rockmeier 1994 nach ihrer Grundausbildung bei der Bundeswehr.

Beide waren während ihrer aktiven Zeit mehrere Jahre als Sanitätssoldatinnen in der Sportfördergruppe der Bundeswehr tätig und in der Folge teilweise von ihren Arbeitgebern für den Sport freigestellt. Ab 2006 kehrten sie endgültig wieder in ihre erlernten Berufe zurück. Birgit, die eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung in Moosburg gemacht hatte, legte die Prüfung zur Fachwirtin für Gesundheitsförderung ab und ist mittlerweile beim Ordnungsamt der Stadt Freising angestellt. Gabi hatte eine Ausbildung beim Arbeitsamt Freising absolviert, wechselte dann nach Erding und kam über die Familienkasse Ingolstadt zum Jobcenter in Abensberg.

„Es war einfach unser Weg“

Birgit Rockmeier betreut die Leichtathletik-Kids des SVA Palzing.

Mittlerweile steht für beide neben dem Beruf die eigene Familie im Mittelpunkt. Birgit lebt in Wolfersdorf, ist verheiratet und wird von Töchterchen Magdalena auf Trab gehalten. Sportlich aktiv ist sie einmal die Woche beim Pilates und als Trainerin der Leichtathletik-Kinder des SVA.

Gabi, die die Liebe bis nach Münchsmünster verschlagen hat, hat dort ihre Kinder-Trainingsgruppe und geht ab und zu joggen. Auch sie ist verheiratet und hat mit Tochter Julia ein sportliches Nachwuchstalent im Haus. Zwar keine Leichtathletin, doch als Tänzerin bei der Kindergarde in Vohburg durfte die stolze Mama ihre Tochter zu zahlreichen Auftritten während der Faschingssaison begleiten. Fast so wie damals vor über 30 Jahren, als die beiden Rockmeier-Eltern ihre Sprintzwillinge täglich nach Freising ins Training gefahren haben.

Gabi Rockmeier trainiert in Münchsmünster eine Kindergruppe.

Die Frage, ob sie im Nachhinein bereuen, dem Leistungssport ihre Jugend und so viel Zeit geopfert zu haben, beantwortet Birgit für beide Schwestern: „Das ist eine hypothetische Frage, die wir so nicht beantworten können. Wir haben es nicht anders gekannt. Es war einfach unser Weg. Für den haben wir uns entschieden, fertig aus.“ Josef Fuchs

Zur Serie

Das Freisinger Tagblatt stellt Sportlerinnen und Sportler vor, die ihre aktive Laufbahn beendet haben, aus dem Landkreis weggezogen sind oder einen völlig neuen Weg eingeschlagen haben. Im nächsten Teil blicken wir auf den früheren Spitzen-Judoka Rainer Zistl aus Moosburg.

Ihre größten Erfolge

Birgit Rockmeier:

2001 Goldmedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Edmonton.

2002 Goldmedaille mit der 4x400-Meter-Staffel bei der Europameisterschaft in München.

1998 Silbermedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der Europameisterschaft in Budapest.

Siebenfache Deutsche Meisterin (unter anderem 100 Meter Einzel, 200 Meter Einzel, 400 Meter Einzel und 4x100-Meter-Staffel).

Gabi Rockmeier:

2001 Goldmedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der Weltmeisterschaft in Edmonton.

1998 Silbermedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der Europameisterschaft in Budapest.

2002 Silbermedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der Europameisterschaft in München.

Zehnfache Deutsche Meisterin (unter anderem 100 Meter Einzel, 200 Meter Einzel und 4x100-Meter-Staffel).

jfu

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