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Erinnerungen an die ersten Plagen: Christian Miska bei einem Marathon in den 1990er Jahren.

Seine Berufung ist aber eine andere

„Was macht eigentlich...?“ Marathonläufer Christian Miska hat der Sport nie ganz losgelassen

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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1989 lief Christian Miska aus Moosburg seinen ersten Marathon, 24 weitere folgten. Doch für den heute 49-Jährigen war letztlich klar, dass das Laufen nur ein Hobby gewesen ist. Was macht er also heute? 

München/Moosburg Mit 18 Jahren, das war 1989 in München, bestritt er seinen ersten Marathon. Und es sollten noch 24 weitere folgen – etwa in Hamburg, Berlin, Wien, Paris und sogar in San Francisco. Sein letzter Start 2002 liegt nunmehr einige Jahre zurück. Viel Sport treibt Christian Miska (49), der als Gesamtleiter des Münchner Förderzentrums Giesing, einer Einrichtung für Erwachsene mit körperlicher Behinderung, tätig ist, zwar nach wie vor. Aus beruflichen und familiären Gründen war für ihn jedoch letztlich klar, dass das Marathonlaufen nur ein Hobby gewesen ist.

„Auf diese Schnapsidee bin ich selbst gekommen“

Ob er von Freunden zu diesen körperlichen Strapazen animiert worden sei? Bei dieser Frage muss Miska lachen: „Nein, im Gegenteil, auf diese Schnapsidee bin ich selbst gekommen. Von meinen Kumpels war damals niemand so verrückt, 42 Kilometer laufen zu wollen.“ Zur Leichtathletik bei der SG Moosburg kam er im Alter von 13 Jahren. Der Grund: Beim Schulsport war festgestellt worden, dass er wohl ein Talent über die Mittel- und Langstrecke sei. „Natürlich habe ich vorher Straßenfußball gespielt, mit Kindern in der Nachbarschaft – aber Fußball im Verein war nie mein Ziel.“

Freude über eine großzügige Maskenspende: Christian Miska ist beruflich als Gesamtleiter des Münchner Förderzentrums Giesing tätig.

In der Pubertät war er auf der Mittelstrecke und in der Kategorie Waldlauf durchaus in der bayerischen Spitze. Eine relativ späte Windpocken-Infektion habe ihm dann allerdings „eine wichtige Saison vermasselt“. Die Leichtathletik betrieb er aktiv und intensiv fünf Jahre lang, bis ihn das Studium der Sozialpädagogik an die Universität Eichstätt verschlug. Dennoch blieb er der Leichtathletik „in gewisser Weise treu“, wie er heute erzählt. Er begann mit dem Marathonlaufen – und sein erster war eben der Münchner im Jahr 1989.

Sich auszupowern, das hat dem gebürtigen Moosburger immer Spaß gemacht. Allerdings kostet es halt viel Zeit und Aufwand, für einen Marathon zu trainieren. Als anno 2002 seine Tochter Ronja zur Welt kam, wurde ihm bewusst, dass nun andere Dinge – etwa Familie und Beruf – Vorrang haben müssen oder sollen. Und dass deshalb die Zeit für einen so aufwändigen und anstrengenden Sport nicht mehr vorhanden ist.

„Meine Bestzeit liegt bei knapp über drei Stunden“

Eigentlich wollte sich Christian Miska noch steigern – dazu fehlte aber die notwendige Intensität der Übungseinheiten. „Meine Bestzeit liegt bei knapp über drei Stunden. Es wäre schon reizvoll gewesen, diese Schallmauer noch zu durchbrechen, doch ab einem gewissen Niveau wird es wirklich intensiv, wenn man sich noch verbessern will“, blickt er zurück.

Dabei ging er damals diese Aufgabe sehr konzentriert an: „Ich hatte einen Trainingsplan, der zirka zehn Wochen vor einem Marathon recht intensiv wurde. Dann habe ich tatsächlich bis zu sechs Mal in der Woche trainiert.“ Wichtig sei dabei, nicht nur stupid lange Läufe zu machen, sondern abwechselnd intensive und regenerative Einheiten zu absolvieren. Auch Intervalltraining und dann doch auch lange Läufe seien essenziell. „Es wird nicht empfohlen, die volle Marathondistanz im Training zu laufen. Man sollte allerdings gut 30 Kilometer sicher laufen können. Sonst wird das Ganze am Ende wirklich anstrengend und zäh“, verrät Miska.

Der Beruf und die Familie verschoben dann die sportlichen Prioritäten von Christian Miska. Mit 32 Jahren lief er seinen letzten Marathon, danach sattelte er um und bestritt nur noch eher kleine Mountainbike-Rennen. Doch welche Sportart ist nun die Seine? „Tatsächlich habe ich mit dem Triathlon-Sport das Radfahren immer mehr für mich entdeckt. Jetzt fahre ich wesentlich lieber mal eine Runde mit dem Mountainbike oder auch mit dem Rennrad“, erzählt er. Die bekannten Isartrails in München machen ihm auch in seinem Alter noch richtig Spaß – und zum Rennradeln eigne sich der Münchner Süden gut. Im Winter geht Miska gerne Snowboarden. Diese Leidenschaft fiel in der zurückliegenden Saison aber nicht nur mangels Schnee aus, sondern weil sich der 49-Jährige im Dezember einen Kreuzbandriss zugezogen hat.

„Ich habe keinen Slogan, mit dem ich so durch die Welt gehe“

Zwar immer noch aktiv – etwa drei Mal pro Woche – sieht sich Christian Miska nicht als Sport-Junkie. Meistens seien es kurze Einheiten. In den vergangenen beiden Jahren hat er nur ein extremes Event mit seinen Freunden absolviert: An einem Tag ist die Truppe von Neubiberg nach Bad Kötzting mit den Mountainbikes geradelt. „Bis Ohu an der Isar, dann über Straubing in den Woid. Da kamen immerhin gut 210 Kilometer an einem Tag zusammen. Da weiß man, was man gemacht hat – und währenddessen und vor allem danach ist ein kühles Bierchen das Höchste der Gefühle.“

Natürlich war auch für ihn die Freizeitgestaltung in den Corona-Zeiten recht eingeschränkt gewesen. Ein bisschen Sport war dabei, ansonsten war er viel mit seiner Familie zusammen. In seinem Job aber war und ist es alles andere als eine ruhige Phase. Gemeinschaftseinrichtungen

für Menschen für Behinderung gehören schließlich zur kritischen Infrastruktur und haben deshalb hohe Sicherheitsauflagen. Insofern kostete und kostet ihm das gerade einiges an Energie.

Andere Dinge, mit denen man sich üblicherweise vielleicht ablenkt, waren in den vergangenen Wochen kaum möglich. Dazu gehörte neben Freunde zu treffen auch ins Kino zu gehen. Letzteres trifft Christian Miska und seine Familie ganz besonders hart: Hat doch sein Sohn Matteo (14) 2019 im neuen Kinofilm „Ostwind – Der große Orkan“ mitgespielt. Im Mai wäre die Premiere gewesen.

Christian Miska ist ein sportlich-sympathischer Typ, einer mit einer verantwortungsvollen Aufgabe. Ob er ein Lebensmotto hat? „Ich habe keinen Slogan, mit dem ich so durch die Welt gehe. Aber ich denke, dass es sehr wichtig ist, für sich eine Balance zu finden. Im Miteinander mit Menschen lege ich großen Wert auf Verlässlichkeit.“

Berufung und Beruf

Christian Miska (49), Sozialpädagoge mit Studium an der Katholischen Universität Eichstätt, erzählt: „Die Suche nach dem richtigen Beruf war für mich nicht ganz leicht. Sich für einen Beruf zu entscheiden, bedeutet ja, dass man sich gegen 1000 andere Möglichkeiten entscheidet. Ausschlaggebend waren letztlich die schönen Erfahrungen im Zivildienst im Juliane-Maier-Haus in Moosburg.“ Dann kam ein Auslandsaufenthalt in den USA hinzu. Da habe er als Therapieassistent mit Menschen gearbeitet, die ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben – eine nachhaltige Erfahrung. „Ich muss hierbei sagen, dass ich es sehr schade finde, dass junge Männer heutzutage soziale Berufe vielleicht nicht mehr so leicht für sich entdecken, da es ja den Zivildienst – wie zu meiner Zeit – nicht mehr gibt. Ich wäre vielleicht auch nicht auf diese Schiene gekommen. Direkt nach dem Abi wollte ich Kartograph werden.“

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