+
Exzellenter Mittelblocker: 14 Jahre lang hat Erwin Stock (r.) in Freising hochklassig Volleyball gespielt. Das Foto ist 1970 während eines Oberliga-Spiels in der Jahn-Sporthalle an der Fischergasse entstanden.

Ehemaliger Leistungsträger des SC Freising

„Was macht eigentlich...?“ Ex-Volleyballer Erwin Stock ist sportlich noch längst nicht im Ruhestand

  • vonPeter Spanrad
    schließen

In den 1970er Jahren zählten die Volleyballer des SC Freising zu den besten Mannschaften Deutschlands. Als exzellenter Mittelblocker war Erwin Stock mit von der Partie. Doch was macht der 70-Jährige eigentlich heute?

Freising – Es gab eine Zeit, da zählte das Volleyball-Männerteam des SC Freising zu den besten Mannschaften Deutschlands. Das war in den 70er Jahren. Ein ganz wichtiger Leistungsträger in dieser Erfolgsmannschaft war Erwin Stock: Er war Mittelblocker, war also dafür zuständig, einerseits die gegnerischen Schmetterbälle zu entschärfen und andererseits mit schnellen Angriffsbällen – heute spricht man gerne vom ersten Tempo – die Punkte für das eigene Team zu erzielen. Im Tagblatt-Interview lässt der 70-Jährige die vergangenen Zeiten noch einmal Revue passieren und erzählt, wie sein Leben nach der großen Volleyball-Karriere aussah und aussieht.

Herr Stock, Volleyball war damals eine absolute Randsportart. Wie sind Sie überhaupt zum Volleyball gekommen?

Erwin Stock (70): Neben dem Sport ist die Kunst seine große Leidenschaft.

Mit 16 Jahren wurde ich im „KV“ (damals eine absolute In-Kneipe in der Oberen Hauptstraße in Freising, Anm. d. Red.), von einem Bekannten angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, Volleyball zu spielen, weil ich doch so groß sei. Mein erstes Training habe ich dann an einem Dienstag in der Jahnhalle zusammen mit der Oberliga-Mannschaft – die Oberliga war damals die höchste deutsche Klasse – absolviert. Ich habe also zunächst nicht beim SC Freising, sondern beim TSV Jahn Freising gespielt.

„Ich durfte als Jugendlicher nicht Fußball spielen“

Warum haben Sie nicht Fußball gespielt wie viele andere Jugendliche?

Ich durfte als Jugendlicher nicht Fußball spielen. Meine Eltern wollten das nicht.

Wie ist dann Ihre Karriere als Volleyballer verlaufen?

Nach zwei Jahren in der Jugendmannschaft bin ich als 19-Jähriger mit viel Glück sofort ins Oberliga-Team aufgenommen worden, da die komplette Juniorenmannschaft des TSV Jahn Freising zum Ortsrivalen SC Freising (ebenfalls Oberliga) gewechselt hat. Ich war der Einzige von den Junioren, der beim TSV Jahn geblieben ist. Von 1969 bis 1983 habe ich immer hochklassig in Freising Volleyball gespielt – in der Oberliga, Bundesliga, Olympialiga, Regionalliga und 2. Bundesliga.

Welche Stationen sind für Sie wichtig gewesen?

Aufgrund der Platzierung in der Oberliga Süd in der Saison 1969/70 haben wir die Berechtigung für die neu gegründete zweigeteilte Bundesliga erhalten. Ich wechselte dann auch zum SC Freising. Mit der Fusion der Mannschaften des TSV Jahn und des Sportclubs bin auch ich Spieler der Olympialiga-Mannschaft geworden. Weil die Olympischen Spiele 1972 in München stattfanden, installierte der Verband die Olympialiga. Dort spielten die sechs besten Mannschaften Deutschlands – und mit dabei war auch das Team des SC Freising. Seitdem war ich bis zu unserem Abstieg aus der 2. Bundesliga 1983 stets Mitglied der Ersten Mannschaft des Sportclubs.

„Geld konnte man damals keines verdienen“

Welche Trainer haben Ihre Laufbahn begleitet?

Mein erster Trainer war der „Gü“, der Günter Schmidt, zur damaligen Zeit die Volleyball-Institution beim TSV Jahn Freising. Er wechselte dann zum TSV Grafing und hat dort eine bis heute sehr erfolgreiche Volleyball-Sparte aufgebaut. Weitere Trainer waren Walter von Molo, Wolf Scherer, Robert Keilmann, Dieter Beutelstahl, Klaus-Dieter Buschle, Hans Maier, Fritz Birkner, Hermann Pfletschinger und zuletzt Gerd Maier.

Welche Höhepunkte haben Sie als Volleyballer erlebt?

Da war zunächst der Aufstieg in die Bundesliga 1970. Dann war ich Landkreissportler des Freisinger Tagblatts 1978. Die sportlichen Highlights waren immer die Spiele gegen den SV Lohhof und gegen Passau – und auch an den Sieg gegen den Deutschen Meister TSV 1860 München bei einem Freundschaftsspiel in Mering kann ich mich noch gut erinnern. Dann war da das Viertelfinale um den Deutschen Volleyballpokal gegen den VC Gießen im April 1981 in Freising, das wir leider mit 0:3 verloren. Weitere Höhepunkte waren die Deutsche Seniorenmeisterschaft mit dem VC Dom Pedro München 1983 in Heidelberg – meine Mitspieler waren damals die ehemaligen Volleyballer vom TSV 1860. Was die Spiele mit der Bayernauswahl betrifft, würde ich die Partien gegen die tschechische Nationalmannschaft im Jahr 1979 in Freising und gegen Israel in Haifa 1982 nennen.

Die SCF-Volleyballer zählten in den 1970er Jahren zu den besten in Deutschland. Wie hoch war damals Ihr Trainingsaufwand? Und konnte man mit Spitzenvolleyball Geld verdienen?

Während der Wettkampfsaison war zweimal in der Woche Training, immer dienstags und donnerstags von 20 bis 22 Uhr. In der Vorbereitungszeit waren es allerdings drei bis vier Mal die Woche – und am Wochenende standen noch Turniere auf dem Programm, auch im Ausland. Geld konnte man damals keines verdienen, bezahlt wurden immer nur die Fahrtkosten, und manchmal gab’s einen kleinen Essenzuschuss.

„In einer Freizeitmannschaft habe ich nie gespielt“

Wie sah neben dem leistungsorientierten Sport Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich habe mich für die Beamtenlaufbahn entschieden und an der Beamtenfachhochschule für Finanzwesen in Herrsching studiert. Nach insgesamt 45 Dienstjahren beim Finanzamt Freising bin ich dann 2014 in den Ruhestand versetzt worden.

Inwiefern sind Sie nach Ihrem Karriereende dem Volleyball verbunden geblieben? Haben Sie als Trainer gearbeitet oder in einer Freizeitmannschaft gespielt?

Ich habe ab 1996 noch einige Jahre den damaligen Jugendtrainer Hans Maier bei der Betreuung einer Jugendmannschaft – das war eine männliche D-Jugend – unterstützt. Da spielten auch sein Sohn Thomas Maier und mein Pflegesohn Markus Eichstetter mit. Danach habe ich mit dem Volleyball ganz aufgehört. In einer Freizeitmannschaft habe ich nie gespielt.

Das Wichtigste im Leben? „Gesund zu bleiben“

Wie kann man sich Ihr Leben nach dem Volleyball vorstellen? Welche neuen Lebensschwerpunkte haben Sie für sich gefunden?

Nach dem aktiven Volleyball habe ich mehrere Jahre Tennis gespielt, bin Rennrad gefahren und habe auch beim ersten „Blech-Man“ 1985, einem Triathlon für Einsteiger, neben den Volleyballern Walter Gollas, Fritz und Bill Birkner teilgenommen. Den ersten Blech-Man, eine Ritterpuppe aus Sizilien, habe ich sogar gewinnen können. Aus dem Blech-Man ist später der Kurztriathlon Towerman entstanden, den Fritz Birkner ins Leben gerufen hatte. Neben dem Sport ist meine große Leidenschaft die Kunst, also Zeichnen und Malen. Und auch die Familie war und ist mir sehr wichtig.

Wie halten Sie sich fit? Oder spielt für Sie der Sport keine Rolle mehr?

Sport ist für mich nach wie vor sehr wichtig. Seit meiner Pension gehe ich mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio im Steinpark. Das ist in der Nähe meiner Wohnung und in kurzer Zeit mit dem Rad oder zu Fuß erreichbar. Dort besuche ich Kurse für Rückengymnastik und Yoga und mache Krafttraining. Ausdauer trainiere ich lieber im Wald mit Joggen und Nordic Walking oder mit dem Mountainbike.

Mit welchen Vorstellungen blicken Sie in die Zukunft?

Ich hoffe, gesund zu bleiben, das ist das wichtigste Gut im Leben. Alles andere ist nebensächlich.

Die Serie „Was macht eigentlich?“

Sie war 1984 für viele die Olympia-Hoffnung: 400-Meter-Läuferin Rita Daimer. Aus ihrem Auftritt wurde verletzungsbedingt leider nichts, und sie schlug eine andere Laufbahn ein. Wir haben nachgefragt.

Früher war er Spitzen-Judoka, doch was macht Rainer Zistl aus Moosburg eigentlich heute? Für die FT-Serie „Was macht eigentlich...?“haben wir bei dem 42-Jährigen nachgefragt.

2001 in Edmonton feierten Birgit und Gabi Rockmeier den größten Erfolg ihrer langen Leichtathletik-Karriere. Doch was machen die Zwillinge aus Moosburg eigentlich heute? Wir haben nachgefragt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kommentare