Franziska Zellner nimmt die Sportlerwahl-Trophäe von Sportredakteur Arthur Viol entgegen.
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Verdiente Auszeichnung: Franziska Zellner, die Ausnahme-Athletin im Judo, konnte im April 2013 für ihre Bronzemedaille im European Cup 2012 als zweitbeste Sportlerin der FT-Aktion die Trophäe von Sportredakteur Arthur Viol entgegennehmen.

FT-Serie „Was macht eigentlich...?“

Judokämpferin Franziska Zellner: Viele Erfolge, zu viele Kreuzbandrisse

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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Die talentierte Judokämpferin Franziska Zellner stand vor einer großen Karriere – doch das linke Knie spielte nicht mit.

Schweitenkirchen/Wolfersdorf – Eigentlich war es nur eine Freizeitbeschäftigung für ihre älteren, schulpflichtigen Geschwister. Aber die kleine Franziska Zellner wollte nicht ausgeschlossen sein. Sie ging mit – und war von da an nicht mehr von der Judo-Matte zu kriegen. Freilich machte der heute 27-Jährigen das Reiten – das sie übrigens seit fünf Jahren wieder aktiv betreibt – großen Spaß. Beide Sportarten zusammen, das war allerdings zu viel. Und deshalb entschied sie sich fürs Judo beim FC Schweitenkirchen.

„Die Möglichkeiten, sich auf der Matte mit anderen zu messen, gleichzeitig jedoch nicht gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten, um besser werden zu können, haben mich sehr begeistert. Genauso wie die verschiedenen Techniken und Möglichkeiten, jemanden aus dem Gleichgewicht zu bringen und gleichzeitig selbst nicht geworfen zu werden“, umschreibt die frühere Wolfersdorferin ihre Faszination für diesen Sport.

Auf den dritten Platz bei dem internationalen Turnier in Berlin 2012 ist die aus Wolfersdorf stammende Judoka Franziska Zellner, hier mit ihrem Trainer Franz Dausch, unheimlich stolz.

2001, also mit acht Jahren, bestritt sie ihren ersten Wettkampf. Und spätestens ab diesem Zeitpunkt war sie total vom Judo begeistert. Sie war vor allem sehr trainingsfleißig – und ausdauernd: „Ich habe mich in die Techniken reingefuchst und so lange geübt, bis ich sie verstanden hatte und anwenden konnte“, beschreibt sie die Anfangszeit. Der Ehrgeiz zahlte sich aus: Im Jahr 2003 wurde sie in ihrer damaligen Alters- und Gewichtsklasse zum ersten Mal Oberbayerische Meisterin. Ihr Talent und Können blieben freilich nicht unbemerkt: Sie wurde in den Oberbayern- und Bayernkader berufen – und gehörte bei den Junioren sogar dem Nationalkader an.

Training am Stützpunkt München-Großhadern

Der Leistungssport entwickelte bald eine Art „Eigenleben“. Alles konzentrierte sich auf das Training, die Trainingslager, das Halten des Gewichts beziehungsweise darauf, dieses vor den anstehenden Wettkämpfen anzupassen. Das Pensum wurde immer intensiver – Franziska und ihr Trainer Franz Dausch fuhren immer öfter an den Stützpunkt München-Großhadern. Dort gehörte sie einige Jahre der Trainingsgruppe an und wohnte auch während ihres Freiwilligendiensts in einem Seniorenheim sowie dem Studium der Sozialen Arbeit in der Nähe. Dadurch konnte sie den Leistungssport besser mit der Ausbildung verknüpfen.

Das war einmal: die „Sissi“, wie sie genannt wird, bei ihren Anfängen.

In dieser Zeit wurden die Turniere, etwa in Schweden, Polen, der Schweiz und Tschechien, aber auch die Trainingslager (mit Frankreich, Brasilien oder Schweden) immer internationaler. Es bahnte sich eine große Karriere an.

Doch der Körper – besser gesagt das linke Knie – spielte nicht mehr mit: 2011 hat sich Franziska Zellner während eines Kampfs beim Trainingslager in Österreich zum ersten Mal das vordere linke Kreuzband gerissen. 2012 folgte ein Teilriss des gleichen Kreuzbands beim Trainingslager in Frankreich und, nicht immer sind aller guten Dinge drei, 2013 am Stützpunkt München der komplette Riss, abermals im linken Knie. Eine Operation schloss sich sozusagen der anderen an.

Zwischenzeitlich hatte ich viele Termine mit Physiotherapeuten und Krafttraining-Einheiten. Das ist aber nicht dasselbe, wie den Sport auszuüben, für den das Herz brennt.

Franziska Zellner zu ihrem Karriereende nach dem vierten Kreuzbandriss.

Doch die ehrgeizige Judokämpferin steckte keineswegs auf – sie wollte ihren geliebten Sport weiter betreiben. Sie stieg auch wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Aber die Verletzungen häuften sich – und deshalb verabschiedete sie sich 2014 schweren Herzens vom Leistungssport. Hobbymäßig, so erzählt sie, habe sie noch weitergemacht, an Wettkämpfen mit dem Frauenteam des FC Schweitenkirchen teilgenommen. Doch das linke Knie war sogar dafür zu angeschlagen und zu instabil. Als 2017 zum vierten Mal nicht nur das Kreuzband riss, sondern sie sich auch noch eine Ruptur des Innenbands zuzog, hörte sie auf den Rat ihres Sportorthopäden, künftig weder Wettkämpfe noch Kontaktsport auszuüben.

Fast immer obenauf: Bei der deutschen Einzelmeisterschaft der Altersklasse U 17 belegte sie Rang drei.

Jeder, der so eine Entscheidung einmal treffen musste, weiß, wie sehr das an die Psyche geht. Bei Franziska Zellner war das nicht anders. Sie beschreibt ihren Ausstieg folgendermaßen: „Wenn Körper und Geist es gewohnt sind, Tag für Tag ausgepowert zu werden, und es plötzlich nicht mehr geht, weil man nur auf Krücken unterwegs ist, dann ist das sehr anstrengend und schwierig auszuhalten. Zwischenzeitlich hatte ich viele Termine mit Physiotherapeuten und Krafttraining-Einheiten. Das ist aber nicht dasselbe, wie den Sport auszuüben, für den das Herz brennt.“

Ganz dem Sport „Servus“ gesagt hat sie nicht

Spekulationen über das „Was wäre, wenn?“ möchte die 27-Jährige gar nicht anstellen. Aber vermutlich wäre ihr Weg, da die Karriere steil noch oben gezeigt hat, ohne die Verletzungen ein ganz anderer geworden. Ganz dem Sport „Servus“ gesagt hat sie aber nicht. Sie reitet seit fünf Jahren wieder, 2019 machte sie den Kletterschein. Und noch ein neues Hobby: Sie hat mit dem Nähen angefangen.

Urlaub in Kroatien 2019 – daran erinnert sich Franziska Zellner (27) gerne.

Eines möchte sie allerdings nicht außen vor lassen. Das ist ihr Dankeschön an ihre Eltern, die Familie, auch die ihres Trainers Franz Dausch, natürlich an die Trainingsgruppe, aus der sich langjährige und weiter anhaltende Freundschaften entwickelt haben – und nicht zuletzt „an meinen Verein FC Schweitenkirchen, ohne den dies alles nicht möglich gewesen wäre“.

Und dann ist da noch ihr Beruf, in dem sie voll aufgeht. 2020 hat sie eine Weiterbildung zur Systemischen Einzel-, Paar- und Familientherapeutin berufsbegleitend erfolgreich beendet. Noch ledig, aber seit einigen Jahren in fester Beziehung, arbeitet sie bei einem sozialen Träger im Landkreis Freising. Ob sie ihr sportliches Wissen einmal weitergeben wird, darüber hat sich Franziska Zellner noch keine großen Gedanken gemacht.

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