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Auf dem Sprung in die USA: Simone Blum und ihre Fuchsstute DSP Alice – hier beim CHIO in Aachen – wollen bei den Weltreiterspielen in Tryon an ihre zuletzt starken Leistungen anknüpfen.

Simone Blum für Weltreiterspiele nominiert

„Wir wollen die WM auch genießen“

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Wenn Träume wahr werden: Simone Blum (29) aus Zolling startet mit dem deutschen Springreiter-Team bei den Weltmeisterschaften in den USA. Doch der Weg zur Mannschaftsmedaille ist ein steiniger, der Modus verzeiht keine Fehler. Und Blums Super-Stute Alice hat bereits vor ihrem ersten Auftritt eine Hürde zu meistern.

Zolling/Tryon – Ein Blick zurück: Marcus Ehning, Maurice Tebbel, Laura Klaphake und Simone Blum gewinnen im Juli mit der deutschen Springreiter-Equipe den traditionsreichen wie prestigeträchtigen Nationenpreis beim CHIO Aachen. Im ersten Umlauf leisten sich Blum und ihre Weltklasse-Stute Alice noch einen frühen Abwurf, doch im zweiten läuft alles glatt – das ist der Grundstock für den deutschen Sieg. „When dreams come true!“, schreibt die Zollingerin hinterher auf Facebook.

Es ist gleichwohl nicht der einzige Traum, der für die 29- Jährige wahr geworden ist: Simone Blum wird auch bei den Weltmeisterschaften in Tryon im US-Bundesstaat North Carolina den Reiterhelm mit der deutschen Flagge aufsetzen – wie auch Ehning, Tebbel und Klaphake, mit denen sie in Aachen die deutsche Springreiterszene verzückt hat. „Ich habe mich riesig über diese Nominierung gefreut“, erzählt Blum. „Das ist eine große Herausforderung für mich. Wir haben ein tolles, junges Team und werden unser Bestes geben.“

Simone Blum sammelte mit ihrem Sieg in Münster zusätzliches Selbstvertrauen.

Der Modus – und damit der Weg auf das Siegertreppchen – ist bei den Weltreiterspielen in den USA allerdings steiniger als in Aachen. Der Startschuss fällt am 19. September mit einem Zeitspringen: Dabei werden die Abwürfe und die gerittene Zeit im Parcours in Punkte umgerechnet. Der Reiter mit dem niedrigsten Zählerstand startet mit null Strafpunkten in den ersten Umlauf des Nationenpreises. Alle anderen nehmen die Punktedifferenz zum Ersten mit ins Teamspringen, das am 20. und 21. September ausgetragen wird. Und damit nicht genug: Nur die besten 25 Reiter nach dem Zeitspringen und dem Nationenpreis qualifizieren sich für die Einzelentscheidung, die am 23. September im WM-Terminkalender steht. Wer am Ende also im Einzel ganz oben stehen möchte, darf bei den insgesamt drei Springprüfungen möglichst wenige Fehlerpunkte ansammeln.

Und das bedeutet: „Die Basis für den Erfolg muss man bereits im Zeitspringen legen“, sagt Blum. Sie will sich daher bewusst mit Prognosen zurückhalten: „Es muss wirklich alles stimmen. Nicht zuletzt muss auch das Glück auf unserer Seite stehen. Das wird keineswegs einfach.“ Dennoch: Der Erfolg in Aachen war für die junge deutsche Springreiter-Equipe – Blum und Klaphake feierten beim CHIO beide ihr Debüt – enorm wichtig. „Das gibt uns Selbstvertrauen“, sagt die 29-Jährige.

„Es muss alles stimmen. Nicht zuletzt muss auch das Glück auf unserer Seite stehen.“

Daran sollte es vor allem Simone Blum nicht fehlen. Die Generalprobe für Tryon hätte jedenfalls nicht besser laufen können: Blum und ihre elfjährige Fuchsstute Alice gewannen Ende August die Vier-Sterne-Prüfung in Münster – und blieben dabei auch im Stechen fehlerfrei. „Das war hervorragend“, freut sich die Zollingerin. „Das verschafft uns noch einen Extra-Schub.“

Fakt ist: Alice hat bewiesen, dass sie rechtzeitig zum Saisonhighlight in Top-Form ist. „Sie ist super austrainiert und fit für Tryon“, erzählt Blum.

Eine hohe Hürde muss die bewegungsfreudige Stute aber noch nehmen, bevor sie sich in den USA auf der Weltbühne des Springreitens austoben darf: Am Donnerstag startet ihr Flieger in die Vereinigten Staaten – und nach ihrer Ankunft muss sie zwei Tage in Quarantäne. So sehen es die Bestimmungen vor. „An diesen zwei Tagen darf sie leider nur geführt werden. Das ist für so ein Energiebündel wie sie nicht ganz einfach. Und umso mehr muss ich sie an den Tagen vor dem Abflug beschäftigen, mit ihr ausreiten und viel mit ihr trainieren“, sagt die 29-Jährige. Für die Weltreiterspiele sei dies aber kein Problem. „Das kriegen wir schon hin.“

Und überhaupt: Genügend Leckerlis – und damit eine gehörige Portion Motivation für Alice – stehen natürlich auch in den USA auf der Speisekarte. Die Stute ist ja bekanntlich ganz scharf auf Mangos. Für jede Runde, die sie fehlerfrei springt, gibt es eine fruchtige Belohnung. „Daran wird es gewiss nicht mangeln.“

Den deutschen Reitsport-Fans wäre es freilich gerade recht, wenn Alice in den USA ganz viele Mangos verputzen dürfte. Die Erwartungshaltung an die Equipe ist nach jenem Triumph von Aachen natürlich nicht gesunken. 2010 hatte das Nationalteam sein drittes und bislang letztes WM-Gold geholt. Vier Jahre später reichte es für Deutschland nur zu Rang vier, auf den Plätzen eins bis drei landeten die Niederlande, Frankreich und die USA. Zu viel Druck will sich Blum vor ihrer ersten WM-Teilnahme aber nicht machen: „Wir wollen die Weltmeisterschaft auch genießen“, sagt sie. Denn allein in Tryon dabei zu sein, ist schon der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere.

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