Weltmeisterin Anja Kobs (Mitte) mit den Zweit- und Drittplatzierten Johanna Haland (rechts) und Sara Berstrom (links).
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Weltmeisterin Anja Kobs (Mitte) mit den Zweit- und Drittplatzierten Johanna Haland (rechts) und Sara Berstrom (links).

Ironman

Sie quält sich zum Weltmeister-Titel: Anja Kobs triumphiert in Almere in der Altersklasse 45

Es ist der bislang größte Erfolg in der Karriere von Anja Kobs: Die Allingerin wurde in Almere Ironman-Weltmeisterin in der Altersklasse 45.

Almere/Alling – Jahrelang war sie die „Duathlon-Vizeweltmeisterin“, seit Ende Juni durfte sie sich „Triathlon-Vize-Europameisterin“ nennen. Am vergangenen Sonntag krönte sich Anja Kobs nun endgültig: Im niederländischen Almere errang sie den Weltmeister-Titel auf der Triathlon-Langdistanz in ihrer Altersklasse W45. „Jetzt müssen Sie nicht mehr ‘Vize’ schreiben“, scherzte Kobs im Gespräch mit dem Tagblatt. Es war der Allingerin anzumerken, wie glücklich und stolz sie über diesen Erfolg ist: „Von dem Weltmeistertitel habe ich eigentlich schon geträumt, als ich vor rund einem Jahrzehnt mit Triathlon angefangen habe“, bekannte die Ausdauerkönigin.

Almere war erst der dritte Ironman-Wettbewerb für Anja Kobs

Es war erst das dritte Mal in ihrer semiprofessionellen Sportkarriere, dass Kobs sich an der legendären Herausforderung maß: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und zum Schluss noch einen kompletten Marathonlauf bewältigen, also 42,195 Kilometer.

Kobs eindrucksvolle Zeiten in Almere: 1:16 Stunden war sie im 20 Grad warmen, aber unruhigen Weerwater, einen Binnensee, unterwegs. 5:16 Stunden saß sie auf dem Rad. Für die olympische Langlaufstrecke benötigte sie nur 3:21 Stunden. Mit den Wechselzonenzeiten addierte sich ihr Wettkampf auf 10:03 Stunden. Als beste W45-Athletin der Weltmeisterschaften mit knapp vier Minuten Vorsprung auf die Zweite. Im Gesamtklassement belegte Kobs Platz sechs und ließ dabei die Weltmeisterinnen der Wertungsklassen W35, W40 und WU24 hinter sich.

Die Idee dazu kam der Allingerin während der Corona-Zeit

Doch eigentlich dauerte dieser Wettkampf nicht nur diese zehn Stunden. Eigentlich begann er für Kobs mit dem „Corona-Marathon“ im April des vergangenen Jahres, als sie am Oberschleißheimer Ruderregattasee erstmals die magische Drei-Stunden-Marke für die 42,195 Kilometer unterbot. „Auch das war ein alter Traum von mir“, erinnert sich die 44-Jährige. „Danach dachte ich mir: Was nehme ich mir jetzt als Nächstes vor?“ Es sollte die Ironman-Weltmeisterschaft werden.

Am Sonntag morgen um acht Uhr ging Kobs an den Start, zusammen mit rund 320 weiteren Aktiven, darunter 62 Deutschen, die alle von der Deutschen Triathlon Union (DTU) nominiert worden waren. „Die Wetterbedingungen waren im Grunde ideal“, erzählt die Weltmeisterin. Mit 14 Grad Lufttemperatur in der Früh war es nicht zu warm. Später stieg das Thermometer auf rund 20 Grad. Es war etwas wolkig, nur der Wind blies mehr oder weniger ungebremst über das flache Land und das nahe Markenmeer, eine große Nordseebucht.

Auf dem Rad startet Kobs zu schnell und muss dann kämpfen

Kobs kam gut durch das Wasser und lag im Frauenfeld in den Top 20. Auf dem Rad trat sie mächtig in die Pedale. „Vermutlich zu schnell in der ersten Runde“, merkt Kobs kritisch an. Denn in der zweiten Runde des verwinkelten Kurses fiel sie in ein „schwarzes Loch“, wie sie sagt. „Manche Athleten geben in so einer Situation auf. Aber ich weiß, dass man da wieder rauskommt, wenn man nur will“, sagt Kobs.

Und sie wollte. Nämlich Weltmeisterin werden. Als sie ihr Rad wieder in den Ständer stellte, stellte sie fest, dass nur eine W45-Frau vor ihr lag: die Norwegerin Johanna Halland. Kobs war klar: Der WM-Titel ist zum Greifen nah. Denn Laufen kann sie. So viele Trainings- und Wettkampfkilometer wie die Allingerin hat wohl kaum eine Nichtprofi-Triathletin in den vergangenen zwei Jahren zurückgelegt.

Anja Kobs kann ihren Erfolg noch gar nicht fassen

Nach 2,5 von sechs Runden auf Kilometer 18 hatte sie die Norwegerin eingeholt. Doch in einem 42-Kilometer-Lauf bedeutet das nichts. „Eigentlich besteht ein Marathon aus einem Zehn-Kilometer-Rennen mit 32 Kilometern Anlauf“, lautet eine alte Marathoni-Weisheit, die Kobs natürlich auch kennt. Sie hielt ihr Tempo eisern durch, mit einem fast konstanten Schnitt von 4:46 Minuten pro Kilometer. Als sie abends um 18:03 Uhr durch das Ziel lief, konnte die Weltmeisterin es gar nicht glauben. Auch zwei Tage nach dem Rennen war Kobs noch sprachlos darüber, dass sie sich nun als Weltbeste W45-Amateurtriathletin auf der legendären Ironman-Distanz fühlen durfte. „Das dauert wohl noch ein bisschen“, sagte sie.

Kobs holte eine der insgesamt drei Goldmedaillen für die Deutsche DTU, neben Marion Hebding (W50) und Christoph Hugenberg (M55). Was als nächstes auf dem Programm steht, weiß Kobs natürlich schon: „Den Wien-Marathon 2022 unter drei Stunden laufen.“ Dieses Ziel hatte sie sich eigentlich für das vergangene Jahr vorgenommen. Die Veranstaltung fiel damals wegen der Pandemie aus. Kobs ging stattdessen an der Ruderregattastrecke auf Bestzeiten-Jagd – und tat den ersten Schritt für ihren ersten WM-Titel.

Horst Kramer

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