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Jubel in ungewohnter Situation: Anja Kobs teilte sich am Sonntag die Strecke mit Spaziergängern, Radfahrern und Inline-Skatern.

Unter drei Stunden

Allingerin gelingt persönliche Marathon-Bestzeit

Anja Kobs knackt beim Stay at Home Marathon die Drei-Stunden-Marke und spendet den Erlös daraus an den Hospiz- und Palliativdienst Fürstenfeldbruck.

Oberschleißheim/Alling – Sie riss die Arme hoch und schrie ihre Freude heraus: „Zwo achtundfünfzig vierzig!“ Anja Kobs, die Allinger Duathlon-Vizeweltmeisterin, hatte gerade eine neue persönliche Bestzeit auf der Marathondistanz aufgestellt – in Zahlen: 2:58:40 Stunden. Nicht bei einem regulären Langstreckenrennen – die sind zurzeit weltweit abgesagt –, sondern im Rahmen des #Stayathome-Marathons der Organisatoren des Hannover-Marathons, der am vergangenen Sonntag eigentlich hätte stattfinden sollen.

Kobs hatte sich einen flachen Kurs rund um die Ruderregatta-Strecke bei Oberschleißheim ausgemessen – eine Runde beträgt gut 4,8 Kilometer. Neunmal lief sie an der Tribüne vorbei, gestartet war Kobs am gegenüberliegenden Ufer. Die äußeren Bedingungen waren am vergangenen Sonntag nicht ideal für ein Marathonrennen: Keine noch so kleine Wolke verdeckte die Sonne, auf der Tribünenseite blies ein spürbarer Nordostwind der Läuferin ins Gesicht – Marathon-Teilnehmer bevorzugen kühlere Temperaturen und hassen Gegenwind.

Zudem waren mehrere hundert Freizeitsportler auf dem Gelände unterwegs: außer Läufern auch spazierende Familien, rasende Radler sowie nicht immer berechenbare Inlineskater jeden Alters. Lauter Akteure, auf die ein Marathoni während eines Rennens normalerweise nicht achten muss. Beirren ließ sich die Allingerin davon aber nicht.

Bewährter Partner ist auch dieses Mal wieder an ihrer Seite

Kobs war frühmorgens um Punkt acht Uhr auf die Strecke gegangen. An ihrer Seite: Wieder einmal ihr „Edelhase“ Andreas Brünnert (LG Stadtwerke München), mit dem Kobs an Silvester einen Doppelsieg gelandet hatte – erst in Eichenau, eine Stunde später in Pfaffenhofen an der Glonn. Brünnert bestritt allerdings nicht die kompletten 42 Kilometer, sondern „nur“ rund dreißig Kilometer. „Ich bin derzeit nicht in Marathonform, die volle Distanz hätte ich nicht durchgehalten“, berichtete der Münchner später. Er begleitete Kobs auf den ersten Runden und fungierte für den Rest des Rennens als Windbrecher auf der Tribünenseite – mit Erfolg.

„Die ersten sieben Runden vergingen wie im Fluge“, beschrieb die Allingerin hinterher ihr Rennen. Sie wäre „total locker“ gewesen. Die Hälfte der Distanz passierte sie nach 1:29:28 Stunden. In der zweiten Hälfte legte Kobs mit 1:29:12 Stunden sogar noch einen Schritt zu. „Zum Schluss musste ich aber ganz schön beißen“, gestand die zierliche Ausdauersportlerin mit einem Lächeln im Ziel. „Es war immer mein Traum, die 42,195 Kilometer in weniger als drei Stunden zu schaffen – und jetzt hat es endlich geklappt!“

Magische Marke ist endlich geknackt

Drei Stunden sind eine magische Marke für die legendäre Distanz, praktisch jeder ambitionierte Langstrecken-Fan will sie wenigstens einmal in seiner Karriere unterbieten. Profis sind natürlich deutlich schneller: Der Weltrekord bei den Frauen steht derzeit bei 2:14:04 Stunden, bei den Herren bei 2:01:39 Stunden.

Rund ein halbes Dutzend Familienmitglieder und Freunde hatten Anja Kobs auf der Strecke angefeuert, darunter auch Monika Keck, die Leiterin des ambulanten Hospiz- und Palliativdiensts der Fürstenfeldbrucker Caritas. Kobs ist als ehrenamtliche Sterbebegleiterin für die Caritas tätig. Sie hatte zu Spenden für den Dienst aufgerufen, der sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in der Corona-Krise wegen nicht verfügbarer Schutzkleidung nicht helfen darf. Ein Unterstützer überreichte vor Ort 400 Euro in bar: Christoph Läpple vom „Luftraum“, eine derzeit geschlossene Bar in Fürstenfeldbruck. Klar, dass Kobs das Geld gleich an die hoch erfreute Caritas-Einsatzleiterin weiter reichte.

Spendenkonto

Wer selbst spenden will, findet die Kontoverbindung und weitere Informationen dazu auf der Internetseite www.anjakobs.eu.

Horst Kramer

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