Anja Kobs einsam auf der Straße: Beim virtuellen Wettkampf durch die Isarauen geht jeder Läufer alleine an den Start.
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Anja Kobs einsam auf der Straße: Beim virtuellen Wettkampf durch die Isarauen geht jeder Läufer alleine an den Start.

Virtueller Laufsport

Allingerin übertrifft in Ismaning ihre Zeit aus dem Vorjahr

Anfang November beendete die Ausdauerspezialistin Anja Kobs eine ungewöhnliche Straßenlauf- und Triathlonsaison. Nun stieg sie in eine ebenso außergewöhnliche Winterlaufsaison ein.

Alling – Der Grund in beiden Fällen: Corona macht herkömmliche Lauf- und Mehrkampfveranstaltungen unmöglich. Wie etwa die Ismaninger Winterlaufserie, deren erster Wettbewerb für den vergangenen Sonntag vorgesehen war, jedoch von den Veranstaltern des TSV Ismaning abgesagt wurde. Dass Kobs das Rennen durch die Isarauen dennoch bestreiten konnte und mit einer hervorragenden Zeit beendete, hat mit dem Einfallsreichtum des ehemaligen Toptriathleten Klaus Ruscher zu tun, heute Inhaber eines Münchner Sportgeschäfts.

Ruscher dachte sich eine virtuelle Winterlaufserie aus, auf den Strecken, die durch reale Veranstaltungen bekannt sind – zum Beispiel in Ismaning. Das Ruscher-Team verschickt Streckenpläne und gibt die Zeitfenster bekannt, innerhalb derer das Rennen bestritten werden kann. Als Beleg einer Teilnahme genügt das GPS-Protokoll des Laufes, aufgezeichnet durch eine Laufuhr oder App.

Autopanne auf de Weg zum Lauf

So machte sich Anja Kobs am Samstagmorgen gen Ismaning auf, um dort einen 13-Kilometer-Lauf zu bestreiten – auf dem Originalkurs durch die Isarauen. In Garching sollte Andreas Brünnert zusteigen. Er gibt seit vielen Jahren den „Hasen“ – also den Tempomacher – für Kobs. Das Tagblatt bezeichnete Brünnert vor einigen Jahren als Kobs’ „Edelhasen“, seitdem sein Spitzname. Doch als die beiden von Garching nach Ismaning weiterfahren wollten, machte Kobs’ Fahrzeug schlapp. Einige Telefonate später konnte das Duo dank eines „gelben Engels“ nach Ismaning düsen.

Und dort düste Kobs dann richtig los. „Ich hatte meine Zweifel, ob wir unter diesen Bedingungen mein Ziel erreichen könnten, schneller zu sein als vor zwölf Monaten.“ Beim ersten Rennen der Ismaninger Winterlaufserie 2019/2020 war Kobs nach 52:35 Minuten als sechstbeste Frau und schnellste W40-Athletin eingetroffen, an der Seite von Brünnert. Die beiden gingen flott an, mit 4:01 Minuten auf dem ersten Kilometer. Kobs drückte aufs Tempo, lief sich in einen „Tunnel“. Brünnert hatte hingegen bei Kilometer elf überraschend mit Seitenstechen zu kämpfen. Die Allingerin ließ ihren Hasen hinter sich, drehte noch einmal auf und beendete das Rennen nach starken 51:51 Minuten, also mindestens 44 Sekunden besser als 2019.

Das Endergebnis steht noch nicht fest

Vielleicht sogar mehr: Kobs’ Uhr hatte die Strecke vor einem Jahr auf 12,9 Kilometer bemessen, heuer drückte die Dauerläuferin erst nach exakt 13,0 Kilometern den Stoppknopf. Allerdings ist den GPS-Uhren nicht immer zu trauen, sowohl in Wäldern wie in Straßenschluchten tun sich die Geräte zuweilen mit der GPS-Peilung schwer. Brünnert kam eine knappe Minute später an. Der Deutsche M35-Meister über 5000 Meter des Jahres 2019 nahm die Sache sportlich und meinte: „Es war definitiv einfacher, als Du noch 4:15 Minuten pro Kilometer gelaufen bist.“

Auf welchen Plätzen die beiden gelandet sind, erfahren sie allerdings erst in der Weihnachtswoche. Dann veranstaltet Ruscher eine „virtuelle Siegerehrung“ aus dem Homeoffice – als Zoom-Meeting. Zum Jahresende sind die beiden voraussichtlich bei Ruschers Silvesterrennen im Münchner Ostpark unterwegs, Mitte Januar geht es in Ismaning weiter.

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Horst Kramer

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