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Cüneyt Altintas ist nach 13 Jahren Pause zurück im Ring: Seine späte Profi-Karriere kennt nur Siege

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Von: Peter Loder

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Dauersieger: Cüneyt Altintas (l.) hat jeden seiner 14 Profikämpfe gewonnen – 13 davon per k.o.
Dauersieger: Cüneyt Altintas (l.) hat jeden seiner 14 Profikämpfe gewonnen – 13 davon per k.o. © Privat

Es ist eine Erfolgsgeschichte: 13 Jahre lang stand Cüneyt Altintas nicht im Ring. Seit seinem Comeback hat der Brucker alle 14 Kämpfe gewonnen.

Fürstenfeldbruck – 13 Jahre war er nicht mehr im Boxring gestanden. 2018 feierte er als damals 32-Jähriger ein gewagtes Comeback und unterschrieb seinen ersten Profivertrag. Mittlerweile ist Cüneyt Altintas fünf Jahre älter geworden, hat 14 Kämpfe absolviert, ist 14-mal ungeschlagen (davon 13 Knock Outs) und noch längst nicht am Ziel seiner Karriere angelangt. Im Gegenteil: Mit 37 Jahren ist der in Fürstenfeldbruck geborene und in der Talentschmiede des BC Piccolo ausgebildete Halbschwergewichtler zu einer Größe in der deutschen Profibox-Szene gereift.

Großer Auftritt im TV war schon geplant

Vor einem halben Jahr hatte Altintas die große Chance, in die Top-50 der Welt zu kommen. Als Herausforderer von Lokalmatador und Junioren-Vizeweltmeister Tom Dzemski sollte er in Magdeburg vor großer Kulisse und im Fokus der TV-Kameras bei einer Liveübertragung um die deutsche Meisterschaft kämpfen. Alles war schon angerichtet, die ARD-Sportschau hatte das Duell unter dem Motto „Next Generation“ angekündigt, Promoter Ulf Steinforth sprach von einem „Hauch von Las Vegas“.

Bei der Pressekonferenz waren der Brucker und sein Manager Fahit Altunkaya noch vor Ort. Altintas war als 13-facher K.o.-König in Serie angereist, boxte dabei aber in einer anderen Liga und noch nie länger als über vier Runden. Diesmal sollten es sechs werden. „Ich hatte ein richtig gutes Gefühl“, so Altintas. Doch unmittelbar vor dem Kampf brach sich Altintas im Training den kleinen Finger der rechten Hand. Aus der Traum – vorläufig zumindest. Denn noch in diesem Jahr will der hauptberuflich bei der Kassenärztlichen Vereinigung als Sachbearbeiter beschäftigte Boxer einen erneuten Anlauf nehmen.

Als 13-jähriger hatte der im Brucker Norden gleich neben dem in der dortigen Schule untergebrachten Trainingskeller des BC Piccolo aufgewachsene Altintas mit dem Boxen begonnen. „Im Februar 1999“, erinnert sich Altintas noch gut an die Anfangszeit mit Brucks Trainer-Legende Wolfgang Schwamberger. Der hatte ihn bereits nach sechs Monaten derart „gut und hart ausgebildet“, um ihn bei einem Vergleichskampf in der Jahnhalle erstmals in den Ring zu schicken. „Natürlich hab‘ ich gewonnen.“ Es folgten noch 40 weitere Amateurkämpfe, ehe es zu Differenzen mit dem Bayerischen Amateurboxverband kam und Altintas die Handschuhe in die Ecke feuerte, wo sie bis 2018 verstaubten. Dann begann der zweite Karriere-Anlauf eher zufällig.

Rückkehr zum Boxen kam eher zufällig

Der spanische Profiboxer Pas Fontanet war gerade zu Gast in Bruck und suchte einen Sparringspartner. Als er ihn in Person von Cüneyt Altintas gefunden und zum Training überredet hatte, erlebte der Spanier sein blaues Wunder. „Ich habe ihn richtig umgehauen, er empfahl mich für einen Profikampf. Da hatte ich wieder Blut geleckt“, erzählt Altintas. Zwischenzeitlich hatte er mit seinen Brüdern Fußball beim SC und BVTA Fürstenfeldbruck gespielt. „Doch Mannschaftssport ist nichts für mich. Ich will allein meinen Mann stehen. Boxen ist dafür die wahre Schule fürs Leben. Beim Fußball wird alles auf viele Schultern verteilt. Das ist eher etwas für Weicheier.“

Die große Kunst der von Schwamberger einst gelehrten Faustkampf-Feinheiten erklärt Altintas in überlegt gewählten Worten: „Ich kann den Gegner lesen. Das ist meine große Stärke als Konterboxer.“ Was dann folgt, klingt zwar eher brutal, ist aber eine geschickt gewählte Taktik: „Ich lege mit Körpertreffern los und ziele nicht auf den Kopf, denn das hat meist nur kurze Wirkung.“ Altintas‘ Spezialität sind Leberhaken: „Das wirkt im Körper wie ein Kurzschluss.“

Manchmal Mitleidmit dem Gegner

Ob er Mitleid mit dem Gegner verspüre? „Manchmal“, gesteht der 37-Jährige. „Aber das gehört nun mal dazu. Grundsätzlich will kein Boxer sein Gegenüber verletzen und meist gibt es hinterher auch kein böses Blut.“ Das aggressive Posing im Vorfeld von Profikämpfen „gehört einfach mit zur Show“.

Der privat seriös, bodenständig und gentlemanlike auftretende Boxer bezeichnet sich selbst als „ausgesprochen friedlich – nur im Ring eben nicht“. Ehefrau Firuze verfolgt seine Kämpfe trotzdem nur selten: „Sie kann einfach nicht zuschauen.“

Vor zwei Wochen hat Cüneyt Altintas in Regensburg seinen 14. Profikampf absolviert – natürlich mit einem k.o. gewonnen. Dabei war der Brucker nach einem Kopfstoß seines ungarischen Gegners von einem blutenden Cut an der Augenbraue gehandicapt. Trotzdem lag Istvan Kiss schon dreimal am Boden, ehe der Kampf vom Referee in der zweiten Runde vorzeitig beendet wurde. Ironie des Schicksals: Der Ungar hatte sich einen Finger gebrochen. (Peter Loder)

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