Die Vizepräsidenten Peter Dawo (stehend links) und Lothar Mangel (stehend Mitte, in rot) versuchen mit Trainer Thomas Köhle (rechts), die Boxer bei Laune zu halten.
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Die Vizepräsidenten Peter Dawo (stehend links) und Lothar Mangel (stehend Mitte, in rot) versuchen mit Trainer Thomas Köhle (rechts), die Boxer bei Laune zu halten.

Boxen

Lockdown und Ringkampfverbot treffen den BC Piccolo hart

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Mit aller Macht stemmen sich die Piccolos gegen das Virus. Noch lassen sich Brucks Boxer von Corona nicht in die Ecke drängen, obwohl jetzt zwei weitere Tiefschläge folgten: Bis zum Jahresende wird es keine offiziellen Ringkämpfe mehr geben.

Fürstenfeldbruck – Und auch den eh schon eingeschränkten Trainingsbetrieb im Keller der Schule Nord muss der Verein mindestens bis Ende November einstellen. Dabei wollte Vereinspräsident Manfred Kaltenhäuser unbedingt zumindest das Training irgendwie aufrecht erhalten – damit seine Schützlinge fit sind für das kommende Jahr, wenn der BC Piccolo sein 75-jähriges Bestehen feiert.

Der Lockdown im Frühjahr hat den Faustkämpfern zwar einen Knockdown verpasst, doch komplett k.o. sind sie nicht gegangen – obwohl das Sportjahr 2020 nun endgültig gelaufen ist. Denn der Bayerische Amateur-Boxverband hat seinen 110 Vereinen mitgeteilt, dass die seit Mitte März andauernde Veranstaltungssperre bis zum Jahresende verlängert wird. Auch der Deutsche Boxsportverband hat seine noch ausstehenden Ranglistenkämpfe und die Teilnahmen an Europameisterschaften storniert.

Im Frühjahr war beim BC Piccolo noch alles im grünen Bereich. Beim ersten der vier geplanten traditionellen Integrationsturnieren in der Jahnhalle feierten die Brucker sechs Siege. Kurz danach erkämpften sie außerdem bei der südbayerischen Jugendmeisterschaft in der Emmeringer Amperhalle jeweils viermal Gold und Silber. Alles schien darauf hinzudeuten, dass an das Erfolgsjahr 2019 mit fünf deutschen Titelträgern und drei Vizemeistern angeknüpft werden könnte. Daraus wurde nichts. Alle nachfolgenden Meisterschaften fielen der Corona-Pandemie zum Opfer. Ebenso die beim Publikum beliebten Bierzelt-Veranstaltungen bei den Volksfesten in Fürstenfeldbruck, Olching und Maisach. Auch der Trainingsbetrieb in der Schule Nord wurde für vier Monate eingestellt.

Erst die Lockerungen ab Juli sorgten dafür, dass die Piccolos wieder etwas auf die Beine kamen. Der Trainingsbetrieb lief seitdem mit begrenzter Teilnehmerzahl und nach vorheriger Anmeldung über eine App nach dem Motto: „Wer zuerst kommt…“. „Um alle Wünsche zu erfüllen, mussten wir unsere Trainingszeiten mehr als verdoppeln“, bedauert Vizepräsident Peter Dawo, der gleichzeitig Corona-Beauftragter des Vereins ist. Besonders schmerzt ihn, dass 40 neu angemeldete Nachwuchsboxer nicht wie gewohnt ausgebildet werden können. Dieses Problem wird sich mit dem erneuten Lockdown ab Montag noch verschärfen.

Und wann der transportable Boxring des BC Piccolo wieder in der Jahnhalle oder einem Festzelt installiert werden kann, ist völlig unklar. „Wir tun alles, damit sich unsere Kämpfer fit halten und nicht die Lust am Boxen verlieren“, versichert Lothar Mangel. Der Ex-Boxer, Trainer und Kampfrichter steht seit 50 Jahren in Diensten des BC Piccolo und ist ein Stellvertreter des seit 1972 als Präsident amtierenden Manfred Kaltenhäuser. Schon die Feierlichkeiten zu dessen 80. Geburtstag waren im Mai coronabedingt kleiner ausgefallen als geplant.

Nun stehen im kommenden Jahr zwei weitere große Jubiläen bevor. Zunächst das 75-jährige Vereinsbestehen und dann der 90. Geburtstag von Wolfgang Schwamberger. Die Trainer-Legende begleitet den BC Piccolo seit der Gründung, musste sich zuletzt allerdings gesundheitsbedingt rar machen. Obwohl mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung, verzichtet der „Sozialarbeiter im Ring“, wie der Talentspäher und Entdecker von Weltmeister Artur Abraham wegen seiner integrativen Arbeit mit Jugendlichen gewürdigt wird, noch auf Besuche in der Trainingshalle. Spätestens im Jubiläumsjahr will Schwamberger aber wieder seine Schützlinge beim Sparring beobachten. Sofern der hartnäckige Corona-Gegner bis dahin auf die Bretter geschickt wird.

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