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Voller Fokus auf den Sport: Luis Kleinschnitz vom TC Eichenau spielt seit Herbst für die University of Toledo (Ohio).

Tennisspieler Luis Kleinschnitz

Coronavirus: Ein Zwölf-Stunden-Trip beendet seine College-Saison

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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Eigentlich sollte Luis Kleinschnitz in den USA gerade College-Tennis spielen. Doch da Coronavirus hat dem Eichenauer einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Eichenau – Eigentlich würde die Tennissaison an den US-Colleges gerade auf ihre heiße Phase zusteuern. Aber das Coronavirus hat auch in den Vereinigten Staaten den gesamten Spielbetrieb lahmgelegt. Davon betroffen ist der Eichenauer Luis Kleinschnitz. Der 19-Jährige studiert seit Herbst an der University of Toledo (Ohio) und spielt für deren Tennis-Team. Wie er den Ausbruch des Virus in den USA erlebt hat, wie seine Heimreise lief und wie es ihm in der tennisfreien Zeit geht, erzählt er im Tagblatt-Interview.

Zwölf-Stunden-Trip und Absage in letzter Minute

Es hat ja etwas gedauert, bis auch in den USA Maßnahmen getroffen wurden. Wie haben Sie die Situation verfolgt?

Wir haben in den Nachrichten mitbekommen, dass vor allem die Situation in New York richtig schlimm wird. Trotzdem waren wir schon auf unserer sechsstündigen Anreise zur Buffalo-Universität (Bundesstaat New York). 20 Minuten vor der Ankunft haben wir dann erfahren, dass das Spiel abgesagt wurde. Wir mussten uns also direkt wieder auf den langen Rückweg machen.

Wann war dann klar, dass die Sportsaison komplett ausfällt?

Die Conference (Anmerkung der Redaktion: die amerikanische College-Ligen sind in unterschiedliche regionale Gruppen, sogenannte Conferences, eingeteilt) wurde bereits am Tag darauf beendet. Und nur drei Tage später wurde dann auch das gesamte Semester abgebrochen.

Stand damit auch der Entschluss, nach Hause zurückzukehren?

Für meine Teamkollegen und mich war eigentlich schnell klar, dass wir nach Hause fliegen würden. Es bestand ja auch die Gefahr, dass das wegen Ein- und Ausreiseverboten nicht mehr lange gehen würde.

War es ein Problem, einen Flug in dieser Situation zu bekommen?

Da hat sich mein Vater gleich darum gekümmert, als das Problem aufgekommen ist. Das hat für mich alles sehr gut funktioniert. Insgesamt werde ich von meiner Familie und Freunden enorm unterstützt. Dafür bin ich unendlich dankbar. Bevor ich nach Amerika gegangen bin, hatte ich eine sehr schwierige Zeit, aber dank der Fürsprache aus meinem Umfeld habe ich doch den Schritt gewagt.

„Die Chemie in der Mannschaft ist unglaublich.“ Für das Team lief es bis zum Saisonabbruch sehr gut.

Luis Kleinschnitz: „Wir haben uns schon alle auf die Spiele gefreut“

Bis zum Abbruch haben Sie eine starke Saison gespielt. Schmerzt die Situation nun umso mehr?

Ja. Als Team haben wir bis dahin eine gute Bilanz hingelegt. Wir haben bis dahin mehr Partien gewonnen als verloren. Deshalb waren wir zuversichtlich, dass wir auch in der Conference etwas reißen können. Wir haben uns schon alle auf die Spiele gefreut. Umso enttäuschter waren wir, als dann alles abgesagt wurde.

Man hat ja nur eine begrenzte Zahl an Semestern, die man für ein Team spielen darf. Was bedeutet das jetzt für Ihre College-Karriere?

Für das Semester bekomme ich ein zusätzliches Redshirt (College-Spieler dürfen eine bestimmte Anzahl an Semestern wegen Verletzungen fehlen, ohne dass diese angerechnet werden, diese werden Redshirt genannt). Mir entstehen wegen der Corona-Krise also keine Nachteile.

Gibt es schon Infos, wann Sie wieder zurück in die USA können?

Normalerweise würde es Mitte August wieder zurück in die Staaten gehen. Aber genaue Informationen, wie es weitergeht haben, wir noch nicht bekommen. Wir müssen einfach abwarten, was Trump sagt.

Das College wird vermehrt zum Sprungbrett für die ATP-Tour. Träumen Sie auch noch von einer Profikarriere?

Das College ist eine super Möglichkeit, Tennis und Studium zu verbinden. In den USA liegt ein sehr starker Fokus auf dem Sport. Dort werde ich sehr gefördert und auch akademisch gut unterstützt. Und man weiß ja nie, was sich in den nächsten zwei, drei Jahren so ergibt. Mir macht das Tennisspielen einfach viel Spaß und dann sieht man schon, wohin mich das führt.

Haben Sie derzeit noch Kontakt zu Ihren Mitspielern vom College?

Ja. Das Team ist meine zweite Familie geworden. Ohne die wäre meine Zeit am College nicht so gut gegangen, wie sie letztlich gelaufen ist. Die Chemie in der Mannschaft ist unglaublich. Man gibt immer füreinander Vollgas – auf und neben dem Platz. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich diese Menschen allen kennengelernt habe.

Tausende Kilometer trennen die Mannschaftskollegen von Kleinschnitz (links unten). Den Kontakt halten sie dennoch aufrecht.

Luis Kleinschnitz: „So eine lange Pause hatte ich schon lange nicht mehr“

Wie halten Sie sich in der Zwischenzeit fit?

Wir haben von unseren Coaches Trainingspläne bekommen. Dazu gibt es am Anfang und Ende des Semesters immer einen Fitnesstest. Die Übungen, die darin abgefragt werden, mache ich derzeit auch noch. Und nebenbei versuche ich, mich noch mit anderen Fitness-Übungen in Form zu halten.

Reicht das oder bräuchte es auch noch echtes Tennistraining?

Das Tennisspielen fehlt mir schon sehr. Seit dreieinhalb Wochen bin ich nicht mehr auf dem Platz gestanden. So eine lange Pause hatte ich schon lange nicht mehr. Gerade jetzt könnte ich eigentlich mit meinen Freunden spielen, aber leider geht das ja nicht.

Kann der TC Eichenau mit Ihnen rechnen, sollte heuer noch eine Tennis-Saison in Bayern stattfinden?

Ja. Hier sind meine Freunde, hier bin ich daheim. Der Zusammenhalt im Team ist super. Deshalb gibt es aktuell eigentlich keinen Grund für mich, zu einem anderen Verein zu wechseln.

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