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Dirk Schaefer will mit seiner Petition den Abbruch der Saison 2019/2020 erreichen. Über 8800 Menschen haben schon unterschrieben.

„Die aktuelle Saison ist tot“

Dirk Schaefer erklärt im Interview, warum er die Petition zum Abbruch der Amateur-Spielzeit startete

Am 4. Juni hat der Abteilungsleiter des FC Stein (Mittelfranken), Dirk Schaefer, die Petition „Abbruch der Saison 2019/2020 in den Bayrischen Amateurfußball-Ligen“gestartet.

Landkreis – Das Ziel ist klar: Die Saison 2019/2020 soll im Amateurfußballbereich in Bayern beendet werden. Bereits über 8.800 Leute unterstützen die Petition auf openpetition.de. Darunter auch etwa 100 aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Im Interview erklärt der Initiator, warum er die Petition ins Leben gerufen hat, wie es damit weitergeht und wie er die Situation an Stelle des Bayerischen Fußballverbands (BFV) handhaben würde.

Warum haben Sie die Petition ins Leben gerufen?

Das Thema Fortsetzung der Saison zieht sich schon sehr lange. Wegen der Corona-Pandemie gab es dann mehrere Webinare des BFV. Dazu gab es auch eine Abstimmung, die heute vom BFV nur noch als Umfrage betitelt wird. Dort wurde dann entschieden, dass die Saison 2019/2020 fortgesetzt wird. Zu der damaligen Zeit gab es schon einige Gegenstimmen und es war noch nicht bekannt, wie man das Ganze handhabt. Damals hieß es, dass die Saison 2020/2021 dann verkürzt stattfinden wird. Nachdem die Gegenstimmen immer lauter wurden und auch sonst in allen anderen Landesverbänden und sogar in manchen Profibereichen die Sport-Saison abgebrochen wurde, habe ich beschlossen, die Petition online zu stellen. Man hätte mehr den Kontakt zu den Vereinen suchen sollen.

Was erhoffen Sie sich von der Petition?

Am besten wäre ein sachliches Gespräch mit dem BFV. Mich ärgert es allerdings, dass in den Kommentaren bei der Petition der BFV und auch Herr Koch beleidigt werden. Wir distanzieren uns davon ganz klar. Wir stehen hinter unseren sachlichen Argumenten und der Petition, aber wollen mit manchen Kommentaren nicht in Verbindung gebracht werden. Der BFV hat einen schweren Job und hat in unseren Augen auch Fehler gemacht – wie zum Beispiel bei der Wechselfrist. Allerdings sind Beleidigungen und sonstiges unangebracht.

Was passt Ihnen an der Wechselfrist nicht?

Die Regularien zur Wechselfrist waren der letzte Anstoß, der mich dazu bewegt hat, die Petition ins Leben zu rufen. In den Webinaren wurde nämlich gesagt, dass man eine gute Lösung finden wird. Für viele sind die Wechsel-Regeln allerdings nicht gut. Man hat beschlossen, die Wechsel-Phase genau so zu handhaben, wie im Winter. Das heißt, dass die Spieler nur mit Zustimmung des Vereins wechseln dürfen. Vom Prinzip her klingt das recht gut. Allerdings ist es nicht so, dass die Spieler dann wirklich nicht gehen können. Beim Winterwechsel ist es nämlich so, dass Vereine auch einfach eine entsprechende Summe zahlen und so neue Spieler verpflichten können. Das ganze nennt man dann Aufwandsentschädigungen. Im Sommer ist diese festgelegt und im Winter nicht. Da ist sie frei verhandelbar und deswegen sind viele Vereine der Meinung, dass die Summen im Amateurbereich nach oben getrieben werden. Also ist es jetzt so, dass du, wenn du einen Spieler haben willst, diesen nicht für eine faire Aufwandsentschädigung holen kannst, sondern eine höhere Summe zahlen musst.

Wie würden Sie die aktuelle Situation dann handhaben?

Ich bin nicht der Allwissende und man sollte das Ganze logischerweise in einer Diskussion mit den Vereinen und dem BFV regeln. Es ist klar, dass wir nächste Saison eine verkürzte Saison spielen und flexibel sein müssten. Keiner weiß , wie es mit Corona weitergeht. Mein Vorschlag wäre allerdings, dass man die aktuelle Saison abbricht und eine großzügige Aufstiegsregelung schafft. Wir wollen niemandem den Aufstieg vermiesen und sind gegen eine strikte Annullierung der Saison. Bei unserer Regelung würde niemand absteigen und die Mannschaften auf den Aufstiegs- und Relegations-Plätzen würden aufsteigen. Falls man dann in der nächsten Saison zu viele Vereine in einer Liga hätte, könnte man aus zum Beispiel zwei Kreisligen halt eine Saison lang drei machen. Die nächste Saison sollte wieder starten, wenn das die Corona-Pandemie zulässt. Die aktuelle Saison ist tot und das muss man akzeptieren.

Wie stehen Sie zu den Webinaren und der Abstimmung des BFV?

Der Bayerische Fußballverband hat am 8. Juni eine Konferenz gemacht, in der gesagt wurde, der Verband würde unsere Petition sehr ernst nehmen. Allerdings hat sich bei mir seitdem noch keiner richtig gemeldet. Man wirft uns vor, wir würden nur fordern, aber nicht liefern. Bisher hatten wir aber noch gar nicht die Möglichkeit, zu liefern. Die Diskussion mit den Vereinen wurde nie richtig zugelassen. Bei der Abstimmung beziehungsweise Umfrage wurde uns nur ein „Ja ihr stimmt dem Verband zu“ oder ein „Nein ihr stimmt dem Verband nicht zu“ zur Auswahl gegeben. In den Webinaren wurden weder Fragen noch Diskussionen zugelassen. Man hat dort als BFV einfach sein Projekt vorgestellt.

Was halten Sie davon, die nächste Saison ausfallen zu lassen?

In den Webinaren war davon nie die Rede. Es wurde immer davon gesprochen, dass es eine verkürzte Saison 2020/21 geben wird. Auch bei der Petition in den Kommentaren kann man nachlesen, dass viele dies für sinnlos halten.

Hat sich der BFV schon bei Ihnen gemeldet?

Mit mir war bisher, seit die Petition online, ist keiner im Austausch. Am Tag, bevor die Petition gestartet wurde, hat der Herr Habermann, der Bezirksvorsitzende von Mittelfranken, in einem normalen Gespräch versucht, mich von den Argumenten des BFV zu überzeugen. Allerdings habe ich ihm dann erläutert, dass er mich nicht überzeugen kann, da wir andere Ansichten haben. Danach gab es nie wieder einen Austausch.

Haben Sie mit dem positiven Feedback gerechnet?

Ich hab mich davor schon mit einigen Leuten ausgetauscht, die die Petition super fanden. Mit dem großen Zuspruch habe ich aber nie gerechnet.

Wie geht es mit der Petition weiter?

Bis zum 1. Juli läuft die Petition noch. Dann wird sie beim BFV eingereicht. Der BFV kann dann dazu Stellung nehmen, muss aber nicht. Selbst, wenn die Petition Eine-Millionen Stimmen hätte, müsste er sich nicht daran halten.

Florentin Reif

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