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Früh übt sich: Der Eiskunstlauf-Nachwuchs d er Germeringer Wanderers trainiert zwei Mal pro Woche fleißig im Polariom.

Training im Polariom

Gold-Kür bei Olympia spornt Eislauf-Nachwuchs an

Im Polariom wird ganz besonders fleißig trainiert. Der sensationelle Gold-Erfolg des deutschen Eiskunstlaufpaares Aljona Savchenko und Bruno Massot bei Olympia in Pyeongchang scheint den Eiskunstläufern des Vereins Wanderers zusätzlichen Antrieb zu geben.

Germering – Die etwas älteren Eiskunstläufer der Wanderers haben ihre Idole Massot und Savchenko sogar schon öfter mit eigenen Augen gesehen: Im Trainingslager. „Wir sind ja auch ein Mal pro Jahr in Oberstdorf. Da sehen wir die beiden dann immer“, verrät etwa Yasemin. Autogramm hat sie sich keines geholt. Sie wollte die Stars nicht in ihrer Konzentration stören.

Groß und klein gleitet zu klassischer Musik über das Eis. Schon Jugendliche drehen Pirouetten, bei denen einem allein schon vom Zuschauen schwindelig wird. Vielleicht ist unter ihnen ja eine zukünftige deutsche Olympia-Hoffnungen.

„Das war schon spannend“, meint der 13-jährige Lukas zu der Rekord-Kür von Savchenko und Massot. „Gerade, weil die beiden im Kurzprogramm ja noch einige Fehler gemacht haben.“ Seine Leidenschaft gilt dem Einzellauf. Wie das bei Gleichalterigen ankomme? Lukas muss einen Moment überlegen. „Also Mädchen finden das eher cool, Jungs machen sich gelegentlich lustig. Aber mir ist das egal, sollen sie halt“, sagt er selbstbewusst.

Auch die drei achtjährigen Emilie, Clea und Lisa haben die Aufzeichnung der Kür gesehen. Besonders die schönen Kostüme der Athleten haben es ihnen angetan – auch ein Grund, warum sie zweimal pro Woche zum Kunstlauf-Training gehen. „Es macht einfach Spaß“, darin sind sich die Mädchen einig. Eishockey, den Sport ihrer Brüder und Väter, haben sie auch schon ausprobiert. Doch das war nichts für sie.

Auch für die 16-jährige Yasemin waren es anfangs die bunten, mit funkelnden Steinchen besetzten Kürkleider, die sie im Alter von elf Jahren für den Eissport begeisterten. Heute trainiert sie in schwarzen Leggins und in einem schwarzen Kapuzenpulli, den die Aufschrift „Ice-skating is happiness“ ziert. Massot und Savchenko faszinieren sie. Ihr selbst wäre Paarlauf zu gefährlich. „Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch.“ Schließlich müsse man sich auf einen Kürpartner verlassen können, gerade bei Figuren, bei denen man in die Luft geworfen wird.

Ihr geht es, wie eigentlich allen Eiskunstläufern bei den Wanderers, in erster Linie um die Freude am Sport. Und um die Herausforderung. Besonders liebt sie Sprünge. „Das fühlt sich an, als ob man fliegt. Das ist so befreiend“, schwärmt die junge Frau von ihrem Hobby, bevor sie mit breit ausgebreiteten Armen und gestrecktem Bein über das Eis davon schwebt.

Uwe Fischbeck

Uwe Fischbeck brennt für den Eiskunstlauf. Er selbst wurde zusammen mit seiner Kürpartnerin Birgit Kuß 1982 deutscher Vize-Meister im Paarlauf. Für Olympia 1984 in Sarajevo war Fischbeck nominiert, konnte verletzungsbedingt aber nicht teilnehmen. Heute trainiert der 56-Jährige den Nachwuchs im Eiskunstlauf bei den Wanderers. Das erste deutsche Paarlauf-Gold bei Olympia seit 66 Jahren freut ihn. Er siehtdie Situation seines Lieblingssports aber auch etwas kritisch: Dass man, um Erfolge zu erzielen, talentierte Sportler einbürgern müsse, sei symptomatisch für das, was im Eiskunstlauf schief laufe. „Es ist eine verkehrte Welt. Fördermittel gibt es immer erst nach den Erfolgen“, moniert Fischbeck. „Wir kleinen Vereine, wir können zwar für gute Startbedingungen sorgen. Aber mit zwei bis drei Trainingseinheiten zu je 40 Minuten pro Woche könne man keinen Leistungssport betreiben“. Der Trainer wünscht sich vor allem mehr Hallenzeiten und überhaupt mehr Eishallen. „Wie soll man denn Medaillen gewinnen, wenn man keine Trainingsmöglichkeiten hat?“, fragt er nachdenklich.

Nachwuchssorgen habe man keine, sagt Silke Overath, Abteilungsleiterin Eiskunstlauf beim Eislaufverein Wanderers Germering. Eher komme man der Nachfrage nicht nach. Von den drei Schnupperkursen, die der Verein kommende Saison anbietet, seien zwei schon komplett ausgebucht.

Ob jetzt, nach dem Gold-Erfolg die Nachfrage noch weiter steige, bleibe abzuwarten. Nachwuchs-Trainer Uwe Fischbeck hofft, dass es mit dem Eiskunstlauf ein bisschen so wird wie beim Tennis. „Als eine Steffi Graf und ein Boris Becker Erfolge verbuchen konnten, da sind dann überall die Tennisplätze aus dem Boden geschossen.“

Katja Brenner

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