Sandro Wagner (3.v.l.) spielte mit dem FC Bayern beim Merkur CUP.
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Sandro Wagner (3.v.l.) spielte mit dem FC Bayern beim Merkur CUP.

Merkur Cup

Er hat nie an seinem Weg gezweifelt: Sandro Wagner schaffte es in seiner Karriere bis zum Nationalspieler

  • vonUwe Vaders
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Spätestens seit 2017 weiß die Fußball begeisterte Republik, dass Sandro Wagner ein Kind des Merkur CUP ist.

München – Kurz vor dem Confed Cup in 2017 im Sky-Interview befragt, antwortete er: „Für mich ist das ein tolles Ereignis und eine Ehre, für mein Land spielen zu dürfen. Egal, ob Confed Cup oder Merkur CUP oder sonst was!“ Nach 180 Bundesligaspielen und 18 Monaten bei Tianjin Tede aus der 14 Millionen-Metropole Nordchinas beendete er coronabedingt sein China-Engagement unter Trainer Uli Stielike in der höchsten Chinesen Liga, der Chinese Super League im Sommer letzten Jahres. Seine sportlichen Anfänge hatte er aber beim FC Bayern – unter anderem beim Merkur CUP.

Das Wetter, der grüne Rasen, dieses Kleinfeld, die Jubelszenen. Bilder, die Sandro Wagner heute noch förmlich spürt. „Ich kann mich an kein Turnier in meiner Jugend bis zur U 21 Europameisterschaft 2009 erinnern, das einen so prägenden Eindruck hinterlassen hat, wie der Merkur CUP. Ich kann das gar nicht richtig in Worten fassen, das sind einfach großartige Gefühle, da fetzen zig Bilder durch den Kopf.“ Zu keinem anderen Turnier hätte er ähnliche Erinnerung, wie an diesen Merkur CUP mit seinem Finale am 18. Juli 1998, einem Sonntag in Geretsried, dem Finalort der erst 4. Auflage des noch jungen Merkur CUP. „Es war einfach etwas besonderes“, schwärmt Sandro Wagner.

Hatte doch der FC Bayern München mit Sandro Wagner unter Jugend-Trainer Friedrich Bopp an diesem Tag den CUP gewonnen und den „Pott“ aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten und Merkur CUP Schirmherrn Edmund Stoiber empfangen. „Stoiber habe ich vor ein paar Monaten noch beim Sport1 Doppelpass wiedergesehen.“

Von Geburt an mit dem FC Bayern verbunden

Wagner ist förmlich seit Geburt mit dem FC Bayern verbandelt. Er spielte als Kind ein Jahr Fußball bei Hertha München, von wo aus nach einem Hallenturnier in Milbertshofen schnell die Tür zur Bayern Jugend aufgestoßen wurde. „Mit acht oder neun Jahren ging es dann zu den Bayern“, hatte er doch beim 2:0 Sieg der Hertha über seinen Lieblingsverein beide Treffer erzielt. Zu jener Zeit war Sendling sein Zuhause. „Es ist gut zu wissen, wo man herkommt,“ rückbesinnt sich Sandro Wagner auf seine Kindheit, „das prägt.“

Mit seinem älteren Bruder Sascha und seinen Eltern („sie haben leider viel arbeiten müssen“) bewohnte er dort eine Sozialwohnung. „Meine Oma begleitete mich stets zum Training und holte mich ab. Alleine durfte man damals noch nicht öffentlich fahren.“ Später mit 11 oder 12 Jahren zog es die Arbeiterfamilie auf Giesings Höhen. „Wir wohnten direkt an der Grünwalder Straße und ich habe in Untergiesing immer die Bayern-Fahne rausgehängt, wenn der FCB sein Heimspiel gewonnen hatte – zumal ich wusste, dass die meisten Bayern-Spieler von der Säbener über die Grünwalder Strasse nach Grünwald fuhren. Die Fahne habe ich dann zwei bis drei Tage hängen lassen.“ Er schlief in Bayern Bettwäsche, hatte Poster an den Wänden und hatte im Italien-Urlaub auch immer die Bayern-Badehose im Gepäck. „Jaja, ich war schon ein Verrückter“, sagt Wagner.

„Früher war ich viel auf mich allein gestellt.“ Hermann Hummels (Vater von Mats und Jonas Hummels, Anm. d. Red.) glaubte bereits früh an ihn, ansonsten hat sich Sandro vieles selbst erarbeiten müssen. „Ich hatte gute Trainer, aber kaum einen, der mich persönlich richtig gepusht hat. Von Tag eins an habe ich mir das meiste selbst erarbeitet. Sonst gibt es ja Jugendspieler, deren Trainer oder Vereine sagen, das ist unser Mann, den bauen wir auf. Bei mir war das nicht der Fall, dafür war ich damals wohl auch nicht gut genug.“

Geprägt von der schwierigen Jugend

Hatte er mit Frust zu kämpfen? „Nein, Frust kam keiner auf, denn ich wusste ja, das ist mein Weg.“ Es war allerdings schon nicht einfach damals. So eine Zeit prägt halt auch einen jungen Menschen. „So habe ich heute vor nichts Angst. Viele Menschen haben Angst davor, alles zu verlieren. So ein Gefühl kenne ich nicht, denn ich hatte früher kaum etwas, was ich überhaupt verlieren konnte.“

Auch Idole hatte Sandro Wagner nie. Er möge manche Menschen sehr, auch Persönlichkeiten seien darunter, „aber ich hatte keine Vorbilder im eigentlichen Sinne und auch nie das Gefühl, so sein zu wollen, wie andere. Ich wollte immer meinen eigenen Weg gehen und habe stets an mich geglaubt.“ Klingt nach Arroganz? Nein, das sei schlichtweg eine Prägung seines Lebens. So sei er schon immer ein Typ der offenen und klaren Worte gewesen, nicht angepasst und nicht glattgebügelt.

„Ich bin auf dem Platz, auf dem grünen Rasen, anders als außerhalb. Es sind zwei verschiedene Welten, die ich auch nicht genau erklären kann. Ich habe immer versucht, für mich und die Mannschaft das Maximale herauszuholen. Meine Spielweise war emotional, durchaus auch mal in der Grauzone oder etwas drüber. Außerhalb war ich aber immer ein anderer Mensch – nur die Leute wollten beziehungsweise konnten es nicht wissen.“ Das habe sich auch nach seiner aktiven Spielerkarriere nicht geändert.

Der künftige Unterhachinger U 19 Trainer macht aktuell als Co-Kommentator auf DAZN von sich reden und wird überschüttet mit Lob. Er spricht gerade heraus, ohne Schnörkel und Herumgeeiere. Das ist sicher auch wieder einer Kindheits-Prägung geschuldet, ist doch Ehrlichkeit eines der wichtigsten Attribute für Sandro Wagner.

Dazu kommt noch die Herzlichkeit. Beides findet er in seiner Familie, mit seiner Frau Denise, mit der er bereits seit seinem 16. Lebensjahr zusammen ist und seinen vier Kindern Luca-Marie, Hugo, Bruno und dem Nesthäkchen Alma. Während er darüber spricht, blättert er im Merkur-CUP-Buch der Werte. „Kinder können nie früh genug lernen, was wahre Werte sind.“

Komplizierte Lage in Corona-Zeiten

Und diese Kinder waren jetzt annähernd ein Jahr weggesperrt. Ausgeschlossen vom Bolzplatz oder Trainingsgelände. Ausgeschlossen von dem, was sie in ihrer Freizeit gerne und mit Hingabe betrieben: dem Fußballspiel. Auch der Merkur CUP musste nach 2020 dieses Jahr erneut coronabedingt abgesagt werden. „Ja, das Thema ist komplex“, verzieht Sandro den Mund und wirkt sehr nachdenklich.

Bei diesem Thema sind wir ganz schnell politisch. Muss man laut sein? Ja, man muss. Bringt das was? Nein, das glaube er nicht. Dennoch, „wenn alle die Einstellung haben, dass Debatten nichts bringen, ist das schlimm.“ Wenn niemand etwas sagt oder jeder die Einstellung hätte, dass den Mund aufmachen nichts bringt, würde vieles verkehrt laufen. Man muss laut sein.

Felix Neureuther hat vor ein paar Wochen deutlich vor allem zum Umgang mit den Kindern seine Meinung gesagt und kritisiert, dass die Kinder keinen Sport ausüben können, nicht einmal unter freiem Himmel. Sandro Wagner nimmt einen Schluck aus der Espresso-Tasse, grüßt Hachings Präsidenten und Merkur CUP Schirmherrn Manni Schwabl und setzt noch einen drauf. „Die Kinder haben jetzt über ein Jahr zurückstecken müssen, haben genug gelitten. Wir haben Ihnen schon zu viel wertvolle Zeit in ihrer kindlichen Entwicklung geklaut.“ Der vierfache Familienvater fährt fort: „Man macht es sich zu einfach, alles zu verbieten.“ Pause. Schweigen, fast betretenes Schweigen.

Voraussetzung für den Erfolg: Spaß und Fleiß

Wir reden wieder von der Zukunft, davon, was er, Sandro Wagner, den Kindern, die gerne einmal Profi werden wollen, mit auf den Weg geben möchte. „Spaß und Fleiß – das sind Voraussetzungen, die die Kids mitbringen sollen. Ein gewisses Talent vorausgesetzt.“ Und auch der Fingerzeig an die Erwachsenen ist deutlich: „Es sollten weniger Menschen bei den Kindern mitreden. Wenn zu viel verkopft wird, geht der Spaß verloren. Motivation sind doch nicht die Millionen, die du vielleicht verdienen kannst, sondern der Spaß am Spiel. Der darf dir niemals verloren gehen auf der Reise!“

Sandro stöbert wieder durch die alten Finalfotos von 1998. Man sieht förmlich, wie bei ihm Bilder entstehen, als er die ersten Farbfotos eines Merkur CUP betrachtet und plötzlich dabei bemerkt, „dass ich damals meinen Arm gebrochen hatte, wusste ich gar nicht mehr.“ Die Namen seiner einstigen Mitspieler holt er wie nichts aus dem Ärmel; als liege das Turnier nicht schon 23 Jahre zurück und als sei Wagner nicht als frisch gebackener Merkur CUP-Botschafter auf dem Weg, in den nächsten sieben, acht Jahren als erfolgreicher Bundesliga-Trainer an der Seitenlinie zu stehen. Das ist sein erklärtes Ziel. Dass er es schafft, bezweifelt niemand, denn er glaubt an sich.

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