Zum ersten Mal wurde in Gröbenzell auch ein Wettkampf für Rollstuhlfahrer ausgetragen.
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Zum ersten Mal wurde in Gröbenzell auch ein Wettkampf für Rollstuhlfahrer ausgetragen.

Fechten

Premiere für Rollstuhl-Kampf: Gröbenzeller wollen zu den Paralympics

  • vonHans Kürzl
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Zum 30. Mal hat der Fecht-Club Gröbenzell sein Er-und-Sie-Turnier ausgetragen. Mit der Teilnahme von Rollstuhlfahrern gab es in der Wildmooshalle eine Premiere.

Gröbenzell – Vor zwei Jahren hatte das Inklusionsmodell begonnen, das die Gröbenzeller mit den Patenvereinen Fecht-Club München und Fecht-Club Trudering geschaffen hatten. Die Aktion Mensch hatte dies Ende Mai mit einem Zuschuss zur Anschaffung von zwei Sportrollstuhlgestellen gewürdigt. Denn die Sportler damit auszustatten, ist nicht ganz billig.

Ein Auge auf die Kämpfe hatte Trainersprecherin Katharina Neuschäfer (l.). Eine ihrer Gegnerinnen beim Er-und-Sie-Turnier war Nicola Heckeberg (r.).

Rollstühle, die wie die bei den Basketballern eigens für die Sportart angefertigt sind, kosten je Stück 2500 Euro. Dazu kommt noch ein mobiles Gestell, das die beiden Sportgeräte im Wettkampf fixiert und mit weiteren 2000 Euro veranschlagt wird. Zudem verfolgen die Gröbenzeller und die beiden Münchner Klubs ein ehrgeiziges Ziel: Eine Leistungsgruppe soll Sportler zu den Paralympics 2024 bringen. Näher liegt den Gröbenzellern noch ein anderes Anliegen. Ein 13-jähriger Junge aus dem Verein, der im Rollstuhl ficht, braucht im Verein einen Trainingspartner. „Er sollte altersmäßig einigermaßen passen“, so der erste Vorsitzende Dominik Nagel.

Für die Gröbenzeller haben die Rollstuhlfahrer noch eine andere Bedeutung, die wiederum etwas mit Corona zu tun hat. Grüßten sich die nicht-eingeschränkten Fechter per Handschlag, tun sie dies nun mit den Spitzen des Degens. „So wie das die Rollstuhlfahrer vorher schon getan haben“, erklärt Nagel. Überhaupt sei Rollstuhlfechten eine der ersten Sportarten gewesen, die nach den ersten Monaten der Corona-Krise freigegeben wurden, so Nagel.

So hat das Er-und-Sie-Turnier auch eine gewisse Symbolik. „Wir nehmen es als ein Zeichen, dass es weitergeht“, sagt Nagel. Viele seien froh gewesen, wieder einen Wettkampf bestreiten zu können. Allerdings hat das in Bayerns Fechtkreisen beliebte Turnier, bei dem viele bayerische Meister und deutsche Spitzenkräfte antreten, Auflagen beachten müssen.

Statt der bisher bis zu 25 Paaren durften diesmal nur 15 teilnehmen. Zumindest blieb der Modus der Gleiche – ob bei den Paaren zuerst Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau antreten, wird ausgelost. „Das erhöht den Reiz und baut taktischen Spielereien vor“, erläutert Nagel. Ob dabei unter der Fechtmaske noch einmal ein eigener Mund-Nasen-Schutz getragen wird, ist jedem Einzelnen überlassen. „Manche machen es, aber Pflicht ist das nicht“, betont der Vorsitzende des Gröbenzeller Fecht-Clubs.

Der hat übrigens seit Beginn der Corona-Krise eine eher untypische Entwicklung genommen. „Wir haben Mitglieder dazu bekommen“, berichtet Nagel. 85 sind es nach aktuellem Stand, rund 75 davon sind dem Nachwuchsbereich zuzuordnen. „Darauf sind wir sehr stolz“, so Nagel.

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