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Nur Trockenübungen und Schattenboxen sind derzeit beim BC Piccolo möglich. Die Corona-Einschränkungen lassen nicht mehr zu. Im Gegensatz zu diesem Foto, das vor zwei Jahren aufgenommen wurde und Trainer Wolfgang Schwamberger mit einer Schülerin zeigt, dürfen selbst diese Übungen nur draußen gemacht werden.

Wenn Boxer nur in die Luft schlagen dürfen

So gehen Kampfsportarten mit den Corona-Einschränkungen um

Kampfsport und Kampfkünste beinhalten von ihrer Natur her sehr viel direkten Körperkontakt. Genau der ist momentan allerdings wegen der Corona-Epidemie unmöglich.

Landkreis – Die Kampfsportsparten der Vereine im Landkreis haben unterschiedliche Strategien, um mit diesem Dilemma umzugehen.

Aikido: Digitales und Eigenbau-Sparringspuppen

Auf Digitalisierung setzt die Aikido- und Qi-Gong-Sparte des SC Gröbenzell. Dort gibt es seit Anfang April Videokonferenzen und Training im eigenen Heim. Diese Onlinetrainings konzentrieren sich auf das Körperbewusstsein und auf so genannte „Katas“, sehr komplexe Abfolgen von Bewegungen in einem Kampf mit einem imaginären Gegner. „Das Ganze ist natürlich eine Herausforderung, gewöhnlich arbeiten wir nämlich sehr viel mit der Kraft des Partners“, so Christian Rothhardt, der Fachübungsleiter für Aikido. „Da mussten wir uns einige Sachen überlegen.“

Zum Beispiel hat die Trainergruppe eine kostengünstige Eigenbau-Trainingspuppe aus Bambus entwickelt, um das Training zu Hause zu unterstützen. „Natürlich ist das nicht dasselbe wie ein echter Partner, aber für das Stocktraining und einige waffenlose Techniken ist die Puppe sehr nützlich.“ Doch auch Rothhardt bemerkt, dass diese Videokonferenzen weniger Teilnehmer haben, als er aus dem Training in Person gewöhnt ist. „Ich fürchte, dass Sportvereine allgemein Mitglieder verlieren werden und in Probleme geraten könnten.“

Boxen: Training in Vierergruppen und im Freien

„Um als Boxer in Wettkampfform zu kommen, ist mindestens ein Monat Sparring nötig“, sagt Manfred Kaltenhäuser

Im Boxclub Piccolo läuft auch das Training außerhalb der eigenen vier Wände langsam wieder an. Momentan trainieren die Leistungssportler des Clubs in Vierergruppen im Freien auf dem Sportplatz hinter der Schule Nord. Manfred Kaltenhäuser, Präsident des BC Piccolo, bedauert allerdings den Formverlust seiner Athleten. Denn die können trotzdem nur Gymnastik, Ausdauer und Schattenboxen ohne Partner trainieren. „Um als Boxer in Wettkampfform zu kommen, ist aber mindestens ein Monat Sparring nötig“, sagt Kaltenhäuser. Schlimm sei auch der Ausfall der Volksfeste. „Seit Jahrzehnten boxen wir da jedes Jahr, das geht jetzt natürlich nicht.“ Für die Breitensportler plant der BC Piccolo eine App zur Vergabe der Plätze im Training. Weil nur wenige Sportler gleichzeitig in einem Raum sein dürfen, können nur wenige Boxer gleichzeitig trainieren. Geplant sind deshalb mehrere kürzere Trainings mit weniger Teilnehmern.

Judo: Nur Pseudotraining möglich

„Richtiges Training geht aktuell nicht“, sagt dagegen Norbert Schanze, Abteilungsleiter für Judo und Selbstverteidigung beim TuS Fürstenfeldbruck. Für ihn ist der Sport ein Partner- und Kontaktsport. Deshalb ist seine Abteilung weiterhin in der Corona-Zwangspause.

Der Verein könne unter diesen Einschränkungen höchsten ein Pseudotraining anbieten. „Das hat dann aber nicht mehr viel mit Judo zu tun. Das wollen wir nicht.“ Für seinen Sport hofft er auf weitere Lockerungen, damit das Training im Judo und in der Goshin-Jitsu-Selbstverteidigung im Verein wieder anlaufen kann. Besonders bedauerlich sei der Ausfall des Trainings für die Kleinen - jedoch alternativlos. „Bei Kindergruppen ist das Einhalten von Abstandsregeln praktisch unmöglich.“

Sven Behrens

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