Pure Erleichterung und Freude zeigte Tanja Spielberger, als sie ins Ziel lief.
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Pure Erleichterung und Freude zeigte Tanja Spielberger, als sie ins Ziel lief.

Die Qualifikation für Hawaii ist geschafft

Sieg in Hamburg: Sie ist jetzt ein Ironman

  • Thomas Benedikt
    VonThomas Benedikt
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Die Germeringerin Tanja Spielberger hat beim Ironman den 1. Platz aller Amateurläuferinnen erreicht. Damit ist sie für den Ironman auf Hawaii qualifiziert.

Germering/Hamburg – Tanja Spielberger riss die Arme nach oben. Es war die letzte Kraftanstrengung, zu der die 30-jährige Athletin des Tri-Team Fürstenfeldbruck noch im Stande war, während sie nach 9:48:01 Stunden die Ziellinie des Hamburger Ironman überquerte. Als sie wenige Minuten nach dem Zieleinlauf von einer Bank aufstehen wollte, war das nur noch mit der Unterstützung der mitgereisten Familienmitglieder möglich. Die letzten Reserven waren aufgebraucht.

Doch die Tortur hatte sich gelohnt: Tanja Spielberger war die schnellste Ü30-Frau, schnellste Amateurin und immerhin noch Neunte, wenn man auch die Profis mit einbezieht.

Tanja Spielberger: „Ich habe jede Minute gedacht: Jetzt macht’s Peng und der Oberschenkel ist zu“

180,2 Kilometer Radfahren gehören zu einem Ironman.

„Ich war froh, dass es vorbei war“, sagte die Germeringer Ausdauer-Spezialistin nach dem Rennen, das sich aus 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und 42,2 Kilometern Laufen zusammensetzt. Auf den letzten zwölf Kilometern erlebte die 30-Jährige eine emotionale Achterbahnfahrt. Einerseits hatte sie bei Lauf-Kilometer 20 erfahren, dass sie das Feld der Amateure sowie ihre Altersklasse souverän anführte. Andererseits sendete ihr Körper spätestens ab Kilometer 30 unmissverständliche Signale, dass es jetzt auch langsam gut sei. „Ich habe jede Minute gedacht: Jetzt macht’s Peng und der Oberschenkel ist zu“, erzählt Tanja Spielberger. Von da an hangelte sie sich nur noch von einer Versorgungsstation zur nächsten.

Lange hatte die 30-Jährige noch keine Ahnung gehabt, wie schnell sie unterwegs war. Mit ihrer Familie und Betreuern hatte sie zuvor ausgemacht, dass man ihr erst bei Kilometer 20 den Zwischenstand meldet. „Bis dahin muss ich mein Rennen machen.“ Zwischendurch hatte ihr zwar ein Zuschauer zugerufen, dass sie die Altersklasse anführe. So richtig geglaubt hatte sie ihm aber nicht.

Tanja Spielberger: „Erst die letzten 200 Meter habe ich richtig genossen“

Umso beruhigter war Tanja Spielberger, als sie schließlich den Zwischenstand erfuhr. „Notfalls gehe ich die letzten Kilometer“, sagte sie sich. Bei über 30 Minuten Vorsprung auf die Zweite Ü 30-Frau hätte vielleicht auch das gereicht. Aber die 30-Jährige ging nicht, sie lief weiter, biss sich durch. „Die Ansage hat mich eher noch motiviert“, erzählt sie. „Erst die letzten 200 Meter habe ich richtig genossen.“

Und spätestens als sie den Streckensprecher beim Zieleinlauf rufen hörte „You are an Ironman“ war klar: Die lange Vorbereitung auf den Wettkampf hat sich gelohnt. Seit Februar hatte die 30-Jährige gezielt auf den Ironman in Hamburg hin trainiert. Der war ursprünglich für Juni terminiert, musste dann aber in den August verlegt werden. Kein Problem für Tanja Spielberger. „Meine Trainer haben den Trainingsplan so gestaltet, dass wir auch acht Wochen vor dem Ironman noch reagieren können.“

Die Bedingungen in Hamburg kommen Tanja Spielberger entgegen

Wegen Corona fiel die Siegerehrung aus und sie bekam die Trophäe so überreicht.

Eigentlich hätte die Germeringerin schon im vergangenen Jahr in Hamburg starten wollen. Doch wegen Corona fiel die Veranstaltung aus. Tanja Spielberger entschied sich damals spontan, am „Race around Austria“ teilzunehmen – ein 560-Kilometer-Radrennen durch die österreichischen Alpen. „Das härteste, was ich jemals gemacht habe“, sagte sie nach der 22-Stunden-Quälerei über 6500 Höhenmeter, die sie als Zweite abschloss.

Diese Härte half ihr jetzt auch in Hamburg, ebenso wie das Wetter. Während viele Athleten über den Regen schimpften, fühlte sich die Germeringerin bei Nässe und gemäßigten Temperaturen pudelwohl. „Das ist perfekt für mich“, sagt die 30-Jährige. „Mit Hitze komme ich überhaupt nicht klar.“

Sechs Tage nach dem Ironman geht sie schon in den nächsten Wettkampf

Das sollte sich allerdings bis zum nächsten Jahr ändern. Denn mit ihrem Erfolg in Hamburg hat Tanja Spielberger ein weiteres persönliches Ziel erreicht: die Qualifikation für den legendären Ironman auf Hawaii. „Mit dem Hawaii-Slot habe ich schon vor dem Start geliebäugelt“, sagt die 30-Jährige. Die Freude darüber, dass es auf Anhieb geklappt hat, war dennoch riesig. Dort werden die Germeringerin dann aber andere Temperaturen und Bedingungen erwarten als noch im kühlen Norden Deutschlands.

Doch dass sich Tanja Spielberger davon bremsen lässt, scheint unwahrscheinlich. Eine allzu lange Pause hat sie sich auch nach dem Wettkampf in Hamburg nicht gegönnt. Nur sechs Tage danach („als ich mich gerade im Alltag wieder normal bewegen konnte“) ging sie mit ihrer Frauen-Mannschaft schon wieder in der Triathlon-Liga über die Kurzdistanz an den Start – und wurde prompt wieder Erste.

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