36 Mal Deutscher Meister: Das ist nur ein Teil der Titelsammlung von Adi Hussmüller.
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36 Mal Deutscher Meister: Das ist nur ein Teil der Titelsammlung von Adi Hussmüller.

Fit im Alter

Er spielte schon gegen Wimbledon-Sieger: Adi Hussmüller steht mit 94 Jahren noch immer auf dem Tennisplatz

  • vonDieter Metzler
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Dieser Mann hat einfach kein Verfallsdatum. Im biblischen Tennisalter von 94 Jahren steht Adi Hussmüller vom TC Blau-Weiß Gröbenzell auch heute noch den ganzen Sommer über fast täglich auf dem Tennisplatz.

Gröbenzell – Mit 32 Jahren war er zwar ein Spätberufener, doch das hielt ihn nicht davon ab, anschließend vom 45. bis zum 85. Lebensjahr einen Meistertitel nach dem anderen im Einzel, im Doppel und mit der Mannschaft wie am Fließband einzuheimsen.

„Der ehrlichste Gegner ist aber die Übungswand“, sagt Hussmüller, als er gerade von der Anlage des Tennisklubs zum Interview erscheint. Körperlich und geistig topfit gibt er auch gleich die Erklärung dazu. „An der Wand kommt der Ball stets so zurück, wie man ihn hin schlägt.“ Hussmüller, am 8. August 1926 in Timisoara (Temeschburg/Rumänien) geboren, könnte nach 62 Jahren aktiver Tenniszeit, in denen er in der ganzen Welt herum gekommen ist, so viel erzählen, dass aus seinen Geschichten ein dickes Buch werden würde. „Aber so viel Platz habt ihr natürlich nicht in eurer Zeitung“, meint er schmunzelnd und beschränkt sich bei seinen interessanten und teilweise amüsanten Ausführungen auf einige wenige Höhepunkte.

Zwangsläufig ergab sich, dass der topfitte Senior nicht nur auf zahlreiche Tennislegenden neben dem Platz traf, sondern auch gegen sie spielte, natürlich als auch sie längst dem Seniorentennis frönten. „Als ich das erste Mal für die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Perth spielte, traf ich beispielsweise im Doppel auf den Australier Frank Sedgman (Wimbledon-Sieger 1952). Und auch gegen dessen Finalgegner, den Tschechen Jaroslav Drobny (Wimbledon-Sieger 1954) spielte ich einmal und musste mich erst im dritten Satz mit 11:13 geschlagen geben.“

Hussmüllers Bild hängt in einem Vereinsheim in Chile

Und auch Hussmüller selbst ist mittlerweile so etwas wie ein Tennis-Promi geworden. Tausende Kilometer entfernt im chilenischen Vina del Mar hängt heute noch ein Foto im dortigen Tennisklub, auf dem Hussmüller verewigt ist, berichtete ihm Blau-Weiß-Trainer Fernando Gonzales. Gonzales stammt aus der viertgrößten Stadt Chiles.

Bevor Hussmüller die gelben Filzkugeln den meist jüngeren Gegnern „um die Ohren“ schlug, stand er in Starnberg, wo es ihn nach Verwundung und Kriegsgefangenschaft hin verschlug, im Tor des dortigen Fußballvereins. Als Mitbegründer des TC Starnberg widmete sich Hussmüller aber dann voll dem „weißen Sport“, wie Tennis einst genannt wurde. Seit 1990 lebt der 94-Jährige mit seiner Frau Roswitha in Gröbenzell. Es versteht sich von selbst, dass er sich dort dem Tennisverein anschloss.

Er prägte das Nachkriegstennis wie kaum ein anderer

Und da war er erfolgreich wie kaum ein anderer, nicht nur für den Gröbenzeller Verein. „Du hast das Nachkriegstennis in Deutschland, zumindest im Seniorenbereich, mitgeprägt, wie kaum ein anderer“, ist der Laudatio zu seinem 80. Geburtstag zu entnehmen. Sein letzter großer Turnierauftritt liegt aber bereits neun Jahre zurück, als er in Bad Neuenahr mit Hugo Hahne das Herren-Doppel 85 gewann. „Heute halte ich mich an der Wand fit und spiele noch Doppel“, so Hussmüller, der im Verein großes Ansehen genießt.

Mit der DTB-Auswahl nahm Hussmüller an 20 Welt- und 30 Europameisterschaften teil, wurde zweimal im Doppel Weltmeister, mehrere Male Europameister im Einzel und im Doppel, ohne je eine einzige Trainerstunde erhalten zu haben. „Ohne Fleiß aber keinen Preis“, sagt das Naturtalent. Er habe sich stets auf jedes Match und den Gegner akribisch vorbereitet. „Ich habe mich immer gewundert, wie wenig eigentlich intelligente Menschen im Spiel denken.“ Er habe immer auf Angriff gespielt, hatte Vertrauen zu seinem Spiel und vor allem auch den Mut dazu. Nur so ist zu erklären, dass Hussmüller 36 Mal ganz oben auf dem Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften stand und sich damit als einziger Spieler in allen Altersklassen von 45 bis 85 die Krone aufsetzte.

In 50 Jahren musste er nie verletzt aufgeben

Zurückblickend hat Hussmüller in den vergangenen 50 Jahren kein Punktspiel ausgelassen oder gar ein Match vorzeitig aufgeben müssen. „Ich bin von Verletzungen stets verschont geblieben, nicht zuletzt auch, weil ich mich immer fit gehalten habe“, erzählt der beruflich einst als Außendienstmitarbeiter eines Dämmstoffherstellers arbeitende Hussmüller. „Und solange ich so gesund bleibe, wird man mich auch auf dem Platz finden.“

Die Serie

Hier stellt das Tagblatt in den kommenden Wochen Sportler vor, die auch im fortgeschrittenen Alter fit wie der sprichwörtliche Turnschuh sind. Wer Senioren-Sportler kennt, die mit über 75 Jahren noch immer aktiv sind, kann sich an sport@ffb-tagblatt.de wenden.

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