Gegen Teams wie den VfL Gummersbach zu spielen, davon wagte Johannes Borschel lange nicht zu träumen. Doch mittlerweile ist er in Deutschlands zweithöchster Handball-Liga angekommen.
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Gegen Teams wie den VfL Gummersbach zu spielen, davon wagte Johannes Borschel lange nicht zu träumen. Doch mittlerweile ist er in Deutschlands zweithöchster Handball-Liga angekommen.

Handball 2. Bundesliga

Johannes Borschels Weg von der Farm mit Plumpsklo zum Profi-Sport mit 37 Jahren

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Vom Bayernligaspieler in den Profihandball in nur zwei Jahren: Das hat Johannes Borschel von den Panthern geschafft – und das im hohen Sportler-Alter von fast 38 Jahren.

Fürstenfeldbruck – Der Kreisläufer der Brucker TuS-Handballer war vor der Meistersaison in der 3. Liga nach Bruck gewechselt und schaffte mit der Mannschaft prompt den Aufstieg in die 2. Bundesliga. So ganz ungeplant kam das für Borschel aber nicht. „Bei den Gesprächen mit dem TuS habe ich schon herausgehört, dass man Großes erreichen will“, sagt der Familienvater. Das habe das Engagement an der Amper noch einmal interessanter gemacht.

Und interessant musste ein neues Angebot auch sein. Schließlich ließ der Routinier damit einen Verein hinter sich, bei dem er fast schon Legendenstatus genießt. 16 Jahre war Borschel in Unterhaching aktiv, zählte dort zu den besten Torschützen und erwarb sich damit den Spitznamen „Danger“ (englisch: Gefahr). Nur ein kurzes Intermezzo in Trudering unterbrach die Zeit beim HT (Hachinger Tal) München.

Dass Borschel es auf seine alten Sportlertage noch einmal erst eine und nun zwei Klassen höher versuchen wollte, lag auch an seinen guten Kontakten zu den Panthern. „Ich kannte Trainer Martin Wild und viele Spieler von diversen Partien“, berichtet Borschel. „Es ist eine sympathische Truppe.“ Das hat ihm wohl auch den Abschied aus Haching versüßt.

Bevor Borschel beim HT zu einer Institution wurde, lag aber schon ein bewegtes Leben hinter ihm. Seine Mutter war früh nach Paraguay ausgewandert, wo Borschel auch das Licht der Welt erblickte. Bis zum Alter von sechs Jahren wuchs er in Südamerika auf einer Farm auf. „Es gab keinen Strom, kein fließendes Wasser, nur einen Brunnen und ein Plumpsklo“, erinnert sich Borschel. „Das prägt einen und zeigt erst, wie gut wir es in Deutschland haben.“

Danach zog es die Familie zunächst nach Baden-Württemberg, wo Borschel dann mit dem Handball in Berührung kam. Mit 18 Jahren ging es noch einmal für zwei Jahre zurück nach Paraguay. „Dort hat mir der Handball schon sehr gefehlt.“ Im Alter von 20 Jahren beschloss der Kreisläufer, eine Hotelfachausbildung in München zu machen, und schloss sich dem TS Jahn an.

„Anfangs war das in den unteren Ligen gut kombinierbar mit der Arbeit“, erzählt Borschel. Der Handball machte ihm aber so viel Spaß, dass er aus dem Hotelfach ausstieg, um höherklassig in Haching anzufangen. Seit zehn Jahren verdient der 38-Jährige seine Brötchen nun im Vertrieb für Süßwaren, was sich zeitlich besser mit dem Sport kombinieren lässt.

Schon mit Haching hatte Borschel Ambitionen, in die 3. Liga aufzusteigen. Im vermeintlichen Herbst seiner Karriere bremste ihn dann aber ein Kreuzbandriss aus. „Da stellt man sich dann schon die Frage, ob es das war“, sagt Borschel. Doch dann folgten die Gespräche mit den Panthern. „Ich bin dankbar für die Chance, noch einmal angreifen zu können“, sagt Borschel.

Er genießt das Gefühl, noch einmal gebraucht zu werden – auch wenn er am Kreis hinter Stammkraft Julian Prause nur die zweite Geige spielt. Trotzdem konnte und kann „Danger“ mit seiner langjährigen Erfahrung erst in der 3. und nun in der 2. Liga immer wieder wichtige Tore beisteuern. Sein Geheimnis? „Es hält jung, wenn man mit Jungen zusammenspielt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Seinen Spitznamen „Danger“ hat er übrigens auch in Bruck behalten – obwohl beim TuS damit lange Zeit ein anderer Spieler in Verbindung gebracht wurde: Markus Dangers hatte ob seines Nachnamens den Spitznamen gepachtet. Schon bei seinem Dienstantritt bei den Panthern meinte Borschel jedoch, „dass der Name uns beiden ganz gut steht“. Das beweist der Routinier bei jedem Pantherspiel aufs Neue.

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