Stolz auf sein Team: Panther-Coach Martin Wild (r.) hat das Sagen im Überraschungsteam der 2. Handball-Bundesliga.
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Stolz auf sein Team: Panther-Coach Martin Wild (r.) hat das Sagen im Überraschungsteam der 2. Handball-Bundesliga.

TuS-Coach im Interview

Martin Wild will die Panther in der 2. Liga etablieren: „Wir fühlen uns sehr wohl in der Handballprofi-Welt“

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Panther-Coach Martin Wild sprach während der Spielpause im Januar mit dem Tagblatt über übertroffene Erwartungen, Ziele und Zukunftsträume.

  • Panther-Coach Martin Wild zieht im Interview ein positives Zwischenfazit zur Zweitligasaison der Brucker TuS-Handballer.
  • Wichtigster Ansatzpunkt für die restliche Saison: Offensive und Defensive müssen noch besser aufeinander abgestimmt werden.
  • Gleichzeitig fordert der Panther-Coach weitere Professionalisierung im Verein.

Fürstenfeldbruck – Mit acht Zählern auf dem Konto stehen die Panther in der 2. Handball-Bundesliga besser da, als von vielen Experten vor der Saison prognostiziert. Die Brucker TuS-Handballer können sich nach rund einem Drittel der Saison durchaus berechtigte Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen.

Martin Wild: „Wir fühlen uns sehr wohl in der Handballprofi-Welt“

Emotional: Der Coach im Streitgespräch mit dem Schiedsrichter.

Wie fühlt man sich als Überraschungsteam der 2. Bundesliga?

Danke, wir fühlen uns sehr wohl in der Handballprofi-Welt und werden weiterhin wirklich alles geben, um in der nächsten Saison die 2. Bundesliga mit Zuschauern erleben zu dürfen. Das ist unser neuer Traum.

Was waren Ihre Gedanken nach den ersten beiden deutlichen Niederlagen? Und wie haben Sie die Mannschaft trotzdem in der Spur gehalten, damit sie weiter an sich glaubt?

Wir waren alle ein Stück weit geschockt nach den ersten beiden Ergebnissen. Es waren mehr die Ergebnisse als die Spiele. Wir sind vielleicht auch mit etwas zu viel Elan in die Spiele gegangen. Am zweiten Spieltag als Aufsteiger in Gummersbach voll aufs Tempo zu drücken, war dann vielleicht doch etwas naiv und würden wir heute so wahrscheinlich nicht mehr machen. Wir haben dann aber recht erfolgreich einige Stellschrauben verändert und uns ja doch ganz gut zurechtgefunden in der Liga.

Mit acht Punkten aus den ersten 13 Spielen sind die Panther nicht – wie von vielen Experten prognostiziert – abgeschlagen Letzter, sondern mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt.

Wir wurden in jeder Umfrage als Letzter eingestuft. Richtig. Wir haben nach den ersten beiden Spielen in den folgenden elf Partien neunmal auf Augenhöhe agiert und vier davon gewinnen können. Gegen ganz renommierte Mannschaften wie Dormagen, Elbflorenz, Aue, die unter Vollprofi-Bedingungen mit Etats zwischen einer und zwei Millionen Euro arbeiten können. Dazu der wichtige Sieg gegen Konstanz. Das ist ganz stark gewesen. Ärgerlich ist, dass wir zum Beispiel aus den guten Spielen in Ferndorf, Dessau, Hamburg oder zu Hause gegen Wilhelmshaven nicht noch zusätzlich was Zählbares mitnehmen konnten. Wir haben natürlich darauf hingearbeitet, wussten aber nicht genau, was passiert. Insgesamt würde ich dem ersten Abschnitt eine 2-Minus nach Schulnoten geben.

Martin Wild: „Technisch, taktisch sind wir ganz nah schon dran“

Was ist nach den Erkenntnissen aus 13 Spielen der größte Unterschied zwischen 3. Liga und 2. Bundesliga?

Technisch, taktisch sind wir ganz nah schon dran. Wir machen noch die wenigsten Tore aus der Fernwurfzone. Daran erkennt man die hohe individuelle Qualität in der Liga. Zudem wird jeder eigene technische Fehler konsequent durch einen Gegenstoß bestraft. Wir machen noch die meisten technischen Fehler und kassieren somit die meisten Kontertore in der Liga. Daran arbeiten wir. Und im athletischen Bereich ist uns die Konkurrenz noch weit voraus. In der Regel haben die anderen Vereine neben den fünf Handball-Einheiten am Nachmittag noch zwei bis drei vormittags im Kraftraum mit ihren Athletiktrainern. Das ist ein jahrelanger Anpassungsprozess und lässt sich nicht in sechs Monaten aufholen. Wir schrauben aber unsere Trainingsumfänge Schritt für Schritt hoch und wollen mittelfristig auf das Niveau kommen. Dafür müssen wir aber professionalisieren, Aufwandsentschädigungen erhöhen, Trainingszeiten schaffen. Gerade viele unserer jungen Spieler würden dieses Pensum mitgehen wollen. Für die deutschlandweit eingleisige 2. Liga, wie es sie seit zehn Jahren gibt, musst du zu den 35 besten Mannschaften Deutschlands gehören. Und dafür brauchst du auf Dauer definitiv Handballer, die nebenbei studieren, und keine Studenten, die nebenbei im Abendsport Handball spielen. Das ist die Realität.

Mit im Schnitt 27,61 Toren pro Spiel stellen die Panther die viertbeste Offensive der Liga. Haben Sie eine Erklärung, warum es nach vorne so gut läuft?

Der Wert ist tatsächlich durchaus erstaunlich. Wir können aber natürlich schon auch Handball spielen, auf eine eingespielte Mannschaft und bekannte Konzepte bauen. Wir machen die meisten Tore über den Kreis ligaweit, haben gute Eins-gegen-eins-Spieler, eine hohe Schlagwurfqualität, und auch unser Tempospiel gehört zu den Top fünf der Liga. Das ist unser Konzept. Für die Rückrunde müssen wir schauen, dass wir unsere Rückraumschützen und unsere Außen noch in bessere Wurfpositionen bekommen, um noch variabler zu werden. Unser Überzahlspiel und unsere zweite Welle verbessern. Es gibt immer noch viel zu tun.

Starker Angriff bringt die eigene Abwehr in Schwierigkeiten

Nachdenklich stimmen Wild die vielen Gegentore, die die Panther kassieren.

Auf der anderen Seite ist die Defensive – in der 3. Liga noch das Prunkstück – diese Saison anfälliger. Woran liegt es?

Auch ein Stück weit am Angriff. Bei aller Qualität machen wir dort noch deutlich zu viele Fehler. Und die werden mit Gegenstoßtoren bestraft. Die Fernwurfzone verteidigen wir ligaweit am besten. Das ist das vorrangige Ziel unserer Abwehr. Auch über den Kreis passiert gar nicht so viel. Der Durchbruch aus dem Rückraum ist manchmal das Problem. Irgendeine Kröte müssen wir aber schlucken. Wir werden diese Lücken aber auch weiter schließen und daran arbeiten, unsere Torhüterquoten gemeinsam hochzuschrauben. Nimmt man aus der Abwehrstatistik allerdings die ersten beiden Spiele gegen Eisenach und Gummersbach mit 40 und 36 Gegentoren raus, sieht man schon, dass wir auch dort in Meilenstiefeln vorangekommen sind.

Alle Stärken und Schwächen betrachtet: Sind die Panther sportlich schon da, wo sie sein wollen? Und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Ehrlich gesagt, sind wir im Vergleich zur Liga schon ein Stück weiter, als ich gedacht hätte. Ich glaube, dass aber die Qualität in der Liga im Corona-Jahr und ohne Zuschauer auch insgesamt etwas leidet. Drei Mannschaften werden zu den Absteigern in den nächsten Jahren noch wegrationalisiert werden. Mein Ziel ist es, 2025 ein Zweitligist zu sein, der Ambitionen auf das gesicherte Mittelfeld hat. Dieser Weg wird aber nochmal deutlich steiniger, als es die letzten zehn Jahre mit zwei Aufstiegen waren.

Schlüsselspieler und Nachwuchs-Hoffnungen überzeugen

Der Trainer und sein Schlüsselspieler: Falk Kolodziej (l.) ist Dreh- und Angelpunkt in Wilds Spielsystem.

Falk Kolodziej ist aktuell bester Torschütze und Vorlagengeber im Team. Seine Rolle als Leader dürfte er damit wohl erfüllen, oder?

Falk spielt eine tolle Saison, ist sogar ligaweit aktuell der beste Vorlagengeber an den Kreis. Neben dem Eins-gegen-eins, seine große Stärke. Er ist definitiv der handballerische Kopf der Mannschaft und kann der prägende Spieler im Münchner Handball für die nächsten Jahre werden. Nach Feldtoren führt intern sogar Max Horner deutlich. Prause, Stumpf, Engelmann, Leindl, Seitz. Alle mit guten Werten. Nach wie vor ist das funktionierende Kollektiv unsere große Stärke.

Stephan Seitz, Tim Kaulitz, zuletzt Louis Oberosler und Cedric Riesner: Haben Sie erwartet, dass die Youngster im Kader eine so starke Rolle in der 2. Bundesliga spielen können?

Seitz, Oberosler und Riesner haben ja noch das Doppelspielrecht mit der Allacher A-Jugend. Da hätten wir uns ohne Corona koordiniert. Ihrer persönlichen Entwicklung hat es natürlich unheimlich gut getan, dass sie seit Monaten voll bei uns trainieren können, Spielzeiten bekommen, Leistung zeigen und in so kurzer Zeit fester Bestandteil unserer Mannschaft wurden. Sie sind alle erst 18 oder 19 Jahre alt, trainieren wie besessen. Wenn sie mit diesem Ehrgeiz weiter trainieren, werden sie Säulen des Fürstenfeldbrucker Handballs in den nächsten Jahren. Alle haben das Potenzial für noch mehr, wenn sie dran bleiben.

Wer ist aus Ihrer Sicht die größte Überraschung bei den Panthern?

Schwierig. Eine richtige Überraschung ist gar nicht dabei. Für mich zumindest. Ich kenne ja meine Spieler ganz gut mittlerweile.

Martin Wild: „Unser großes Ziel ist es, ein Zweitligaspiel im ausverkauften Pantherkäfig zu machen“

Wie stark beeinflusst Corona den Spielrhythmus und die Anreisen zu den Spielen? Und wie nehmen Mannschaft und Trainerteam die Geisterspiele wahr?

Die Anreisen planen wir sehr gut durch mit Bus und Bahn. Corona spielt da fast keine Rolle. Der nicht vorhandene Rhythmus mit Spielen unter der Woche und Spielausfällen – folglich Nachholterminen – ist wirklich nicht optimal. Aber wir jammern nicht. An die Geisterspiele gewöhnt man sich leider ein Stück weit. Wir bereiten aber vielen Menschen am Fernseher eine Freude, glaube ich. Das nehmen wir wahr. Unser großes Ziel ist es, ein Zweitligaspiel im ausverkauften Pantherkäfig zu machen. Diese Saison wird das aber ja sicherlich nicht mehr passieren.

Machen Sie sich nach dem guten ersten Saisondrittel schon Gedanken über einen möglichen Klassenerhalt, oder denken Sie weiter einfach von Spiel zu Spiel?

Natürlich laufen die Planungen für die kommende Saison. Jeder muss sich bewusst sein, dass wir erst im Juni wissen werden, in welcher Liga wir dann spielen. Das macht die Planung nicht ganz so einfach. Wir müssen schnellstens unseren Sponsorenpool erweitern, das Fundament für die 2. Liga schaffen, um die oben angesprochenen Bedingungen herzustellen und eine Perspektive bieten zu können. Unsere Spieler müssen sich dann in den nächsten Wochen zu unserem einzigartigen Projekt und seiner Fortführung bekennen. In meinen Augen ist es viel mehr wert, bei seinem Verein mitzugestalten als irgendwo ein paar Euro mehr zu verdienen und mitzulaufen. Auch wenn wir nochmal Schwung in der 3. Liga holen müssten. Wir können die Ligazugehörigkeit in der nächsten Saison aber zum Glück ja selbst maßgebend beeinflussen.

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