Hartes Pflaster 2. Bundesliga: Diese Erkenntnis macht auch Stephan Seitz (links, in schwarz) Woche für Woche.
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Hartes Pflaster 2. Bundesliga: Diese Erkenntnis macht auch Stephan Seitz (links, in schwarz) Woche für Woche.

Kaulitz, Oberosler, Riesner, Seitz

Plötzlich bei den Profis: Vier junge Panther mischen die 2. Bundesliga auf

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Der TuS Fürstenfeldbruck sorgt in der 2. Handball-Bundesliga mit Sensationssiegen wie kürzlich gegen Hamburg für Aufsehen. Mitten drin: Vier Youngster.

Fürstenfeldbruck – Eigentlich sollten Stephan Seitz, Cedric Riesner und Louis Oberosler in dieser Saison noch Spiele in der Junioren-Bundesliga absolvieren. Die drei jungen Panther sind mit einem Doppelspielrecht ausgestattet und könnten auch noch für Allach auflaufen. Doch die Nachwuchsliga ist wegen Corona ins Wasser gefallen. So stehen die drei plötzlich fest im Profi-Handball – zusammen mit einem vierten jungen Wilden: Tim Kaulitz hat aber eine etwas andere Rolle.

„Dass es mit einem Stammplatz in der 2. Bundesliga so schnell gehen würde, hatte ich nicht gedacht“, sagt Stephan Seitz. Der 19-Jährige bekommt viel Spielzeit auf Rechtsaußen und im rechten Rückraum. „Das ist auch den Verletzungen von Benedikt Hack und Alexander Leindl geschuldet“, sagt Seitz. Aber ob nun als Vertreter oder nicht, der Youngster konnte bislang schon rund 50 Tore für die Panther erzielen.

Dabei ist der Lehramtsstudent für Mathe und Physik mit seiner Wurfquote gar nicht so sehr zufrieden. „Da arbeite ich noch hart daran – auch mal nach Trainingsende mit Louis.“

Nachwuchs-Keeper bleibt meistens nur die Reservisten-Rolle

Keeper Louis Oberosler (hinten) bleibt derzeit vor allem die Ersatzrolle.

Gemeint ist Torhüter Louis Oberosler (18). Die beiden sind gut befreundet – auch mit Riesner –, was laut Seitz schon hilft, sich in der Profiumgebung zurecht zu finden. Oberosler machte sich in der 2. Bundesliga schon mit einem sensationellen Auftritt gegen Großwallstadt bemerkbar. Dabei hat das Riesentalent seine Karriere gar nicht zwischen den Pfosten begonnen. „Bei Dachau 65 war ich noch Feldspieler“, erzählt er. Erst in der Oberbayern-Auswahl wurde sein Talent im Tor erkannt. Seit seinem Wechsel nach Allach ist dort nun auch seine Stammposition.

Der 18-Jährige, der eine Ausbildung zum Erzieher absolviert, hätte sich nie erträumen lassen, dass er so schnell im Profi-Handball seine Duftmarke würde setzen können. Viel hilft ihm dabei der gute Kontakt zu seinen erfahrenen Torhüter-Kollegen Michael Luderschmid und Stefan Hanemann, mit denen er sich gut versteht. „Bei ihnen kann ich mir viel abschauen und die eine oder andere Technik nachfragen“, sagt Oberosler. Auch das Training beim TuS hilft seiner Entwicklung weiter: „Es ist das beste Training, das ich in meiner Karriere bis jetzt gehabt habe.“

Riesner wird von einem Kreuzbandriss ausgebremst

Das Kreuzband riss bei Cedric Riesner.

Zum Zuschauen ist derzeit der dritte Allacher im Bunde verdammt: Der ebenfalls erst 19 Jahre alte Cedric Riesner hat sich in der Partie gegen Hamm das Kreuzband gerissen – die erste schwere Verletzung seiner Laufbahn. „Die ersten beiden Wochen nach der Verletzung waren grauenhaft“, schildert der Kreisläufer seine psychische Verfassung.

Die hat sich mittlerweile aber gebessert – auch dank eines anderen Kreuzbandriss-Patienten. Teamkollege Alexander Leindl hat es bereits zum zweiten Mal mit der schweren Blessur erwischt. „Er hat mir in vielen Gesprächen sehr geholfen“, sagt Riesner. Jedenfalls ist Riesner nun nicht mehr niedergeschlagen: „Ab jetzt geht es nur noch bergauf.“

Bitter bleibt seine Verletzung aber dennoch. Denn der ehemalige U17-Nationalspieler war gerade auf dem Sprung zum Stammspieler in der Defensive. Wenn Coach Martin Wild auf eine 6:0-Formation in der Abwehr baute, durfte Riesner ran und verkaufte sich gut. „Das System kenne ich schon von Allach“, sagt der Sportwissenschaftsstudent.

Im kommenden Jahr kann Riesner einen erneuten Anlauf auf eine Stammposition nehmen – wieder in Bruck. Coach Martin Wild verrät: „Alle vier Jungen haben für nächste Saison zugesagt.“

Zwischen Profihandball, elterlichem Hotel und Rap-Musik

Überflieger: Tim Kaulitz träumt von einer Profikarriere.

Eine Sonderrolle nimmt Tim Kaulitz – nicht verwandt oder verschwägert mit dem Tokio-Hotel-Sänger Tom Kaulitz – bei den jungen Wilden im Pantherkader ein. Im Gegensatz zu Stephan Seitz, Cedric Riesner und Louis Oberosler hat der 19-Jährige kein Doppelspielrecht mit der Allacher A-Jugend, sondern mit den Profis von Frisch Auf Göppingen.

Vor allem beim Training schnuppert Kaulitz regelmäßig in die Welt der höchsten deutschen Spielklasse rein.„In der Vorbereitung, oder wenn die Panther Pause haben, trainiere ich in Göppingen mit“, erzählt Kaulitz. Dort kann er viel für die Einsätze bei den Panthern mitnehmen. „In der 1. Liga herrscht nochmal ein anderes Niveau“, sagt der Linksaußen.

Die Gegenspieler seien größer und robuster, aber gleichzeitig auch schneller. „Die Torhüter sind ebenfalls stärker.“ Vor allem Wurftechniken kann sich Kaulitz bei den Erstligisten abschauen und dann für die Panther in die Waagschale werfen. Etwas mehr als 50 Treffer stehen bislang auf seinem Konto.

Mit dem Fuß in der Profitür ist es kein Wunder, dass der gebürtige Allgäuer von einer Profikarriere träumt. „Handball ist die Nummer eins“, sagt er. Beruflich möchte er irgendwann das Hotel seiner Eltern übernehmen. Für die Ausbildung dazu fehlt neben dem Sport aber noch die Zeit.

Ein Zubrot verdient sich Kaulitz auf anderem Wege – und da hat er dann doch etwas mit Tom Kaulitz gemeinsam: Der TuS-Youngster macht Musik – und zwar Rap über sein Label auf Spotify. „Damit verdiene ich schon ganz ordentlich.“

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