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Im Schwäbischen hatten die 250 Schlachtenbummler alles im Griff.

Die Reportage zum Handball-Auswärtsspiel

Mit 250 Panther-Fans auswärts dahoam

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Noch nie haben so viele TuS-Fans ihre Panther zu einem Auswärtsspiel begleitet. Tagblatt-Reporter Peter Loder war mit im Bus. Die sportliche Komponente des Duells zwischen dem Tabellenersten und dem Schlusslicht spielt dabei ausnahmsweise nur eine untergeordnete Rolle.

Fürstenfeldbruck - Eine Woche zuvor hatten sie ihr Feuerwerk noch in der heimischen Hölle Süd gezündet. Jetzt heizten 250 Panther-Fans ihren Hexenkessel 130 Kilometer nordwestlich ein. Ziel des Sport-Trips: Blaustein, ein 16 000-Einwohner-Städtchen unmittelbar bei Ulm. Der dortige TSV hat erst heuer den erstmaligen Aufstieg in die 3. Bundesliga geschafft und ist im Großraum der Donau-Metropole die Nummer eins in Sachen Handball. Doch die Kragenweite des übermächtigen Tabellenführers von der Amper war eine Spur zu groß. Anpeitscht von den mitgereisten Anhängern, rauschte der Panther-Express zu einem in keiner Phase gefährdeten 39:28-Start-Ziel-Sieg.

Kopflos im Anflug: Weil ihm ein Gegner das Trikot über den Kopf gezogen hatte, zielte Julian Prause blind ins Schwarze.

Das Spiel selbst, das angesichts der tabellarischen Lage (Erster trifft auf Letzten) schon im Vorfeld als Selbstläufer gehandelt wurde, geriet ebenso wie das Ergebnis – das später bei der Rückfahrt im Bus erst noch zahlengenau fixiert wurde – eher zur Nebensache. Denn noch nie in der Vereinsgeschichte war eine Handballmannschaft des TuS von einer so großen Anhängerschaft zu einem Auswärtsspiel begleitet worden. Vier Busse – darunter die von Sponsor Angel Martinez gecharterte Eishockey-Karosse der Landsberger River Kings – machten sich mit Fans und Team am Nachmittag auf den Weg. Im Gepäck bei der Abfahrt an der Realschule: 18 Träger Bier und Apfelschorle für die großen und kleinen Schlachtenbummler. Schweren Herzens winkend zurück blieb Oberbürgermeister Erich Raff. Der Ex-Manager des Vereins hatte dienstliche Verpflichtungen. Statt Nervenschlacht beim Handball in der Ferne gab’s in der Heimat kulturell-musikalischen Balsam für die Ohren beim Messias-Konzert in Fürstenfeld.

Die Macher der Tour: Michael Schneck (M.) mit Lars und Yvonne Herzog vom Freundeskreis.

Schon seit Monaten hatten Michael Schneck gemeinsam mit Lars und Yvonne Herzog vom offiziell eingetragenen Freundeskreis-Verein die „Auswärts-dahoam“-Planungen geschmiedet. Dass der Andrang am Ende so gewaltig würde, damit hatte keiner gerechnet. Von Woche zu Woche kam ein Bus dazu. Entstanden war die Idee beim Urlaub in Kroatien. Dort war das mit Original-Vereins-Shirts bekleidete Herzog-Paar von einem Handballfan aus Blaustein als Panther-Gefolgschaft identifiziert worden. Der TuS war damals nach der legendären Szene, als der Ball im Tordreieck kleben blieb, weltweit im Gespräch. Prompt wurden Pläne geschmiedet. Dass sie nach Blausteins Aufstieg auf dem Relegationsumweg so schnell verwirklicht werden, war damals noch nicht absehbar.

Nun erwies sich der Urlaubs-Deal als Win-Win-Situation für beide Vereine. Für Blaustein, weil die Niederlagenserie auch die Zuschauerresonanz getrübt hatte und die 250 zusätzlichen TuS-Fans für eine wieder mal ausverkaufte Lix-Sporthalle gesorgt haben. Für die Brucker, weil die Anhänger für 15 Euro pro Nase ein preiswertes Bus-Arena-Inklusive-Erlebnis und die auf dem Parkett aktiven Sportler locker erbeutete Punkte hatten. Abgerechnet wurde danach „auf Vertrauensbasis“, wie Blausteins PR-Manager Markus Taubert erläuterte. Heißt: Die an der Kasse „im Paket“ abgefertigten Gäste aus dem TuS-Tross bekamen Stempel auf die Hände gedrückt, abgerechnet wurde hinterher „nach Augenschein“.

Auch in Blaustein war ein derartiger Ansturm auswärtiger Schlachtenbummler ein Novum in der Vereinsgeschichte. Ohnehin haben die zwei Klubs einiges gemeinsam: Beide beanspruchen für sich die Aussage, den niedrigsten Etat in der 3. Liga zu haben; beide bauen auf gesunde Mischungen in der Altersstruktur ihrer Mannschaften; und beide haben ein leidenschaftliches Publikum. Dass diesmal der einheimische Fanblock nach 60 Minuten eher still und leise in den großzügig gestalteten Gastro-Bereich der Halle schlich, hatte seinen Grund am einzig großen Unterschied: Die Gastgeber hatten einfach nicht den Hauch einer Chance und werden sich wohl mit dem sofortigen Abstieg anfreunden müssen. Wenngleich Manager Taubert immer noch „guter Dinge“ ist.

Zuvor hatte im von Toni Fischer gesteuerten Eishockey-Bus Michael Schneck kurz vor Ulm noch an die Mitreisenden appelliert, „sich doch bittschön fair zu verhalten und unseren Verein anständig zu repräsentieren“. Alle hielten sich daran. Das sportliche Schaulaufen auf fremdem Terrain war schon nach fünf Minuten und einer 5:0-Führung eingetütet. Wie entspannt der Abend verlief, war nach der Pause mit einem Blick auf Trainer Martin Wild zu sehen: Tanzt der Panther-Dompteur sonst wie ein Derwisch die Linie entlang, lehnte er in Blaustein nach 35 Minuten armverschränkt an der Hallenwand und lächelte genüsslich zu den Fans hinüber.

Michael Wiedemann ist bei jedem Auswärtsspiel dabei.

Völlig entspannt war auch Michael Wiedemann. Der 50-jährige Edelfan begleitet die Mannschaft schon seit etlichen Jahren alle zwei Wochen zu jedem Auswärtsspiel. Blaustein war für ihn deshalb purer Alltag. „Fan sein – das ist mein Hobby“, erklärt Wiedemann seine Reiselust. „Das macht mich lebensfroh.“ Ein Aufstieg in die 2. Bundesliga und weite Fahrten bis nach Rostock wären für ihn deshalb „ein Traum“.

Die Sondertour-Fans ließen’s unterdessen auf den Rängen krachen. „Steht auf, wenn ihr Brucker seid“ und „Hurra, Hurra, die Brucker, die sind da“ schallte es durch die Lix-Sporthalle. Und je länger der Abend dauerte, kamen außer den sportlichen trennenden Welten doch noch kleine, aber feine Details zum Unterschied beider Vereine zum Vorschein. In Blaustein werden fünf (!) Biersorten im bayern-üblichen Halbe-Liter-Stil angeboten; beim TuS gibt’s zum gleichen Preis nur ein Helles im 0,33-Format. Und dann wäre da noch Blausteins legendäre Feuerwurst (eine lange Rote mit Kraut-Dressing), für die extra wegen der TuS-Fans der Grill schon eine Stunde früher als üblich angeworfen wurde. 

Bis zum 25. April können die Panther-Manager nun daran arbeiten. Dann kommen die Blausteiner zum Rückspiel in die Hölle Süd. Wohl nicht mit einem ganz so gewaltigen Fan-Tross, aber mit der Aussicht auf Freibier, wenn beim TuS der Aufstieg festgezurrt ist. Herbstmeister ist Bruck jetzt schon mal.

Der Freundeskreis e.V. besteht derzeit aus rund 70 Mitgliedern. Für einen Jahresbeitrag in Höhe von 200 Euro gibt es Gratis-Eintritt zu allen Heimspielen und weitere Vergünstigungen (Panther-Shirt etc.). Infos per Mail an ben.gogger@tus-ffb-handball.de

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