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Ironman in Frankfurt: Fabian Schaffert qualifiziert sich für Hawaii - Anja Kobs gewinnt Silber

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Von: Thomas Benedikt

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Totale Erschöpfung: Im Ziel angekommen, sackte Fabian Schaffert völlig entkräftet zusammen und musst erst einmal versorgt werden.
Totale Erschöpfung: Im Ziel angekommen, sackte Fabian Schaffert völlig entkräftet zusammen und musst erst einmal versorgt werden. © Privat

Sechs Starter aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck gingen beim Ironman in Frankfurt an den Start. Zwei von ihnen kehrten mit der Silbermedaille zurück.

Alling/Fürstenfeldbruck – Etwa 2500 Konkurrenten, 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen 42- Kilometer-Marathon. Das ist die Herausforderung beim Ironman in Frankfurt. Dieser Tortur stellte sich gleich eine ganze Reihe von Sportlern aus dem Landkreis – mit Erfolg. Da ist zum einen Anja Kobs, die in ihrer Altersklasse den zweiten Platz belegte. Und da ist Fabian Schaffert, der sich seinen Traum von der Qualifikation für den legendären Ironman auf Hawaii erfüllte.

Die Voraussetzungen

Neben der Allingerin Anja Kobs und Fabian Schaffert waren noch vier weitere Athleten des Tri Team Fürstenfeldbruck nach Frankfurt gereist: Nico Scheller, Daniel Eitler, Florian Hochwart und Fabians Vater Friedrich Schaffert. Die höchsten Ziele hatten sich aber Kobs und Fabian Schaffert gesteckt. Kobs reiste immerhin als Triathlon-Weltmeisterin über die Langdistanz an und zählte damit in ihrer Altersklasse zu den heißesten Titelkandidaten. Fabian Schafferts Ziel war die Ironman-WM auf Hawaii. Dazu musste er mindestens den zweiten Platz seiner Altersklasse (M25-29) belegen. Zudem gilt die Veranstaltung in der Banken-City für die Männer als EM, für die Frauen fehlt dagegen der Verbandssegen. Was vielen der Athletinnen aber ziemlich egal sein dürfte.

Das Schwimmen

In aller Früh startete das Rennen mit der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke, die – unterbrochen von einem kurzen Landgang – im Zickzack durch den Langener Waldsee führte. Bereits um 4.30 Uhr ging der erste Shuttlebus, der die Athleten an den See brachte. Im sogenannten Rolling Start – die Athleten gehen nacheinander ins Wasser und nicht alle auf einmal – wagten sich die Landkreis-Sportler an die erste Etappe des Wettkampfs.

Am besten meisterte diese Florian Hochwart, der als schnellster Brucker nach 53:12 Minuten aus dem Langener Waldsee Richtung Fahrrad spurtete. Genau in diesem Abschnitt unterlief Kobs – sie brauchte 1:12 Stunden für die 3,8 Kilometer im Wasser – ein Malheur, das sie noch das ganze Rennen über beschäftigen sollte: Beim Spurt zum Rad stolperte die Allingerin und brach sich dabei den mittleren Zeh im rechten Fuß – was ihr allerdings erst nach dem Wettkampf klar wurde. Die Schmerzen spürte sie aber sofort.

Die Radstrecke

Kobs hatte aber nicht nur mit ihrem Zeh zu kämpfen. Ihr eigentliches Problem lag weiter oben: im Magen-Darmtrakt. Ein Bauchgrimmen bei einem Radrennen von 180 Kilometer (und 1500 Höhenmetern) einfach zu negieren, klappt nicht. Die Folge: „Ich bin ziemlich eingebrochen“, berichtet Kobs. Allerdings traf sie dennoch schon nach 5:32 Stunden ein, rund zehn Minuten hinter dem Plan. Ein Besuch der blauen Dixie-Box behob dann wohl das Problem. Gerade noch rechtzeitig, denn mittlerweile hatte das Thermometer in der Main-Metropole bereits die 30-Grad-Marke weit übertroffen.

Aber auch bei den Startern des Tri Team Fürstenfeldbruck machten sich die ersten körperlichen Beschwerden bemerkbar. Friedrich Schafferts Oberschenkel begann Probleme zu machen und so ging er das Rennen fortan langsamer an. Seine Vereinskollegen flogen dagegen bei zu dem Zeitpunkt noch optimalen Bedingungen regelrecht über den aus zwei Runden bestehenden Kurs: Fabian Schaffert erreichte nach 4:42:04 Stunden die zweite Wechselzone, Nico Scheller nach 4:53:44 Stunden, Daniel Eitler nach 5:10:01 Stunden und Florian Hochwart nach 5:26:27 Stunden. Einzig Friedrich Schaffert hatte mit 7:00:23 Stunden erheblich Zeit eingebüßt.

Der Marathon

Es folgte die letzte Etappe: der fast 42 Kilometer lange Marathon. Zwar wurden die Athleten, die es so weit geschafft hatten mit einer spektakulären Kulisse, unzähligen Zuschauern und ständigen Anfeuerungen belohnt. Doch diese Motivation hatten sie auch dringend nötig. Denn die Sonne brannte erbarmungslos auf die Sportler herunter. Für Friedrich Schaffert wurde es zu viel. Die Oberschenkelprobleme, die sich bereits auf dem Rad bemerkbar gemacht hatten, zwangen den Brucker zur Aufgabe. Die übrigen Mitglieder des Tri Teams bissen die Zähne zusammen. Irgendwie ins Ziel kommen, war die Devise. Nicht aber für Fabian Schaffert: der lag auf Platz zwei seiner Altersklasse und damit auf WM-Kurs. Allerdings saßen ihm seine Konkurrenten im Nacken.

Anja Kobs versuchte unterdessen ihren gebrochenen Zeh auszublenden. Auf dem Rad mag ein malader Zeh vielleicht nicht hinderlich sein, bei einem 42-Kilometer-Rennen auf der Straße ist er es sicherlich. Kobs Antwort auf die Frage, wie sie das schaffen konnte, klingt simpel: „Ich hab die Schmerzen ausgeblendet ausgeblendet und bin einfach mehr über den großen Zeh abgerollt.“ Das Wetter hingegen spielte der Allingerin in die Karten. „Ich kann Hitze!“, betont Kobs immer wieder. Ihre 3:29 Stunden beweisen es. Zum Vergleich: Die Gesamtsiegerin bei den Frauen, die zwölf Jahre jüngere Profi-Triathletin Daniela Bleymehl war 3:12 Stunden unterwegs, die zweitbeste Deutsche und Gesamtvierte Katharina Grohmann, ebenfalls ein Profi, benötigte 3:24 Stunden.

Im Ziel

Nach insgesamt 10:24 Stunden querte Kobs die Ziellinie vor dem berühmten Frankfurter Römer. Zum AK45-Titel, den sich die Leipzigerin Manuela Süß sicherte, fehlten ihr nur 3:09 Minuten. Süß wie Kobs ist ein Startplatz für den Ironman Hawaii sicher. Süß wird wohl fahren, es ist ihr „absoluter Herzenswettkampf“, wie sie auf ihrer Homepage schreibt. Kobs hingegen verzichtet auf den nicht gerade billigen Trip: „Das ist viel zu viel Aufwand für ein Rennen. Da bleibe ich lieber in der Heimat und nehme an den Bayerischen Trailmeisterschaften teil.“

Ganz anders Fabian Schaffert. Völlig erschöpft erreichte er nach 8:49:37 Stunden das Ziel. Dort sackte er entkräftet zusammen und musste erst einmal versorgt werden. Wirklich bewusst, was er da geschafft hatte, war dem Brucker in dem Moment noch nicht. „Ich war so auf Autopilot unterwegs dass ich nicht mal meine Zielzeit im Blick hatte“, sagt der frischgebackene Hawaii-Qualifikant. Später schrieb er auf Instagram: „Hätte mich übrigens einer im Ziel gefragt, ob ich will hätte ich wohl eher nicht zusagt. Das war das härteste Rennen überhaupt.“ Zumindest bisher. Bei der WM auf Hawaii wird aber er nicht alleine sein. Seine Schwester Carolin hatte sich bereits beim Ironman in Hamburg für die WM qualifiziert. Dem Familientrip steht nun nichts mehr im Weg.

Die weiteren Zeiten: Nico Scheller 9:32:24 Stunden, Florian Hochwart 10:05:24 Stunden und Daniel Eitler 10:08:23 Stunden. (Horst Kramer und Thomas Benedikt)

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