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Italiens Nationaltrainer spricht bairisch

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Jörg Ramel ist Italiens Nationaltrainer © Foto: Peter Weber

Emmering - Jörg Ramel aus Emmering ist seit zwölf Jahren Nationaltrainer in Italien. Mit der Faustball-Elite der Azzurris tritt er bei der WM in Argentinien an.

Für taktische Vorgabenbraucht der Jörg Ramel keinen Dolmetscher. Denn Italiens Nationalspieler pflegen untereinander ebenfalls eine andere Umgangssprache: In tirolerisch eingefärbtem Deutsch unterhalten sich die Faustballer, die allesamt aus einem Verein stammen. Der SSV Bozen ist der einzige Clubs Italiens, in dem das uralte Spiel noch gepflegt wird. Die Südtiroler treten mangels Wettkampfgegnern südlich des Brenners in der österreichischen Liga an. Und als Trainer haben sie einen Deutschen engagiert: Jörg Ramel aus Emmering nimmt gewöhnlich zwei Mal im Monat ein verlängertes Wochenende, um Bozen und mithin Italien zu coachen. Derzeit sind der Team-Chef und seine Mannschaft allerdings öfter zusammen, denn am 14. November beginnt die Weltmeisterschaft in Argentinien. Mit dabei: „Faustball Italia“.

Der 54-jährige Vertriebsdisponent bei einer Puchheimer Medizintechnik-Firma wurde vor zwölf Jahren quasi vom Urlaub weg verpflichtet. Als Urgestein in der einstigen Faustball-Hochburg Emmering ließ er es sich auch in den Ferien in Südtirol nicht nehmen, mal beim Training in Bozen vorbeizuschauen. Ein früherer Mitspieler von Wacker Burghausen – dem Verein, mit dem Ramel 1992 sensationell den Weltcup bei den Vereinsmeisterschaften holte - war damals Coach in Bozen und verpflichtete den alten Spezi als Betreuer. Nach langen Jahren als Co-Trainer übernahm Ramel vor vier Jahren die alleinige Verantwortung.

Faustball wird schon seit mindestens zwei Jahrtausenden gespielt. Lange bevor die ersten Volleyballer ein Netz statt einer Leine aufspannten, soll eine Faustball-Frühform schon in Südeuropa praktiziert worden sein. Noch vor nicht langer Zeit war es Dienstsport bei Polizei und Feuerwehr, erzählt Kreisbrandinspektor Ramel. In den Medien kommt der nichtolympische Wettbewerb praktisch nicht vor. Immerhin wisse das IOC inzwischen, dass es Faustball gibt. Vielleicht auch dank des internationalen Verbandes, der unter Leitung eines Österreichers in den letzten Jahren versucht, Werbung für seinen Sport zu machen. In Österreich schafften die Bozener heuer den Aufstieg in die erste Liga. International kann sich „Faustball Italia“ allerdings nicht mit der eigentlich nur aus dem zehnfachen WM-Sieger Deutschland bestehenden Weltspitze messen. In Argentinien sieht Ramel seine Mannschaft im Kampf um die Plätze fünf bis sieben – gegen Rivalen wie Chile, Namibia und die USA. Finanziert wird die Reise nach Südamerika vor allem aus Eigenmitteln. Der Bozener Gesamtverein mit seiner starken Handball-Mannschaft hat wahrscheinlich ein paar Euro übrig, einige Kleinsponsoren gibt es auch, aber eigentlich muss man für eine WM-Teilnahme vorher sparen. „Faustball muss man eben echt mögen,“ sagt Italiens Nationaltrainer. Hilfreich war da der Erfolg des SSV Bozen bei einem internationalen Turnier kürzlich in Rosenheim. Siegprämie: 250 Euro.

Olf Paschen

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