Sprecher „Willi“ Willmann kommentiert den Rodelsport.
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Sprecher „Willi“ Willmann kommentiert den Rodelsport.

Auch in Corona-Zeiten im Einsatz

Gerhard Willmann ist die Stimme vom Eiskanal am Königssee

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Der Estinger Gerhard Willmann hat einen besonderen Neben-Job. Er ist Stadionsprecher des Eiskanals am Königssee.

Esting – Leere Bundesliga-Stadien, Eishockey-Arenen und Skisprung-Anlagen ohne Zuschauer, Geisterkulissen entlang der Weltcup-Skipisten und in den Handball-Hallen. Trotzdem gehen Profisportler gut beschallt ihrer Arbeit nach. Denn auf Stadion-, Hallen- und Bahnsprecher wollen die Veranstalter nicht verzichten. Ein Job-Garantie in Pandemie-Zeiten. Weshalb auch Gerhard „Willi“ Willmann in dieser Branche eine (sport)systemrelevante Rolle spielt. Der 52-jährige Estinger sitzt am Mikro. Seine Stimme schallt durch die Lautsprecher entlang des ältesten Eiskanals der Welt am Königssee. Zuletzt am Wochenende beim Weltcup der Rennrodler.

Wo normalerweise tausende Zuschauer die wilde Hatz nach Sekundenbruchteilen verfolgen, herrschte gespenstische Stille. Nur die Sportler selbst, Trainer, Betreuer, Offizielle und akkreditierte Journalisten hatten nach negativem Corona-Test Zutritt in die ansonsten hermetisch abgeriegelten Bereiche entlang des 1640 Meter langen Eiskanals. Sie würden auch ohne lautstarke Kommentierung des Bahnsprechers die Leistungen ihrer Schützlinge richtig einzuordnen wissen. Trotzdem ist „Willi“ Willmann unverzichtbar. Denn, so erklärt der hauptberuflich beim Bayerischen Rundfunk beschäftigte Sportredakteur: „Die Sportler freuen sich, dass ich ihnen das Gefühl eines Wettkampfes gebe.“

Seine Kommentare motivieren die Sportler

Ohne dem im Hintergrund zu hörenden Laut-Sprecher wäre laut Willmann auch jede TV-Übertragung ein Debakel. Außerdem diene die kompetente Beschallung den Athleten als Motivation. „Sie und die Betreuer hören jetzt umso genauer zu. Wenn ich was Falsches erzähle, was selten passiert, bekomme ich das sofort mitgeteilt.“

Trotzdem: Auch für den nicht auf den Mund gefallenen Medienprofi, der außerdem noch auf den Bob- und Rodelbahnen in Winterberg und Oberhof das Weltcup-Geschehen moderiert, ist die aktuelle Situation mehr als gewöhnungsbedürftig. „Die Leere am Königssee war seltsam. Aber ich bin extra früher aufgestanden, um sie zu genießen, obwohl ich mir aller Probleme des Lockdowns bewusst bin.“

Gerhard Willmann geht jedes Mal in dasselbe Hotel

Bei seinen in der Regel von Freitag bis Sonntag dauernden Weltcup-Wochenenden bezieht der Estinger stets dasselbe Hotel, um danach zum „schönen Arbeitsplatz der Welt“ zu spazieren. Von seinem Ansager-Platz im Zielraum des Eiskanals hat der 52-Jährige, der 2020 auch noch unter die Buchautoren gegangen ist (sein Erstlingswerk „Der Familienurlaub: Von Äläffnohklokk bis Zeh Roberto“ ist so gut wie vergriffen) einen traumhaften Blick auf den Königssee. Der wird zwar auch von der Corona-Krise höchstens mal durch Nebelfelder getrübt, dennoch sehnt Willmann für sich und „seine“ Athleten den Alltag zurück: „Niemand mag die Situation, aber jeder geht professionell damit um. Es gibt für den Fortbestand der Disziplinen und damit auch für mich als Sprecher keine Alternative.“

Weshalb er in knapp drei Wochen erneut an die Königssee zurückkehren wird, wenn dort die Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Weil der im Haupt- wie im Nebenjob kompetent kommentierende Experte privat als „Spaßvogel von Berufs wegen“ gilt, betrachtet er die Geisterkulissen ganz professionell: „Ich bin Sprecher ohne Zuschauer und gleichzeitig Vater von drei Kindern. Also ist alles wie daheim.“

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