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Sein Job ist es, die Speedway-Asse auf die Piste zu schicken. Hubert Grundwald tut das seit 30 Jahren.

Speedway

Dieser Startmarshall hat Benzin im Blut

Kaum ein anderer wie er kommt den Speedway-Maschinen so nahe wie Hubert Grundwald. Seit 30 Jahren erledigt er bei den Rennen in Olching den Job als Startmarshall.

VON MATTHIAS GSCHWIND

Olching Wenn er in seiner typischen Art mit zwei erhobenen Händen am Startband steht, haben die vor ihm lauernden Stahlschuhritter keinen Blick mehr für ihn. Die Speedway-Asse sind fixiert auf die Startautomatik, die das vor ihnen gespannte Band auslöst. Mit langsam sinkenden Händen schreitet Hubert Grundwald durch die Reihe. Für alle das Zeichen: Das Rennen kann beginnen. Grundwald ist die Startmarshall-Legende beim MSC Olching – seit 30 Jahren.

„Ich kann einfach nicht aufhören“, sagt der 72-Jährige ehemalige Speditionskaufmann, der in Pfaffenhofen bei Ingolstadt aufgewachsen ist. Trotz des Besuches eines Gymnasiums nach der Grundschule wurde Grunwald schnell klar, dass dies nicht sein Weg sei.

Der erste Kontakt mit dem Motorsport fand bereits zu Grundschulzeiten statt, denn auch Vater Josef war Startmarshall auf der neben Olching und Landshut bekanntesten Speedway-Hochburg in Pfaffenhofen. „Ich habe mir viel von ihm abschauen und aneeignen können.“ So arbeitete sich der junge Grundwald vom Kurvenbeobachter mit der roten Fahne bis zum Startmarshall hoch. Beruflich tourte er 35 Jahre lang unter der Woche als Lastkraftwagenfahrer durch Deutschland, ehe er die Wochenenden an der SpeedwayStrecke verbrachte. Mit 39 wurde Grundwald Vater von Sohn Thorsten. Wie die Familiengeschichte es verlangt, kam auch der Junior in Kontakt mit dem Motorsport. „Mein Sohn hat damals mit dem Martin Smolinski angefangen. Die Wochenenden haben wir in Wohnmobilen und Zelten verbracht, während wir von Strecke zu Strecke gefahren sind.“

So einfach aufhören ist für Hubert Grundwald keine Option. „Natürlich weiß ich, dass es eines Tages nicht mehr geht.“ Der hätte schon vor zehn Jahren sein können. Denn bei einem Start wurde der Pfaffenhofener von einer Rennmaschine am Bein erwischt, und so zog er sich einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch zu. Es existiert sogar noch ein Video von dem Crash. Selbst wisse er davon aber nichts mehr. „Ich bin erst nach der Operation im Krankenhaus wieder aufgewacht.“ Doch dieser Unfall hielt ihn nicht davon ab, auf Piste zurückzukehren. „Nach einem Autounfall fahre ich ja auch wieder Auto“, erklärt der 72-Jährige. Brummis über die Autobahnen zu lenken war jedoch nicht mehr möglich.

Der Pfaffenhofener ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Er kenne fast alle Schiedsrichter und ihre Macken, auch in Polen und Belgien. „Als Marshall darf man keinen Fehler machen, man muss sich bis zur letzten Sekunde konzentrieren“, so Grundwald. Deshalb ärgerte er sich besonders über den Fehler seines kroatischen Kollegen bei der Weltmeisterschafts-Challenge im August. „Das werde ich nie verstehen. Zählen ist doch nicht so schwer“, schimpft er noch immer über den Fehler seines Kollegen, der das Rennen mit seiner schwarz-weißen karierten Zielflagge eine Runde zu früh abwinkte. Im Endeffekt kostete das dem Olchinger Lokalmatador Martin Smolinski nicht nur den Sieg, sondern auch die Chance auf eine erneute Grand-Prix-Teilnahme. Denn im laut Reglement fälligen Wiederholungsrennen stürzte der 34-Jährige und zog sich dabei eine Verletzung zu. Der Renntag war damit vorzeitig beendet. Und irgendwie auch die Saison, obwohl die erst nach einem noch schlimmeren Crash in Frankreich so richtig vorbei war. Zumindest für den Grand Prix hat Smolinski mittlerweile die Wildcard als Ersatzfahrer aber in der Tasche.

Sehr zur Genugtuung wohl auch für Grundwald, der eine Sache bei den heutigen Speedway-Rennen vermisst: „Die Gemütlichkeit fehlt. Alle haben so viel Stress aufgrund der verschiedenen Verpflichtungen, denen sie nachkommen müssen.“ Manchmal wünsche er sich ein gemeinsames Aufräumen der Strecke und des Stadions – und danach auf einen Ratsch zusammensitzen.

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