Als Stockschießen noch ein reiner Wintersport war (v.l.): Hans Adler, Rudi Stockmann, Gretl Sollinger, Berta Bergmeier, Edith Haslbeck, Ludwig Nefzger, Engelbert Staffler, Sabine Wittmann und Michael Sedlmeier.
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Als Stockschießen noch ein reiner Wintersport war (v.l.): Hans Adler, Rudi Stockmann, Gretl Sollinger, Berta Bergmeier, Edith Haslbeck, Ludwig Nefzger, Engelbert Staffler, Sabine Wittmann und Michael Sedlmeier.

Sie fanden keinen Vorstand mehr

Der Stock-Schützen-Club Fürstenfeldbruck löst sich nach 58 Jahren auf

  • vonDieter Metzler
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In zwei Jahren hätte der Brucker Stockschützenverein sein 60-jähriges Gründungsfest gefeiert. Dazu wird es nun aber nicht mehr kommen. 

Fürstenfeldbruck – Auf ihrer Jahresversammlung beschlossen die Mitglieder die Auflösung des Vereins, weil niemand bereit war, die Aufgabe des Vereinsvorstands zu übernehmen. Schweren Herzens stimmten 22 der 24 anwesenden Mitglieder dem Vorschlag zur Auflösung des Vereins zu.

„Es ist ein schwerer Schritt“, sagte der 1. Vorsitzende Peter Biechele, der den Verein in den vergangenen zehn Jahren leitete. „Auch von mir hängt viel Herzblut in dem Verein. Aber es hilft alles nicht, wir werden alle nicht jünger.“ Eine im vergangenen Jahr noch diskutierte Fusion mit den Aicher Stockschützen wurde abgelehnt. Nachdem jetzt nur noch Schatzmeister Marius Hanslik weiterhin zur Verfügung gestanden wäre, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Der SSC war einer der aktivsten Vereine im Landkreis

Vereinschef Peter Biechele (Mitte) in Aktion. Er hat die schwierige Aufgabe, die Vereinsauflösung umzusetzen.

Dabei zählte der SSC einst mit fast 80 Mitgliedern und seiner idyllischen Anlage mit zwölf Asphaltbahnen an der Amper zu einem der aktivsten Stockschützenvereine im Landkreis. Erst im Jahr 2007 hatte sich der SSC als Abteilung des SCF verabschiedet und einen eigenen Verein gegründet.

Begonnen hat alles am Weiherhaus, wo sich Anfang der 60er-Jahre die Eisstockschützen regelmäßig trafen. Schnell erwuchs der Wunsch, sich vereinsmäßig zu formieren. Auf Betreiben von Ernst Aberl versammelten sich am 16. November 1962 insgesamt 27 Sportkameraden und gründeten den Stockschützenverein. Auf ein Angebot des damaligen SCF-Präsidenten Hans Korn hin wurde der Verein ab Januar 1963 zu einer Abteilung beim Brucker Sportclub. Der Beitritt erlaubte den Stockschützen, an offiziellen Turnieren teilzunehmen.

Schon um 4 Uhr wurden die Bahnen präpariert

Doch aller Anfang war schwer. So wurde nahe der Volksfestwiese ein aufgespritzter Eisplatz mit acht Bahnen geschaffen. Frühmorgens um vier Uhr war man oft schon mit der Präparierung der Eisbahnen beschäftigt. 1968 wurde dann auf einem Sumpfgelände nahe dem Kloster mit größtem Einsatz der Mitglieder ein Eisweiher für acht Bahnen angelegt.

Nach langem Ringen mit dem Stadtrat und unter großer Eigenleistung der Mitglieder weihte der Verein 1977 die Asphaltanlage an der Amper ein. Bei der Eröffnung wurde damals bei Entstehungskosten von rund 110 000 Mark von Geldverschwendung für eine Randsportart gesprochen. Aber nach 42 Jahren zählt die Anlage heute noch zu den schönsten im Landkreis.

Aus einem Geräteschuppen entsteht eine Vereinshütte

Fünf Jahre später errichtete der Verein in einer Nacht- und Nebelaktion ohne jegliche Genehmigung eine Gerätehütte. Prompt gab es eine Geldstrafe – aber die Hütte stand. Mit der Stadtverwaltung suchte der Verein in der Folgezeit eine einvernehmliche Lösung. Die Stadt übernahm die Hütte und der Verein erhielt einen Nutzungsvertrag. Im Laufe der Jahre war aus der Gerätehütte längst eine behagliche Vereinshütte mit sanitären Anlagen und Kanalanschluss geworden. 2002 erhielt der Verein schließlich die lang ersehnte Baugenehmigung. Sie war bis jetzt zentraler Treffpunkt der Brucker Stockschützen.

Vom Geräteschuppen zum schmucken Vereinsheim. Die Hütte baute der Verein in Eigenregie immer weiter aus.

Weil der Verein noch ein vierstelliges Vermögen auf der hohen Kante hat, kann er sich nicht direkt auflösen. Als Liquidatoren bestimmte die Versammlung einstimmig die Vorstandschaft, die sich nun innerhalb eines Sperrjahres um die Auflösung kümmern wird. Dazu zählen die Kündigung des Nutzungsvertrags mit der Stadt, die Übergabe des Vereinsheims an die Stadt, die Abmeldung beim BLSV sowie die Abwicklung noch aller sonstigen bestehenden Verpflichtungen. Nach Ablauf des Jahres wird das Erlöschen des Vereins in notariell beglaubigter Form zur Eintragung in das Vereinsregister angemeldet. Der SSC Fürstenfeldbruck ist dann ab 31. August 2021 Geschichte.

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