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Viel los ist derzeit auf der Anlage des TC Puchheim. Auch das Training für Jugendliche ist bereits wieder gestartet.

Punktrunde löst gemischte Gefühle aus

Wegen Corona? Unerwarteter Tennis-Boom im Landkreis 

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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Während zahlreiche Spieler in der Corona-Krise auf die Tennisplätze strömen, ziehen viele Vereine ihre Teams aus dem Punktspielbetrieb zurück.

Landkreis – Am Dienstag verkündete Ministerpräsident Markus Söder jene Nachricht, auf die viele Tennisspieler im Landkreis lange gewartet haben: Ab 8. Juni darf in Bayern wieder Wettkampf-Tennis gespielt werden – inklusive Doppel. Die waren bisher nicht erlaubt, weil während des Spiels de Abstandsregeln nicht durchgängig eingehalten werden konnten. Gerade für viele Senioren ist diese nicht so laufintensive Spielform aber ein wichtiger Teil des Tennissports. Etliche Fragen, wie der Saison-Alltag ablaufen soll, sind allerdings noch offen. Auch deshalb haben sich viele Mannschaften von der Sommer-Punktrunde zurückgezogen.

Ralph Matheiowetz: „Es wird sicher komisch werden“

Nur die Hälfte der ursprünglich geplanten Teams startet beim TC Gernlinden in die Saison, wie Vereinspräsident und Anlageninhaber Ralph Matheiowetz erklärt. Vor allem Senioren und Damen-Mannschaften wollen unter den aktuellen Bedingungen keine Punktrunde spielen. Dass die Kabinen nicht genutzt werden dürfen – duschen und sich umziehen soll man zuhause – sei für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen. „Die Damen legen da offenbar mehr Wert darauf als die Herren“, so Matheiowetz. Er selbst will in der Sommerrunde für die Herren 50 seines Vereins spielen. In die Vorfreude mischt sich allerdings auch Skepsis: „Es wird sicher komisch werden.“

Während die Punktrunde gemischte Gefühle bei den Spielern auslöst, scheint es für den Tennissport eine ganz neue Begeisterung zu geben. „Die Anlage brummt, wie nie zuvor“, erzählt Matheiowetz. Die elf Sandplätze des Vereins seien sehr gut ausgelastet, so der Vereinsvorsitzende – trotz umfangreicher Hygieneregeln, Maskenpflicht auf dem Weg zum Platz und Abstandsvorgaben. „Das klappt alles wunderbar“, sagt der TCG-Chef.

Björn Wille: „Tennis funktioniert auch mit Corona-Vorschriften sehr gut“

Ganz ähnlich ist die Situation beim TC Puchheim. Dessen Plätze an der Bürgermeister-Ertl-Straße sind ebenfalls gut belegt, wie Sportwart Björn Wille beobachtet hat. Seine Vermutung: „Die Leute haben das Tennis sehr vermisst und es funktioniert auch mit Corona-Vorschriften sehr gut.“ Besser als andere Sportarten. Viele Spieler, die sonst noch anderen Beschäftigungen nachgehen, würden ihre freie Zeit gerade nur noch auf dem Tennisplatz verbringen, so Wille.

Der kleine Tennis-Boom stellt den Klub aber auch vor große Herausforderungen. Die Vorgaben des Bayerischen Tennisverbands (BTV) besagen nämlich, dass Namenslisten aller Spieler geführt werden müssen, um bei einem Corona-Fall die Infektionskette nachverfolgen zu können. Beim TC Puchheim hat man aus der Not eine Tugend gemacht und das Onlinesystem zur Platzbuchung, das normalerweise vor allem für die Halle zum Einsatz kommt, auf die Außenplätze ausgeweitet. So hält sich der bürokratische Aufwand für den Verein in Grenzen.

An der Punktrunde werden fast alle Puchheimer Teams teilnehmen. Lediglich die Freizeit-Doppel-Mannschaften der Senioren wurden zurückgezogen. „Die gesundheitlichen Bedenken der über 70-jährigen Spieler waren zu groß“, erklärt der TCP-Sportwart, der für die erste Herrenmannschaft aufschlagen wird. „Es wird auf jeden Fall spannend.“

Georg Fleischmann: „Wenn mehr als 50 Prozent zurückziehen, weiß ich nicht, ob das Sinn macht“

Für Georg Fleischmann, Leiter des Amperparks in Emmering stand die Teilnahme an der Punktspielrunde nie in Frage, sollten die Rahmenbedingungen einen Spielbetrieb zulassen. „Wir spielen, weil wir gerne Tennis spielen“, so der Chef-Trainer des Klubs, der außerdem für die Herren 40 des TC Weilheim in der Bayernliga aufschlägt und dazu noch in Tirols Herren-45-Bundesliga für Innsbruck spielt. Dass der gesellige Aspekt in diesem Jahr kürzer treten muss, damit müsse man leben. Der Amperpark Emmering tritt auf jeden Fall mit allen Mannschaften an, die ursprünglich gemeldet waren.

Fleischmann ist allerdings noch nicht vollends überzeugt, dass die Punktrunde tatsächlich stattfinden wird. BTV-Präsident Helmut Schmidbauer hatte vergangenen Woche betont, dass es keine Übergangssaison auf Biegen und Brechen geben werde. „Wenn mehr als 50 Prozent zurückziehen, weiß ich nicht, ob das Sinn macht“, so der Amperpark-Trainer. Er befürchtet, dass die harten Einschnitte zu Beginn der Corona-Beschränkungen in vielen Tennisspielern den Beschluss zementiert haben, diese Saison nicht anzutreten. Und an diesem Beschluss würden sie auch weiter festhalten, obwohl mittlerweile eigentlich wieder ein normales Tennisspielen möglich sei, so Fleischmann.

Beim mittlerweile einzigen Germeringer Verein, dem TC Kreuzlinger Forst, ist das Stimmungsbild zur anstehenden Sommerrunde geteilt. Während von der Jugend bis zu den 40er-Jahrgängen eigentlich alle Teams wie geplant spielen wollen, tendieren die älteren Mannschaften dazu, sich vom Spielbetrieb abzumelden. „Das liegt aber weniger an gesundheitlichen Bedenken, sondern daran, dass der Vorstand pro Mannschaft einen Sicherheitsbeauftragten fordert“, erklärt Dominik Hirsch, Vorsitzender des Tennisvereins. Man versuche aber einen möglichst normalen Spielbetrieb hinzubekommen. „Allein schon, um den arg gebeutelten Wirt zu unterstützen“, sagt Hirsch.

Dominik Hirsch: „Wenn es irgendwie darstellbar ist, wollen wir den Parsberg-Cup durchführen“

Die Punktrunde kann stattfinden. Viele große Turniere im Landkreis mussten allerdings schon wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. So müssen die Jugendlichen heuer auf die Komm-Energie-Juniors in Eichenau verzichten. Das Turnier wäre eigentlich für Anfang Mai geplant gewesen. Ebenso entfällt das ursprünglich im Juni angedachte Ranglisten-Turnier für die Erwachsenen. 

Eng beieinander stehen die Sieger und Organisatoren der letztjährigen Olching Open. Solche Bilder wird es heuer nicht geben. Das Turnier musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Die Punktrunde darf unter Auflagen aber stattfinden.

Eine weitere Absage betrifft das älteste Ranglistenturnier im Landkreis. Die Oching-Open, die am letzten Augustwochenende beginnen sollten, werden heuer nicht stattfinden. „200 Leute auf unserer Anlage, das können wir zum dem Zeitpunkt nicht verantworten“, erklärt Michael Sachse, 2. Vorsitzender beim TC Olching. Die Absage schmerzt umso mehr, da die Olchinger für die bereits 29. Auflage des Turniers einen Sponsor gefunden hatten. Der hat allerdings schon signalisiert, dass er auch im kommenden Jahr mit an Bord wäre. „Immerhin eine gute Nachricht“, so Sachse. Denn auch die Landkreismeisterschaften, die eine Woche später angesetzt waren und vom TC Gernlinden und den Olchingern gemeinsam ausgetragen werden sollten, wurden bereits abgesagt. 

Hoffnung besteht noch für den Parsberg-Cup in der ersten Augustwoche. „Wenn es irgendwie darstellbar ist, wollen wir ihn durchführen“, sagt Dominik Hirsch, Vorsitzender des TC Kreuzlinger Forst. Doch dazu müssten zuerst noch offene Fragen zwischen dem Bayerischen Tennisverband und Regierung geklärt werden.

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