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Er trank 16 Liter auf dem Weg zum Ironman-Erfolg: Fabian Rind gewinnt in Würzburg

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Von: Stefan Reich

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Ganz oben auf dem Siegertreppchen landete Fabian Rind vom TSV Unterpfaffenhofen.
Ganz oben auf dem Siegertreppchen landete Fabian Rind vom TSV Unterpfaffenhofen. © Privat

Fabian Rind vom TSV Unterpfaffenhofen hat bei widrigen Bedingungen die Konkurrenz beim Ironman in Würzburg hinter sich gelassen.

Germering – Am Tag nach dem Wettkampf stand Fabian Rind schon wieder im Klassenzimmer am Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen. Und das sogar in überraschend guter Verfassung. Dabei war der Biologie- und Chemielehrer nur gut 14 Stunden vorher beim Ironman-Triathlon in Würzburg nach einer wahren Hitzeschlacht ins Ziel getorkelt. Dass der frühere Germeringer, der immer noch für den TSV Unterpfaffenhofen startet, die Ziellinie dabei als Sieger überquerte, half wohl, die Strapazen einigermaßen gut zu verdauen. „Ich hatte auf einen Podestplatz in meiner Altersklasse gehofft. Dass ich das Ding als Gesamtsieger beendet habe, ist schon ziemlich cool“, berichtet Rind. „Die Euphorie hält dann auch eine ganze Weile an.“

Der Triathlon in Würzburg war nicht sein erster über die Ironman-Distanz. Ein solches Rennen habe er aber noch nicht erlebt, sagt der 43-Jährige aus Burgrain. „Das war einfach brutal.“

Platzierungen sind eigentlich nicht das Hauptziel, wenn Rind ein bis zwei Mal im Jahr bei einem Rennen über die Langdistanz an den Start geht. „Ich möchte dann eine für mich möglichst gute Zeit erreichen“, sagt er. Doch in den Tagen vor Würzburg zeichnete sich ab, dass das nicht drin sein würde. Der Veranstalter hatte für das Radfahren eine Strecke festgelegt mit 2000 Höhenmetern, etwa doppelt so viel wie bei anderen Ironmans üblich – noch dazu ohne Sperrung für den Autoverkehr. Dann wurden hochsommerliche Temperaturen vorhergesagt. Rekordzeiten waren damit nicht zu erwarten – aber vielleicht waren es genau diese Umstände, die ihm letztlich den Sieg brachten.

Bis zu 20 Stunden Training pro Woche als Vorbereitung

Überhaupt einen Ironman durchzustehen, bedarf schon eines enormen Aufwandes. Ohne Unterstützung der Familie kaum machbar, sagt Rind. Schwiegermutter Elfi habe hier als Babysitterin für die Kinder während den langen Einheiten am Wochenende eine Schlüsselrolle. Denn bis zu 20 Stunden in der Woche schwimmt, rennt und radelt Fabian Rind während der intensivsten Trainingsphasen. Doch Würzburg brauchte nochmal eine spezielle Vorbereitung.

Durch seinen Beruf und weitere Recherchen mit dem nötigen Wissen ausgestattet, errechnete sich Rind akribisch, wie viel Flüssigkeit, wie viele Kohlenhydrate, wie viel Salz er seinem Körper würde zuführen müssen, um durchzuhalten. „Das Verpflegungsmanagement war extrem wichtig“, glaubt Rind.

Schon auf der Schwimmdistanz hatte der Triathlon eine Überraschung parat. Geschwommen wurde im Main, mit dem Shuttle-Bus ging es frühmorgens zur Einstiegsstelle zwischen Öltanks nahe des Würzburger Hafens. Nach einer Stunde im Wasser hätte eigentlich die Wechselzone bei Erlabrunn in Sicht kommen sollen. „Laut meiner GPS-Uhr war die Strecke ganze 5,1 Kilometer lang“, berichtet Rind. Die Norm sind bei einem Ironman 3,8 Kilometer.

Nach 1:21:48 Stunden stieg Rind aus dem Wasser. Auf dem Rennrad ging es ein kurzes Stück am Main entlang, dann in die Hügel über dem Fluss. Zweimal galt es, den 90 Kilometer langen Rundkurs zwischen Lohr, Gemünden und Erlabrunn zu absolvieren. Im Laufe des Vormittags brannte die Sonne immer unbarmherziger. Dazu blies ein heißer, trockener Wind.

16 Liter Flüssigkeit: Der Mund ist trocken aber der Magen wehrt sich

Die Beine taten weiter ihren Dienst, doch der Körper wehrte sich immer stärker gegen die nötige Flüssigkeitsaufnahme. „Der Mund ist trocken vor Durst, aber der Magen rebelliert dagegen, noch mehr aufzunehmen“, schildert Rind. Acht Liter Flüssigkeit hatte er schließlich in sich hineingeschüttet, als er fünfeinhalb Stunden nach dem Aufsteigen wieder vom Rad stieg. So mancher Starter war da schon nicht mehr im Rennen.

Als Dritter ging Rind auf den 10,5 Kilometer langen Rundkurs für den abschließenden Marathonlauf. Ein Konkurrent vor ihm war bald überholt, der andere gab auf. Und so absolvierte Rind den Großteil der Asphaltstrecke, auf der das Thermometer 40 Grad zeigte, als Führender. „Das Gefühl kannte ich nicht“, berichtet Rind. „Das erfüllt einen mit Stolz.“ Und es beflügelt.

Nach weiteren acht Litern Flüssigkeitsaufnahme und insgesamt 10:36:45 Stunden war es dann soweit. Getragen vom Applaus der Zuschauer überquerte Rind die Ziellinie. „Ein cooles Gefühl“, beschreibt er das Empfinden in dem Moment. Zwei, drei Minuten habe es gedauert, bevor sich dann doch die schweren Beine bemerkbar gemacht hätten und der Kreislauf runtergefahren sei. Mit letzter Kraft, aber glücklich, begab sich Rind auf den Weg zum Versorgungszelt, wo er vor der Siegerehrung erst einmal Zeit hatte, sich massieren zu lassen. Der Zweitplatzierte kam 40 Minuten nach ihm, der Dritte noch einmal eine halbe Stunde später ins Ziel. Als die letzten tapferen Starter eintrudelten, musste Fabian Rind sich schon wieder ans Steuer seines Wohnmobils setzen. Am nächsten Morgen warteten ja seine Schüler am Werdenfels-Gymnasium. (Stefan Reich)

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