Zum König der Athleten krönte sich Florian Obst im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Bietigheim-Bissingen.
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Zum König der Athleten krönte sich Florian Obst im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Bietigheim-Bissingen.

Zehnkampf

Der Emmeringer Florian Obst nimmt Abschied vom Hochleistungssport

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Vor einem Jahr war er als Deutschlands König der Athleten noch am vorläufigen Gipfel einer sportlichen Traum-Karriere. Nun hat sich Florian Obst mit 27 Jahren komplett aus der Zehnkampf-Szene verabschiedet.

  • Der Emmeringer Florian Obst beendet seine Zehnkampf-Karriere.
  • Vor einem Jahr wurde er noch deutscher Meister.
  • Jetzt durchkreuzt eine hartnäckige Schulterverletzung seine Karrierepläne - wenn auch nicht so stark wie man denkt.

Emmering – Begonnen hatte alles im Kindergartenalter. Beim „Fangermanndl“-Spielen war ein Freund von Obst immer schneller als er und dieser Freund war in der Leichtathletik Und so suchte Florian Obst sein Heil in der Flucht nach vorne und landete in der Talent-Schmiede des TV Emmering. Fußball – die zweite sportliche Vereinsalternative im Ort – war kein Thema. „Mit dem runden Leder konnte ich noch nie etwas anfangen.“

So entwickelte sich Obst unter der Fittiche des vor zwei Jahren verstorbenen Trainer-Gurus Franz Kopeczek zu einem vielseitigen Leichtathleten. Dem Lehrmeister fiel damals schon auf, dass in seinem Schützling neben den traditionellen Lauf- und Sprung-Fähigkeiten verborgene Wurf-Qualitäten schlummerten. Weshalb der im Kindesalter noch übliche Lederwurfball rasch dem Diskus und Speer wich. Genauso konsequent wurde aus dem Drei- ein Zehnkampf. Mit 16 Jahren feierte Obst sein Debüt in der Königsklasse der Leichtathleten. Rund 5700 Punkte waren damals in Aichach seine Ausbeute. Zehn Jahre später hatte er die für Zehnkämpfer magische 8000-Punkte-Marke zweimal geknackt.

7000-Punkte-Marke geknackt: Zur Belohnung gab‘s ein Stipendium

Beim TVE kümmerte sich später der Zehnkampf-Spezialist Sebastian Ronczka um das mittlerweile 23 Jahre alt gewordene Talent, das nun eine weitere Quali-Marke knackte: Seine in Kienbaum geschafften 7109 Punkte waren ein Meilenstein für die weitere Karriere und bescherten Obst ein Stipendium an der US-amerikanischen A&M-Universität in Commerce (Texas). In den Staaten machte Obst nicht nur studienmäßig einen riesigen Satz nach vorn.

Zweieinhalb Jahre verbrachte er fern von Bruder und Eltern jenseits des großen Teichs. Zweimal wurde er amerikanischer Uni-Meister – ein Kunststück, angesichts gewaltiger einheimischer Konkurrenz und dem großen Stellenwert des Decathlons (Zehnkampf) in den USA. Verbunden war das mit allerlei Annehmlichkeiten. Finanziell musste sich der Jungstar wegen des Stipendiums keine großen Gedanken machen, eine Wohnung wurde ihm gestellt, der Unterricht an der Uni richtete sich nach den Sportstunden und– nicht umgekehrt. Im Dezember 2018 beendete Obst sein Studium der Betriebswirtschaft planmäßig und kehrte nach zweieinhalb Jahren nach Deutschland zurück.

Zweimal schafft er es über die magische 8000

Dort schloss sich der damals 25-Jährige der von Christopher Hallmann geleiteten Trainingsgruppe um Zehnkampf-Europameister Arthur Abele beim SSV Ulm an. Zu diesem Zeitpunkt konkretisierte sich der Plan, noch einmal ganz auf die Karte Leistungssport zu setzen. Er gab sich dafür zwei Jahre Zeit, dann war der Einstieg ins Berufsleben geplant. „2017 habe ich mich auf 7576 Punkte gesteigert. Vor der Saison 2018 habe ich mir gesagt: Wenn ich die 8000 Punkte überbiete, dann mache ich weiter.“ Dieses Vorhaben gelang mit 8005 und 8012 Punkten gleich zweimal – erst in den USA und dann beim deutschen Meeting in Ratingen. Dank einer Teilzeitstelle beim Sponsorpartner des SSV Ulm war Obst finanziell abgesichert.

„Florian ist eine Granate und hat richtig Power in den Beinen“, sagte Hallmann damals euphorisch. „Allen Zehnkampf-Fans wird er in den nächsten Jahren noch viel Freude bereiten.“ Zunächst schien sich die Prognose des Trainers auch zu bestätigen. In Bietigheim-Bissingen wurde Obst deutscher Meister. Im Fernsehen war das damals nicht zu sehen. Aus Vaterstetten berichtete das ZDF heuer ausführlich und sogar live. Doch die Kameras und die nationalen Konkurrenten suchten bei der corona-bedingt zuschauerlosen DM in Vaterstetten vergeblich nach dem Titelverteidiger. Der war schon im Italien-Urlaub.

Eine große internationale Karriere blieb ihm verwehrt

So endete die Karriere von Florian Obst, ohne einen internationalen Höhepunkt wie Europa- und Weltmeisterschaften oder gar Olympia erlebt zu haben. Eine ausgekugelte Schulter war das Grundübel. Doch: „Mein Plan A war immer, zu studieren und in meinem Feld eine Arbeitsstelle zu finden. Der Sport war einfach ein riesiger Bonus, den ich mir ermöglichen konnte.“

Es sei von vornherein geplant gewesen, nur zwei Jahre auf die Karte Sport zu setzen. Ein Karriereende in diesem Jahr war also sowieso vorgesehen – ganz egal, ob mit Schulterverletzung oder ohne. „Ich bin überaus dankbar, dass ich mir meinen Traum der 8000 Punkte ermöglichen konnte und für die vielen Menschen und Orte, die ich rund um die Welt bei Wettkämpfen und Trainingslagern kennenlernen durfte.“ Deshalb blicke er mit Freude auf die Zeit zurück und nicht mit Wehmut. „Ich habe alle meine Ziele erreicht“. Zehnkampf ist für ihn nach wie vor „der geilste Sport, den es gibt“.

Daheim in Emmering hat Florian Obst mittlerweile das Elternhaus verlassen und eine eigene Junggesellenwohnung bezogen. Mit Leichtathletik, dem Turnverein und dem Zehnkampf will er immer verbunden bleiben, auch wenn zurzeit andere Sportarten wie Mountainbiken, Klettern und Skifahren in den Vordergrund treten. Angebote von TVE-Präsident Manfred Sinner und Leichtathletik-Chef Mark Henne, nun als Trainer tätig zu werden, hat er vorläufig ausgeschlagen.

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