+++ Eilmeldung +++

Riesen-Rückschlag: Deutschland fehlen Millionen Impfdosen - Spahn beruft Corona-Krisensitzung ein

Riesen-Rückschlag: Deutschland fehlen Millionen Impfdosen - Spahn beruft Corona-Krisensitzung ein
Sabrina Cakmakli zeigt einen Trick in der Halfpipe und steht dabei hoch in der Luft.
+
Wenn Sabrina Cakmakli künftig ihre Tricks in der Halfpipe vollführt und Top-Ergebnisse einfährt, dann steht hinter ihrem Namen fortan Snowgau-Freestyle-Team.

Sabrina Cakmakli wechselt zum Snowgau-Freestyle-Team, das immer weiter wächst

Alleinunterhalterin findet Gleichgesinnte

  • vonPatrick Hilmes
    schließen

Das Snowgau-Freestyle-Team aus Oberammergau wächst und wächst und wächst. Neuester Zugang: Sabrina Cakmakli aus Garmisch-Partenkirchen, ihres Zeichens zweifache Olympia-Teilnehmerin und deutsches Aushängeschild im Freeski.

Garmisch-Partenkirchen – Wir schreiben das Jahr 2017. Tobias Papistock und Michael Krause, bereits seit Kindergarten-Zeiten befreundet, haben sich eine Idee in den Kopf gesetzt. Immer mehr Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene tummeln sich im Oberammergauer Snowpark. Papistock als Betreiber der Wanklifte und Krause als Coach einer kleinen Trainingsgruppe wollen den Freeskiern bessere Trainingsmöglichkeiten anbieten. Sie stellen sich die Frage: Eröffnen sie in einem bereits bestehenden Klub eine Sparte oder wagen sie etwas, was es in Deutschland sonst nicht gibt – Gründen sie einen eigenen Freestyle-Verein? Die Wahl fiel auf Variante zwei. Heute können sie sagen: eine gute Entscheidung.

„Das hat eingeschlagen - ohne Ende“

„Das hat eingeschlagen –ohne Ende“, betont Papistock, der von der Entwicklung des Snowgau-Freestyle-Teams – so nannten sie ihr Projekt, ihren Verein – erstaunt ist. 2018, als alle formellen Dinge erledigt waren, startete der Klub mit 20 Aktiven. Heute belaufen sich die Zahlen auf 60 Aktive und 100 Mitglieder. Zudem sind nun zwei Athleten mit von der Partie, die sich einen Namen in der Szene gemacht haben: Niklas Huber aus Großweil, der mit seinen 16 Jahren zu den Top-Nachwuchsathleten Deutschlands gehört, sowie Sabrina Cakmakli aus Garmisch-Partenkirchen, zweifache Olympia-Teilnehmerin und das deutsche Aushängeschild in puncto Freeski.

Tobias Papistock, Vorsitzender des Snowgau-Freestyle-Teams.

„Kleinen“ zählen genauso viel wie die „Großen“

Entsprechend stolz berichtet Papistock, dass diese beiden Sportler für das Snowgau-Team fahren. Doch zugleich betont er, dass sich der Verein nun nicht ausschließlich auf die Spitzensportler konzentriert. „Das Wichtigste ist, dass wir nicht nur die Guten pushen wollen. Der sechsjährige Bub, der nur ein bissel rumhüpft, zählt genauso viel wie ein Huber und eine Cakmakli.“ Nur so wachse der Verein auf einer gesunden Basis. Und das ist das Ziel, das Snowgau-Team soll noch größer werden. Verkraften könne das der Verein. „Das geht schon. Wir sind gewappnet“, betont Papistock selbstbewusst mit einem Lächeln im Gesicht.

Cakmakli Vorbild im Freeski wie Robert Lewandowski im Fußball

Jeder Interessierte darf vorbeikommen. Einzige Voraussetzungen: Man muss sicher auf Skiern oder Snowboard stehen und über eine kleine Schanze springen können. „Wir sind kein Skikurs“, sagt Papistock. Zweimal die Woche wird im Oberammergauer Snowpark trainiert – natürlich wenn keine Corona-Pandemie wütet. Krause führt die siebenköpfige Ski-Trainer-Riege an, Stefan Piller das Vierer-Team der Snowboard-Coaches. Doch nicht nur die unterrichten, das Snowgau-Team hat auch einige der Aktiven dazu verpflichten können. So auch Cakmakli. Das ist natürlich ein enormer Pluspunkt. „Die Kleinen schauen zu ihr auf. Das ist wie beim Fußball, wenn einer vor Robert Lewandowski steht.“

Aber wie ist Papistock und Co. dieser Coup überhaupt gelungen? „Wir kennen sie schon lange und haben immer gedacht, wie geil es wäre, wenn bei Olympia steht: Sabrina Cakmakli, Snowgau-Freestyle-Team.“ Zudem setzt sich die 26-Jährige sehr für die Szene ein, wodurch sie perfekt zum Verein passe. Zunächst hatte sich der Newcomer-Klub aber nicht getraut, Cakmakli darauf anzusprechen, war zu schüchtern. Mittlerweile ist das Team gewachsen, ebenso das Selbstbewusstsein. Als die Frage gestellt war, musste die Olympionikin nicht lange überlegen und sagte zu.

Nie einen Bezug zum SC Partenkirchen entwickelt

Somit verließ Cakmakli den SC Partenkirchen. Für sie aufgrund mehrerer Gesichtspunkte keine schwierige Entscheidung. Zum einen bewundert sie das Snowgau-Team und die Verantwortlichen: „Sie sind mega-engagiert und stecken so viel Leidenschaft in die Arbeit mit den Kiddies. Das war schon immer cool zu sehen.“ Punkt zwei ist für sie die Chance, ihre Erfahrungen im Freestyle an den Nachwuchs weitergeben zu können. „Ich war schon vom DSV aus in Trainingscamps dabei. Das macht wirklich Spaß, den Kleinen etwas beizubringen.“ Punkt drei ist, dass Cakmakli, die bei der Bundeswehr in der Sportfördergruppe angestellt ist, nie einen wirklichen Bezug zum SCP entwickelt hat. Das bestätigt schon allein ihr Vereinseintritt vor acht Jahren. „Damals hieß es: Wir haben jetzt FIS-Rennen, wir brauchen einen FIS-Code. Was zur Hölle ist ein FIS-Code?“ Dieser wird benötigt, um an internationalen Rennen teilnehmen zu dürfen. Und dafür muss man Mitglied in einem Skiverein sein. Cakmakli tippte bei einer Suchmaschine „Skiverein Garmisch-Partenkirchen“ ein. Ausgespuckt wurde als Erstes der SC Partenkirchen. Sie klickte drauf, füllte das Anmeldeformular aus, fertig. Notiz davon habe im Verein aber niemand genommen. Erst als sie zu den Olympischen Spielen fuhr, veränderte sich das. „Aber trotzdem hab’ ich bei den Jahresversammlungen gemerkt, dass alles andere im Vordergrund steht.“ Niemand beim SCP konnte so wirklich was mit Freestyle anfangen. „Eigentlich bringt es mir nichts, und ich kann auch nichts weitergeben.“ Cakmakli war Alleinunterhalterin, nur interessierte ihr Unterhaltungsprogramm niemanden. „Ich habe auch keinerlei Unterstützung vom Verein bekommen, dass mal ein Startgeld oder so übernommen wurde.“ Somit fiel ihr der Wechsel leicht.

Corona wirbelt den Plan der Olympionikin durcheinander

Jetzt freut sie sich, Teil des Snowgau-Teams zu sein und ihre Erfahrungen weitergeben zu können – wenn sie sich denn mal in der Heimat befindet. Derzeit trainiert sie in den USA. Eigentlich hätte dort der Weltcup (Freeski Big Air und Halfpipe) in Copper Mountain stattfinden sollen. Doch dieser wurde abgesagt. Bitter für die Garmisch-Partenkirchnerin. Denn sie fühlt sich bestens in Form, und die Corona-Pandemie geht ihr mächtig gegen den Strich.

Fast den gesamten Oktober trainierte sie in Saas-Fee (Schweiz) und freute sich auf die ersten Wettkämpfe im November. Doch daraus wurde nichts, natürlich Corona-bedingt. Ebenso wurde mittlerweile die Weltmeisterschaft in China gestrichen, die für Februar 2021 geplant war. Vor allem die 14-tägige Quarantäne, die bei einer Einreise nach China vorgeschrieben ist, war der Grund für die Absage. Erneut bitter, aber zugleich auch ein bisschen glücklich für sie. 14 Tage Quarantäne, das könnte sie nicht. „Oh Gott, das würde ich nicht schaffen. Davor habe ich am meisten Angst, denn ich muss immer raus, immer irgendwas machen. Jeden Tag.“ Sie allein in ein Skigebiet zu sperren, das wäre das einzig Mögliche. Cakmakli stimmt dem lachend zu. Trotz der ständigen Absagen hat sie den Spaß an ihrem Sport nicht verloren, ebenso nicht ihre Ziele. „Ich will mich einfach verbessern, unter die Top acht, oder gar unter die Top fünf kommen und mich für Olympia 2022 qualifizieren.“ Und wenn sie dann mal daheim ist, natürlich auch bei beim Snowgau-Team in Oberammergau vorbeischauen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare