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Trainings- und Spielstopp: Vereine fürchten um Mitglieder

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Von: Andreas Mayr, Katharina Bromberger, Marco Blanco-Ucles

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Hannes Bräu gibt seinen Spielern Anweisungen
„Das kann ganz viel kaputt machen“: Hannes Bräu vom TSV Partenkirchen macht sich Sorgen, dass Mitglieder den Verein verlassen und statt Handball künftig Tennis spielen oder zu Leichtathletik wechseln. © Andreas Mayr

Kaum ist der bayerische Amateursport so richtig wieder ins Rollen gekommen, wird er auch schon wieder hart ausgebremst. Ab Montag ist der Breitensport in ganz Deutschland bis mindestens Ende November ausgesetzt. Es darf weder trainiert noch gespielt werden. Die neuen Regelungen treffen Vereine hart.

Basketball

Die Pollinger waren die Ersten. Bereits im Spätsommer entschieden sie, eine Saison auszusetzen. Vorige Woche hat auch der TSV Freising 15 seiner 16 Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet. „Starke Statements“, sagt Nikolaus Voss, Abteilungsleiter beim ESV Staffelsee. Allerdings sieht er einen General-Rückzug als „letzte Option“ für die Murnauer Basketballer. „Wir versuchen eher, mit dem Verband eine Lösung zu finden.“ Am Freitag präsentierte der BBV seine nächsten Schritte. Im Jahr 2020 wird nicht mehr Basketball gespielt, der Ligabetrieb startet frühestens nach den Weihnachtsferien im Januar 2021. Präsident Bastian Wernthaler zeigte sich „enttäuscht, dass der Gesetzgeber insbesondere den Jugendsport unter die Tätigkeiten einordnet, die am ehesten entbehrlich sind“. Die ESV-Führung erhofft sich Lösungen von Verbandsseite. Die Hygienekonzepte in ihrer bisherigen Form „verursachen großen Aufwand“, sagt Voss. Dabei hat gerade einmal ein Team – die Bayernliga-Männer – den Spielbetrieb aufgenommen. Für 18 Mannschaften hält der Spartenchef diese Konzepte für „kaum darstellbar“. Dazu auch eine interessante Zahl, die die Bezirksführung kürzlich ausgespuckt hat: 77 Prozent der bisher angesetzten Spiele fielen aus. Voss plädiert für neue Modi, wie auch immer die aussehen. Einen „gewissen Allgemeinfrust“ hat er bereits ausgemacht. Wenigstens den Trainingsbetrieb wollen die Murnauer unbedingt aufrechterhalten, sobald sie wieder in die Halle dürfen. Bisher hat niemand angekündigt, im Fall eines weiteren Lockdowns auszutreten. Alle Entscheidungen fallen im Interesse der Mitglieder. Voss betont: „Gesundheit ist das höchste Gut.“

Eishockey

Gerade erst haben die Eishockeyvereine der Bezirksliga ihre Saison gestartet, schon heißt es: Mindestens vier Wochen Zwangspause. Für Felix Utschneider, Abteilungsleiter beim ESV Bad Bayersoien, keine Überraschung: „Ich habe in den letzten zwei Wochen schon damit gerechnet, dass das bald passieren wird.“ Ins gleiche Horn bläst der Trainer des TSV Farchant, Christian „Butzi“ Mayr: „Mir war klar, dass es so kommen wird.“ Seine Mannschaft befindet sich ohnehin noch bis Sonntag in Quarantäne (wir berichteten), alle 15 Spieler wurden inzwischen negativ auf das Coronavirus getestet. Nicht in häuslicher Isolation, aber dennoch ohne Einsatz an diesem Wochenende sind die Eishockeyspieler vom EV Mittenwald. Sie hätten noch spielen dürfen. Doch das Derby gegen Bad Bayersoien wurde in beidseitigem Einvernehmen abgesagt. „Das hätte wenig Sinn gemacht“, sagt EVM-Vorsitzender Ralf Marte. Er bezweifelt angesichts der momentanen Pandemie-Entwicklung, dass die Liga wie geplant im Dezember fortgesetzt werden kann. Und selbst wenn: Die Probleme der vergangenen Wochen im Amateursport werden bleiben. Dass im Falle eines positiv getesteten Spielers beim Gegner – so geschehen beim TSV Farchant – die komplette Mannschaft für 14 Tage in Quarantäne geschickt wird, stellt für Utschneider vom ESV Bad Bayersoien ein massives Problem dar: „Wir haben zwei, drei Spieler, die selbstständig sind. Die werden so etwas nicht mehr riskieren können.“ Er befürchtet, dass ohne Schnelltests das System Amateursport langfristig nicht funktionieren wird.

Handball

Die Trikots sind bedruckt, die Pullis seit dieser Woche im Umlauf. Partenkirchen leuchtet Rot. Das kann man aber auch ganz anders verstehen. Nämlich so: Der TSV Partenkirchen, vielmehr der gesamte Amateurhandball, befindet sich in einer Notlage. „Der Schaden wird immens sein“, sagt Hannes Bräu, der Sportchef, mit Blick auf das Spiel- und Trainingsverbot sowie eine mögliche Absage der Saison. In den vergangenen Jahren hat die Sparte ihre Aktivenzahl verdreifacht, selbst in der Krise Mitglieder gewonnen, gerade bei den Kleinsten. Doch Bräu befürchtet, dass diese Entwicklung sehr schnell umschlagen könnte, Mitglieder den Verein verlassen und ihre Heimat beim Tennis, der Leichtathletik, im Skiklub finden. Im Individualbereich. „Das kann ganz viel kaputt machen“, betont Bräu. Deshalb gehört er zur letzten Legion, die den Spielbetrieb verteidigt. „Sobald es der Staat zulässt, wollen wir wieder Handball spielen.“ Im Bestfall dürften die Partien – analog zu den Basketballern – im Januar 2021 starten. „Letzter Not-Anker“, sagt Bräu zu diesem Szenario. Er fordert kreative Lösungen vom Verband, kleinere, regionale Gruppen. Gewiss sei das Infektionsrisiko bei Kontaktsportarten gegeben. Am Donnerstag hat er seinen Sohn, zweieinhalb Jahre, vom Test abgeholt. Man hatte die ganze Bambini-Gruppe getestet. Ergebnis: fünf positive Fälle. Im Vergleich zum privaten Bereich, Feiern und so weiter, sei die Gefahr aber niedriger. Bräus Botschaft: „Wer jetzt nicht spielt, weil er Angst hat, wird in einem Jahr auch nicht spielen.“ Auf keinen Fall dürfe passieren, dass der Handball, vielmehr der Amateursport allgemein, seine Bühne dichtmacht, nicht mehr präsent in der Öffentlichkeit ist. In diesem Bereich habe der Vereinssport schon „unglaublich viel Potenzial verspielt“ in den vergangenen zehn Jahren. „Das wird sich weiter verschärfen.“

Skisport

Alles hängt an Österreich. Gebannt wird Markus Anwander, Leiter am Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen, an diesem Samstag auf Nachrichten aus dem Nachbarland warten. Wird Bundeskanzler Sebastian Kurz die Skigebiete dort schließen? Dann schaut’s duster aus für die alpinen Skifahrer aus dem Landkreis, im absoluten Notfall müssen sie für ihr Schneetraining nach Südtirol ausweichen. Dass die Österreicher allerdings komplett dichtmachen, „wird nicht passieren“, prophezeit Anwander. Dafür spiele der Skisport dort eine zu wichtige Rolle. Er rechnet mit der Regelung: geschlossen für Touristen, die Profis dürfen kommen. Bitter für die Kinder und Jugendlichen der Skiclubs Garmisch und Partenkirchen. Sie müssen dann zu Hause bleiben – obwohl sie einen Individualsport betreiben. Stellt sich jedoch weiter die Frage: Wie wird der Profi definiert? Generell zählen dazu Athleten, die bei einer Behörde wie Zoll oder Polizei angestellt sind, über den Sport ihr Geld verdienen. Doch gibt es im Nachwuchskader Skifahrer aus den heimischen Skiclubs, die noch die Schule besuchen. Sie wären vom Training auf Österreichs Pisten ausgeschlossen. Das würde Anwander gerne verhindern.

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