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Frauen-Football: Zwei aus dem Landkreis fahren zur EM

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Von: Andreas Mayr

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Von wegen Männersport: Anyy Sailer im Trikot der Munich Cowboys. © FKN

Landkreis - Anny Sailer und Susi Willburger fahren mit der Nationalmannschaft zur EM nach Spanien. Eine gute Nachricht – eigentlich. Dafür müssen die zwei Landkreis-Sportlerinnen aber sogar Geld zahlen, denn mit Profi-Sport hat Frauen- Football wenig zu tun.

Diesen Spruch hat Anny Sailer (31) schon oft reingedrückt bekommen, wenn sie von ihrer Football-Karriere erzählt: „Machst du da Cheerleader?“ Nein, Sailer springt nicht zwei Puscheln in der Hand am Spielfeldrand umher. Ein Röckchen trägt sie schon gar nicht. Klar wirft und fängt die Garmisch-Partenkirchnerin – aber keine rausgeputzten Zucker-Püppchen, sondern das rostbraune Leder-Ei, den American Football. Sailer steht auf Action. „Ich bin der Hau-drauf-Typ.“ Und sie tackelt ziemlich gut, zwingt ihre Gegnerinnen durchaus unsanft in die Knie. So gut, dass sie und die Seehauserin Susi Willburger mit der deutschen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft nach Spanien fahren. Diesen Samstag startet das Turnier in Granada. Eine heiße Angelegenheit.

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Anny Sailer aus Garmisch-Partenkirchen.

40 Grad sind keine Seltenheit in der andalusischen Touristen-Stadt. Für Urlaub haben sich die Frauen aber nicht in den Flieger gesetzt. Sie schwitzen für den Erfolg. Ziel ist der Titel – „natürlich“. Die Vorrunde gegen England und Schweden dürfte ein Klacks werden. Erst wenn irgendwann Finnland im Weg steht – hoffentlich erst im Endspiel –, wird’s eng. Gegen den Dauerrivalen sahen die Deutschen zuletzt schlecht aus, verloren zwei K.o.-Spiele bei großen Turnieren. Sailer – klein, kräftig, mit massig blauen Flecken an den Oberarmen – war nicht dabei. 2013 bei der EM lag sie im Krankenhaus. Kreuzbandriss. Jetzt bekommt sie ihre Chance. Mit 31 Jahren.

Um in Granada mitspielen zu dürfen, musste Sailer vor allem den Geldbeutel aufmachen. 1500 Euro kostet die EM. Pro Spielerin. Dafür bekommen sie einen Lehrgang im Vorfeld, Flug, Unterkunft – und das Trikot gestellt. Immerhin. Für die Ausrüstung sollen die Frauen noch einmal extra blechen. Manch talentierte Spielerin bleibt sogar zu Hause, weil sie das Geld nicht aufbringt. Frauen-Football, ein Draufzahl-Geschäft.

Deshalb haben sich Sailer und drei Teamkolleginnen von den Munich Cowboys zusammengetan. Sie gehen auf Sponsorenjagd, sammeln Spenden, sprechen bei Fernsehsendern vor. Eine Mappe haben sie erstellt, in der sich jede Spielerin präsentiert. Für die Frauen zählt jeder Cent. Vom Profi-Sport sind sie ähnlich weit entfernt wie die deutschen Vereine von der NFL. „Finanziell gesehen, sind wir ein Amateursport.“ Nicht nur des Geldes wegen.

Zweimal pro Woche trainiert Sailer mit dem Bundesliga-Team der Cowboys – so oft wie viele Hobbysportler. Dazu kommen ein paar Stunden in der Mucki-Bude. „Du musst dich fit halten.“

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Susi Willburger aus Seehausen.

Sailer ist eine von 33 000 aktiven Footballern in Deutschland. Nur ein Bruchteil davon ist weiblich. Damit rangiert der Sport, der in den USA Millionen bewegt, bei den mitgliederstärksten Verbänden abgeschlagen auf Rang 42. Deutschlandweit treten gerade einmal 15 Frauen-Teams an. In zwei Bundesligen. Sailer läuft seit zehn Jahren für die Münchner auf. Im ersten Jahr holte sie gleich den Meistertitel. Längst gehören die Münchnerinnen nicht mehr zur Elite. München ist zu sehr Fußball-Hauptstadt.

Da wundert es nicht, dass Sailer ausgerechnet im Stadion zum Football kam. In der Allianz-Arena arbeitete die Garmisch-Partenkirchnerin nebenbei im Kiosk. Zwischen Pommes und Currywurst wurde sie von einer Kollegin rekrutiert. Ein Probetraining – und Sailer war dabei. „Das Tolle ist, dass alle Frauen mitspielen können.“ Die Gewichtigeren, die den Quarterback schützen, genauso wie die kleinen Flinken.

Sailer ist eine Mischung. Im Verein muss sie sowohl in der Offensive als auch der Defensive ran. Aus Mangel an Alternativen. Den Luxus, offensiv und defensiv komplett unterschiedliche Formationen aufs Feld zu schicken, haben nicht viele Teams. Sailer hat damit kein Problem, sie mag’s ab und zu etwas robuster. „Du musst mit ordentlich Bumms ran.“ Im Nationaldress hat sie eine andere Aufgabe. Als Runningback soll sie den Ball übers Feld tragen – am besten bis in die Endzone, um Punkte für den EM-Titel zu sammeln.

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