1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Kreis Garmisch-Partenkirchen

Auch „Godzilla“ greift an: Kraftpakete messen sich beim Strongman-Cup

Erstellt:

Von: Christian Fellner

Kommentare

null
Autokreuzheben – die Kraftsportler kriegen es da mit echten Karossen zu tun. © privat

Stark, stärker, Strongman: Bei dem Wettkampf am Rießersee geht’s um die letzten Tickets für die Deutsche Meisterschaft.  Spannung ist garantiert.

Garmisch-Partenkirchen – Marco Wanke trägt seinen linken Arm derzeit in einer Schlinge. Die Bizepssehne ist ab. Ärgerlich. Denn so langsam beginnt seine Jahreszeit. Der Farchanter ist ein erklärter Fan des Kraftsports, übt ihn seit 13 Jahren in verschiedenen Formen aus. Besonders dem Steinheben hat er sich verschrieben. Jetzt, da die Szene in der Region immer mehr bröckelt, möchte zumindest er daran festhalten, nicht aufgeben. „Nächstes Jahr greif‘ ich wieder an“, verspricht er.

Natürlich liebäugelt er auch mit den Strongman-Wettbewerben. Deutschlands stärkste Mannsbilder auf einem Haufen – das habe seinen Reiz. „Diese Form ist für mich die fairste Art, die Kraft eines Menschen zu messen“, begründet Wanke. „Man braucht Kraftausdauer, Hand-, Arm- und Schulterkraft, im Grunde in allen Bereichen.“ Doch mit dem lädierten Oberarm fällt für ihn sowieso jede Betätigung flach. Also kann sich der 38-Jährige voll aufs Organisieren konzentrieren. Zum dritten Mal hat er eine Strongman-Veranstaltung in die Region geholt. Nach Farchant im ersten Jahr nun zum zweiten Mal am Rießersee. An diesem Samstag macht die Pro League, also die Eliteklasse, Station in Garmisch-Partenkirchen. „Da dürfen nur die Besten starten.“ Für die Teilnehmer ist dieser Stopp bereits die letzte Chance, sich für die Deutsche Meisterschaft Anfang August zu qualifizieren.

Zwölf Tickets werden nach einer Rangliste vergeben. Fünf, sechs Wackelkandidaten hat Heinz Ollesch, die deutsche Strongman-Legende schlechthin und Präsident des Verbands GFSA, noch ausgemacht. „Für sie geht es jetzt um alles.“ Das Teilnehmerfeld für die letzte Station in der Marktgemeinde umfasst daher auch 14 Kraftpakete, die allesamt der Offenen Klasse über 105 Kilogramm Körpergewicht angehören. „Wir werden aber ein noch stärkeres Starterfeld haben“, betont Wanke. Zwei Athleten aus Österreich reisen ebenfalls an. Die können den Deutschen zwar ihre Punkte für die Rangliste nicht streitig machen, bringen aber zusätzliche Würze in den Wettkampf. Ollesch nennt den Tiroler Daniel Mühlberger und den Burgenländer Emanuel Pescari, die Nummern drei und sechs der letztjährigen Österreichischen Meisterschaft. „Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen.“

null
Interview mit der Legende. Organisator Marco Wanke (l.) mit Heinz Ollesch. © Sehr

Aus deutscher Sicht gibt es einen großen Favoriten für den Wettkampf: Raffael Gordzielik. Der trägt den Spitznamen „German Godzilla“ – nicht ohne Grund: Bei zwei Metern Körpergröße bringt es der ehemalige American Footballer fast auf 180 Kilogramm. Der amtierende Deutsche Meister ist ein echtes Urvieh. Dass ein Erfolg bei den Strongmen aber nicht so im Vorbeigehen zu holen ist, bekam auch der hünenhafte Hesse zu spüren. „Den ersten Wettbewerb hat er wohl nicht ganz so ernst genommen heuer“, vermutet Ollesch, „und gleich wurde er nur Sechster.“ Den zweiten Stopp ließ er sogar aus, sodass Gordzielik nun am Rießersee zeigen muss, was Sache ist.

Nach zwei zweiten Rängen in dieser Saison führt die deutsche Rangliste aktuell Sebastian Kraus aus Holzhausen bei Schweinfurt mit minimalem Vorsprung von zwei Punkten vor Reinhard Maier (Roßbach/Niederbayern) an. Da ist Spannung garantiert.

In fünf Disziplinen messen sich die starken Kerle. Für jede gibt es Punkte, die zu einem Gesamtresultat addiert werden. Freie Wahl hat Organisator Wanke für seinen Wettbewerb nicht ganz. „Es dürfen alle Prüfungen bei den Qualifikations-Wettbewerben nur einmal dran kommen“, erklärt er. Er ist bekanntlich der letzte Stopp. „Wir machen kein Lkw-Ziehen, Reifenschmeißen oder Steinelupfen, wir haben sehr bodenständige, aber anspruchsvolle Prüfungen.“ Beispielsweise das Autokreuzheben auf Wiederholungen, das Koffertragen auf Zeit oder ein Gewicht über Kopf stemmen (siehe Kasten).

Wanke freut sich auf den Wettkampf. Die Wetterprognose ist bestens. „Dann wird das am Rießersee eine Riesenkulisse“, verspricht er. Der Parkplatz unterhalb des Sees wird ab 16 Uhr zur Bühne für die Schwerathleten, für die Zuschauer ist alles perfekt einsehbar. Wanke wird mit dem Mikrofon bewaffnet dabei sein – und so seine Schulter schonen. „Vielleicht im nächsten Jahr“, sagt er. Denn jucken tut’s ihn richtig.

Die Disziplinen:

Autokreuzheben: Der Sportler muss ein Fahrzeug auf einem speziellen Gestell nach Manier des Kreuzhebens hochbewegen. Er muss die Knie strecken. Die Disziplin geht auf Wiederholungen. 

Viking Press: In einer Vorrichtung muss ein Gewicht über Kopf gedrückt werden. In Garmisch-Partenkirchen handelt es sich um zwei oder drei Waschmaschinen, auch hier geht es um die Zahl der Wiederholungen. 

Yoke Race: An einer Stange sind auf jeder Seite Gewichte mit insgesamt 340 Kilogramm befestigt. Der Athlet muss diese Stange auf dem Rücken über 30 Meter auf Zeit tragen. 

Fronthold: Ein Objekt muss mit den Händen aufgenommen werden. Der Körper steht aufrecht, die Arme gestreckt und waagerecht. Wer das 25 Kilogramm schwere Gewicht am längsten in dieser Position hält, gewinnt. 

Koffertragen: Mit 125 Kilogramm schweren Koffern muss der Sportler eine Strecke von 40 Metern auf Zeit zurücklegen.

Der Ablauf:

Wann und Wo? am Samstag, 26. Mai, am Parkplatz Rießersee. 

Zeitplan: 14 Uhr: Wiegen der Athleten. 16 Uhr: Start der Wettkämpfe. ca. 20 Uhr: Siegerehrung.

Zuschauer: Der Eintritt ist frei. Parkplätze am Rießersee sind wegen des Wettkampfs aber kaum vorhanden. Parken ist an der Aule-Alm möglich, dann per kurzem Fußmarsch zum Rießersee.

Auch interessant

Kommentare