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Grüße vom Gröben: Laura Dahlmeier hat in den vergangenen Tagen einige Einheiten daheim eingelegt.

Berglauf erlebt Medien-Hype dank Dahlmeier

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Bundestrainer Kurt Königs sieht sich Anfeindungen ausgesetzt: Hat er Laura Dahlmeier nur aufgrund ihres Profi-Faktors zu den Bergläufern geholt? Ein klares Nein antwortet der Mittenwalder darauf, der aber den positiven Nebeneffekt als großen Gewinn ansieht. Derweil hat sich die Ex-Biathlon-Königin auf den Weg nach Argentinien gemacht, wo sie am Samstag startet.

Mittenwald– Natürlich sah sich Kurt König Anfeindungen ausgesetzt. Das bleibt nicht aus bei so einer Entscheidung. Laura Dahlmeier ins Boot für die Weltmeisterschaft der Bergläufer zu holen – dem Bundestrainer aus Mittenwald war klar, dass er sich für diesen Schritt etwas würde anhören müssen. „Ich wurde vehement damit konfrontiert, dass Laura nur mitkommt, weil sie einen Promi-Bonus hat, dass sie eventuell die sportliche Qualifikation gar nicht habe, dass der Hype schnell wieder abklingen werde“, sagt König. Er durfte sich viel anhören. Aber: Er steht zu seiner Wahl, der Verband tut es. „Mir is das wurscht“, sagt der Trainer gerade heraus.

Zwei Gründe führt er an: Zum einen sei Dahlmeier sportlich sehr wohl ambitioniert und durch Ergebnisse auch qualifiziert, zum anderen sieht er nur Positives in der medialen Aufmerksamkeit, die dem Berglauf gerade zuteil wird. „Wir hatten noch nie so ein Interesse“, sagt König. Ein Kamerateam des ZDF wird sich auf den Weg nach Argentinien machen, um einen Beitrag zu drehen, die Welt am Sonntag meldete sich beim Trainer. „Das ist eigentlich unvorstellbar.“ Und auch wenn das Interesse wieder abflauen wird – das ist ihm ja bewusst –, die Chance sollte sich eine Disziplin wie der Berglauf nicht entgehen lassen. „Ich bin sehr froh darüber, denn unser Sport steckt auch nicht gerade in einer einfachen Phase, die Teilnehmerfelder gehen zurück. Ich finde es super, dass Laura uns auf diesem Weg auch hilft.“

Grundsätzlich ist es nicht neu, dass König Sportler anderer Disziplinen eine Chance gibt. Auch Skibergsteiger Toni Palzer hatte er schon für ein Großereignis eingeladen. „Bei uns ist es ja nicht so, dass Aktive in ihrer Jugend entscheiden, Bergläufer zu werden“, betont König. Es gebe sehr viele Quereinsteiger.

Nun also läuft das Projekt Dahlmeier. Die 26-Jährige machte sich am Dienstag auf den Weg nach Villa la Angostura, einer Tourismus-Hochburg in Patagonien am riesigen Nahuel-Huapi-See. Ein Mega-Trip. Per Flieger nach Buenos Aires, dann drei Stunden Inland-Flug, zuletzt per Auto zum Wettkampfort. Dort steht am Samstag das Rennen über 42 Kilometer und mehr als 2100 Höhenmeter an. Dahlmeier läuft wie die weiteren vier Athleten im Team des Deutschen Leichtathletik-Verbands die Langstrecke. König traut ihr ein Top-Zehn-Ergebnis zu. „Das ist wirklich realistisch“, sagt der Bundestrainer.

Der übrigens bleibt daheim. „Ich kann den Sportlern auf der Strecke eh nicht viel sagen, laufen müssen sie alleine.“ Da in Argentinien auch der Kongress des Weltverbandes WMRA stattfindet, ist lediglich der Vize-Präsident des DLV als Offizieller mit dabei. Große Vorgaben in sportlicher Hinsicht gibt es für Dahlmeier grundsätzlich nicht. „Ich glaube, Druck hat sie in ihrer Biathlon-Karriere genug gehabt, da brauchen wir nicht auch noch daherkommen“, sagt König. Doch er kennt ja den Ehrgeiz der Garmisch-Partenkirchnerin: „Sie wird sicherlich alles geben und das Optimum rausholen.“ Mit ihrer Kollegin Stefanie Doll – zufällig die Schwester von Biathlet Benedikt Doll – könnte sie sich schön nach oben pushen. „Steffi ist richtig stark, sie war Sechste bei der Europameisterschaft.“ Ein Team kommt leider nicht zustande. Dafür bräuchte es drei Athletinnen. „Die haben wir in Deutschland auf diesem Niveau momentan nicht.“

In der Vorbereitung auf die WM gab es zwischen Dahlmeier und König immer wieder mal Kontakt: „Sie hat sich gerührt, wenn sie Fragen hatte zur Strecke, zur Anreise, wie sie es mit der Akklimatisierung machen soll.“ Die Ex-Biathletin ging mal wieder ihren eigenen Weg, reiste eher kurzfristig an, während die Teamkollegen bereits vier Tage zuvor den Trip nach Südamerika angetreten waren. „Aber da rede ich ihr nicht rein“, sagt König. „Laura ist eine mündige Sportlerin, die weiß, was sie tut und wie sie mit ihrem Körper umgehen muss.“ Den hat sie nun auf die 42 Kilometer in Patagonien vorbereitet. „Ich bin gespannt, wie es ihr ergeht“, sagt König – und darauf, was er danach von den Kritikern zu hören bekommt.

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