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Will nochmal angreifen: Nadine Horchler

Biathletin fasst neuen Mut

Horchler will's nochmal wissen

Nadine Horchler hat eine schwere Zeit hinter sich. Nichts lief für die Biathletin rund. Nun hat sie einen Weg gefunden - und ein neues Ziel...

Eingesperrt hat sie sich. Wollte niemanden sehen – obwohl sie doch normalerweise so gerne unter Leute geht. Wollte nicht lachen – obwohl sie doch eigentlich so gerne lacht. Und wollte nicht reden – „obwohl ich doch eigentlich gerne rede und viel“. Nadine Horchler lacht herzlich, als sie das sagt. Ihr Lebensmut ist zurück. Nadine Horchler ist zurück. So gelöst hat man sie selten gesehen. Warum? „Ich hab’ jetzt Plan B.“

Erst aber saß sie in einem „richtig tiefen Loch“. Die Saisonvorbereitung im Sommer 2014 lief noch richtig gut. Horchler fühlte sich stark wie nie. Bis zu den ersten Wettkämpfen im November. Nichts ging. Die Beine waren komplett leer. Am Schießstand wusste die Wahl-Mittenwalderin zum Teil kaum, wo oben und unten ist. „Ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren.“ Rennen absolvierte sie wie unter einer Dunstglocke, konnte sich danach an weite Passagen gar nicht recht erinnern. Dabei ist die 28-Jährige bekannt dafür, dass sie sich ordentlich schindet.

Ratlosigkeit herrschte bei den Betreuern, allen voran bei Heimtrainer Bernhard Kröll. Objektiv betrachtet war Horchler gesund. Das war das Schlimmste: „Für den Kopf wär’s einfacher gewesen, wenn jemand einen Infekt oder Virus gefunden hätte.“ Spezialisten stellten schließlich die Diagnose: Übertraining. Die Ärzte verordneten sportfreien Urlaub. Spontan verreiste Horchler über Weihnachten neun Tage nach Fuerteventura. Danach sah alles nach einer Besserung aus. Für kurze Zeit. Dann war diese unglaubliche Müdigkeit wieder da. Die Pause hatte nicht gereicht. Die Saison war gelaufen. Horchler hangelte sich noch von Training zu Training – „langsam in der Ebene ging’s“ – und absolvierte eine verheerende Europameisterschaft: Platz 37, 57, 47. 

Im Februar zog sie endgültig einen Schlussstrich. Es folgte viel Zeit zum Nachdenken. Zu viel. Zukunftsängste machten sich breit. Das Ventil Sport, um den Stress im Kopf abzubauen, fehlte auf einmal. Horchler verkroch sich. Eine neue schwierige Situation. Sie stand immer zwischen IBU- und Weltcup. Zwischen finanzieller Förderung und Eigenfinanzierung. Vor der vergangenen Saison, in der Trainingskollegin Laura Dahlmeier durchstartete und Schwester Karolin im IBU-Cup aufhorchen ließ, hatte sie sich fest vorgenommen: Sie würde den Sprung in den Weltcup schaffen. Davon war sie weit weg. Und niemand hat es kommen sehen. „Das merkt man im Vorfeld nicht, das ist wohl typisch“, haben ihr die Ärzte bestätigt.

Nun sagt Horchler: „Wahrscheinlich hab’ ich genau diesen Hammer gebraucht.“ Denn zwangsläufig hat sie sich intensiv mit sich und ihren Wünschen beschäftigt. Sie weiß jetzt, was sie mit ihrem Leben anfangen, welches Studium sie absolvieren will. Das aber bleibt vorerst ein Geheimnis. Es hat ja auch noch ein wenig Zeit. Denn Horchler hängt noch eine Biathlon-Saison dran. In den schwierigen Wochen, da wollte sie alles hinschmeißen. „Aber so möchte ich nicht aufhören.“ Nach wie vor braucht ihr Körper Pause. Seit ihrem Tief hört sie gut in sich hinein. Macht das, „was mir Spaß macht“.  Im Mai will sie regulär in die Wintervorbereitung einsteigen. Was in der nächsten Saison passiert, „ach, da schauen wir mal. Wenn’s läuft, dann läuft’s.“ Noch vor diesem Winter hätte Horchler diesen Satz so nie gesagt. „So ein Plan B beruhigt einfach.“

Katharina Bromberger

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