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Pure Freude: Florian Bauer (MItte) mit seinen Teamkollegen nach der Goldfahrt am Königssee.

Bobsport

Florian Bauer, die Ohlstädter Anschub-Rakete

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In drei Jahren zu EM-Gold: Das ist die außergewöhnliche Entwicklung des jungen Bobfahrers Florian Bauer vom BRC Ohlstadt. Der 24-Jährige fährt im Team von Johannes Lochner. 

Ohlstadt – Die Geschichte von Florian Bauer ist außergewöhnlich. Das vorneweg. Nicht, dass ab morgen ein jeder besser Trainierte nach Ohlstadt zu den Bobfahrern rennt und hofft, in drei Jahren im Weltcup zu starten und Europameister zu werden. Klappt nicht bei jedem. Ganz sicher. Die Trainer und Verantwortlichen beim Bob- und Rodelclub (BRC) würden sich bestimmt freuen, garantieren können sie einen solchen Durchbruch aber nicht.

Ja, der erst 24-jährige Florian Bauer, der aus Töging am Inn bei Mühldorf stammt, nun aber in München studiert und lebt, hat eine Entwicklung genommen, die Extraklasse ist. So auch nicht vorhersehbar war. Das räumt er selbst ein. „Davon träumst du, denn Ziele musst du ja haben. Aber dass es so kommt, damit hätte ich nie gerechnet, nicht, dass es so schnell geht.“

Gut drei Jahre ist es her. Da beschlossen die Leichtathletik-Spezl Florian Bauer, Paul Straub, Lukas Frytz und Dennis Pihale, etwas Neues zu versuchen. Schnell waren sie. Das wussten sie als passable Sprinter der LG Würm Athletik. Und, dass diese Fähigkeit die Grundvoraussetzung für einen guten Bobfahrer ist, ebenso. Den Kontakt nach Ohlstadt stellte Landestrainer Karl Angerer her. Er empfahl dem Sprinter-Quartett, es bei den Gaisreiters zu versuchen, die die Zügel im Verein in den Händen halten.

Gesagt, getan. So begann im Sommer 2016 eine Story, die nun für einen aus dem Quartett eine enorme Entwicklung genommen hat. Bauer, die Anschub-Rakete aus Pilot Pihales Ohlstädter Crew, stieg zunächst in den Europacup auf, feierte mit Pablo Nolte den Junioren-Weltmeister-Titel im Vierer. Logisch, dass die Szene auf den 1,90-Meter-Mann aufmerksam wurde. So ein Senkrechtstarter, der bleibt nicht unerkannt. Das Talent spricht sich rum. Hoch bis zur Elite im Weltcup. Johannes Lochner zeigte Interesse. Ein paar andere Teams auch. Christoph Hafer etwa, oder Nolte, der seinen schnellen Mann behalten wollte. „Doch es war klar: Wenn der Hansi fragt, dann wechsle ich zu ihm.“

Für einen Aufsteiger wie Bauer ist es sicher nicht einfach, in das Team des amtierenden Weltcup-Gesamtsiegers im Vierer zu kommen. Das hatte noch dazu ziemlich große Dimensionen. Neun Fahrer gehörten der Mannschaft Lochner vom Bobclub Stuttgart Solitude an. „Damit war er aber selbst nicht zufrieden“, betont Bauer. „Es ist schwierig, wenn du so viele Anschieber hast, immer wieder einige zu vertrösten.“ Schnell kann Unruhe aufkommen. Also schraubte Lochner herunter. Nun sind es noch sechs Mann. Der Pilot und fünf Anschieber.

Das Konzept geht auf, obwohl Christopher Weber aktuell verletzt ist. Und wie: Lochner schoss bei der Heim-EM am Königssee am Sonntag mit dem großen Schlitten zu Gold. Direkt hinter ihm saß Bauer. „Im Vierer habe ich einen Stammplatz“, sagt er. Die Besetzung ist eine große Tüftelei, die hauptsächlich im Sommer passiert. „Der Schnellste schiebt meistens hinten an Position vier, daher bin ich da auch schon gefahren“, erklärt Bauer. Doch: Aerodynamisch war’s mit dem Größten hinten nicht ideal. Also rutschte der 100-Kilo-Athlet nach vorne. Bei der EM lief alles nach Wunsch. „Eigentlich zwei perfekte Läufe, nur beim ersten war der Start nicht ganz ideal, aber wir wussten, woran es lag.“ So legten das Quartett bei der Entscheidung nochmals nach.

Im Weltcup herrscht fürs Team Lochner in den kommenden Wochen Hochbetrieb. Innsbruck, St. Moritz und dann Übersee stehen an. Viel daheim ist Bauer nicht, lebt im Grunde an den Wettkampfstätten in Hotels. Den Preis aber zahlt er gerne. Bis Olympia 2022 gehen die Planungen jetzt erst einmal. Solange will er im in jedem Fall für Lochner fahren.

Kontakt zu Dennis Pihale hat er regelmäßig, verfolgt dessen Leistungen im Europacup. „Ich freue mich, dass es bei ihm auch so gut läuft.“ Wöchentlich tauschen sich die beiden aus. Sie sind ja auch Vereinskollegen. Denn immer noch fährt Bauer für den BRC Ohlstadt. Er vergisst die Wurzeln nicht. „Bei den Wettbewerben in Deutschland sind auch immer wieder Leute zum Anfeuern da.“ Das freut Bauer. Solange es möglich ist, wird er den Ohlstädtern treu bleiben.

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