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Antrittsbesuch: Morten Lie gefiel’s ganz gut Rießersee. Der Däne holte sich mit seinem Bruder sein Auto in Garmisch-Partenkirchen ab.

Dänen-Power für den SCR

Garmisch-Partenkirchen - Torhüter Bryan Hogan (24) und Stürmer Morten Lie (27) kommen vom Vize-Meister Fredrikshavn

Bryan Hogan bringt gute Referenzen mit zum SCR.

Finnen und Schweden – in rauen Mengen. Einen Dänen aber? Den hat es beim SC Riessersee noch nicht gegeben. Ein Grund, gerade deshalb Morten Lie zu verpflichten, war seine Herkunft sicher nicht. Die Geschichtsbücher des Traditionsvereins würden auch ohne einen Dänen nicht für immer unvollkommen sein. Der 27-jährige Stürmer aus Fredrikshavn hat Manager Ralph Bader und Trainer Toni Krinner mit anderen Argumenten überzeugt: Er war Topscorer beim dänischen Vizemeister und passt dennoch ins knappe Budget. „Wir haben ihn von allen Seiten durchleuchtet und sind zu dem Schluss gekommen, dass er was für uns wäre“, sagt Krinner. Nach kurzen Verhandlungen war klar: Künftig soll Lie seine Qualitäten beim SCR in der 2. Bundesliga unter Beweis stellen.

Und weil die Verantwortlichen schon mal auf Shoppingtour im nördlichen Nachbarland waren, angelten sie sich gleich noch einen Neuzugang. Kurioserweise vom gleichen Team, den Whitehawks aus Fredrikshavn. Torhüter Bryan Hogan, er ist allerdings ein US-Amerikaner, folgt Lie im August nach Garmisch-Partenkirchen. Beim 24-Jährigen sind Bader und Krinner Feuer und Flamme. „Jetzt bekommen wir die Konstanz im Tor, die wir unbedingt brauchen“, prophezeit der Trainer. „Ich bin mir sicher, dass es mit ihm passt.“ Lie und Hogan besetzen die ersten beiden von fünf Kontingentstellen.

GmbH-Chef und Trainer versprühen Optimismus, dass sie zwei Spieler verpflichtet haben, die den SCR wesentlich weiterbringen als die ausländischen Profis der vergangenen Saison. Ein Grund liegt in der Stärke der dänischen Liga. „Die Top-Vier-Teams haben sicher das Niveau, um in der 2. Bundesliga ganz vorne zu spielen“, behauptet Krinner. Seine Aussage gründet nicht nur auf Mutmaßungen. Er hat als DEL-Coach selbst Erfahrungen gesammelt. „Mit Wolfsburg und Hannover waren wir immer wieder mal in Dänemark. Und wir haben uns gegen die Klubs immer schwer getan.“ Ein weiteres Indiz für die Klasse der Liga sind Spieler, die in den vergangenen Jahren von dort nach Deutschland gekommen sind. Bremerhavens Topscorer Brendan Cook beispielsweise oder der Weißwasseraner Christoffer Kjaergaard. Umgekehrt spielt der Ex-Schwenninger Topstürmer Brock Hooton derzeit beim Meister SønderjyskE. Eine Tatsache, die auch Lie zuversichtlich stimmt. „Die haben sich eigentlich alle ganz gut in Deutschland geschlagen. Daher hoffe ich, dass ich das auch kann.“ Auf dem Papier spricht wenig dagegen. Immerhin gehörte Lie in der dänischen Liga zu den Top-Zehn-Scorern, war drittbester Däne.

In die Nationalmannschaft hat er es dennoch nur in der Jugend geschafft. Warum? „Diese Frage ist mir sicher schon hundertmal gestellt worden“, gibt er zu. „Ich weiß es nicht. Da müssen Sie den Trainer fragen. Bei uns schaffen es fast nur Profis ins Nationalteam, die in Schweden oder in Übersee spielen.“ Dazu reichte es für Lie bisher nicht. Er hat Dänemark zum Eishockeyspielen sogar noch nie verlassen. „Ich wollte schon früher mal weg, aber es hat sie nie etwas ergeben“, sagt er. Jetzt erst sei das richtige Angebot gekommen. Dass er zum Schlusslicht der vergangenen Saison wechselt, macht ihm wenig aus. „Damit wird es nur eine noch größere Herausforderung. Einem so traditionsreichen Team zu helfen, wieder weiter nach oben zu kommen.“ Ein paar Infos hat sich Lie auch eingeholt – von Jake Morissette, mit dem er gemeinsam in Dänemark spielte. Das Ergebnis der Recherchen: „Ich habe viele gute Dinge gehört.“

Andersherum kann er nur Positives über Goalie Hogan berichten. „Er ist wirklich ein starker Mann, sehr konstant. Ich bin froh, dass er mitkommt.“ Applaus für die Verpflichtung gibt’s nicht nur vom neuen Spieler. Bader erhielt eine Mail von Erik Condra, der in der vergangenen Saison während des NHL-Lockouts beim SCR ein Gastspiel gegeben hatte. „Er kennt Hogan gut und hat uns versichert, dass er uns 100-prozentig weiterhilft.“ Da Krinner nichts Gegenteiliges von seinen Quellen erfuhr, schlugen die Riesserseer gleich zu. „In der Hinsicht bin ich jetzt sowas von entspannt“, versichert der Coach. „Der Torwart ist für uns die wichtigste Position, denn einen schwächeren Goalie werden wir auf dem Feld nicht kompensieren können.“ Wohl auch nicht mit Hilfe des ersten Dänen beim SCR. (cf)

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