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Völlig losgelöst: Marcus Kink (Mitte) und seinen Teamkollegen bejubeln den Viertelfinal-Sieg über Schweden mit den deutschen Fans.

Jetzt geht‘s gegen Kanada

DEB-Team im Olympia-Halbfinale: Berndaner glaubt an Medaillen-Coup

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Seit 42 Jahren wartet das Deutsche Eishockey auf Nachfolger seiner Bronze-Gewinner. Doch es gibt Hoffnung: Am Freitag (13.10 Uhr) spielt das DEB-Team mit Marcus Kink um den Finaleinzug. Ignaz Berndaner, einer der Helden von 1976, drückt die Daumen.

Garmisch-Partenkirchen– Solch große olympische Momente, die man alle vier Jahre wieder herauskramt und zeigt, hat das deutsche Eishockey nicht viele produziert. Es ist nun mal nicht die Sportart der Deutschen. Nicht Biathlon, Langlaufen oder Bobfahren, in denen es so viele bekannte Szenen vom Gold-Jubel bis hin zum Medaillen-Drama gibt. In dieser Sportart sind für gewöhnlich die anderen besser. Die Nordamerikaner, die Osteuropäer und natürlich auch die Skandinavier.

Ein paar berühmte Schlachten hat jedoch auch das Eishockey-Team geschlagen. 1992 in Albertville war man drauf und dran, Favorit Kanada im Viertelfinale zu schocken. Es gab Penaltyschießen. Bei Peter Draiseitels entscheidendem Versuch blieb der Puck auf der Linie liegen. 3:4 verloren die Deutschen.

Foto für die Ewigkeit: Berndaner mit Bronze.

1976 holten sie Bronze in Innsbruck. Zwei Garmisch-Partenkirchner waren dabei: Franz Reindl, heute Verbands-Präsident, und Ignaz Berndaner. Vom Coup erfuhren sie in Kabine. Der Tor-Quotient entschied pro BRD.

Von Olympia 1984 spricht heute kaum einer, obwohl Deutschland eines seiner stärksten Teams aller Zeiten an den Start schickte. Auch nicht von dieser Partie gegen Schweden, die all die Träume zunichtemachte. Sie endete 1:1. Die punktgleichen Skandinavier zogen ins Halbfinale ein, das DEB-Team schied als Gruppen-Dritter aus. Viel weiß Bernander von diesem Spiel nicht mehr. Knapp war es, und ja enttäuscht waren sie auch. Vor allem, weil sie die Schweden schon wieder nicht bezwungen hatten. „Ich habe zwölf Jahre gegen die gespielt und nie gewonnen“, sagt Berndaner. Bis heute habe sich der Stil der Schweden nicht geändert. Hart spielen sie, taktisch klug dazu – und technisch haben sie auch einiges drauf. „Sie haben alles“, betont Berndaner. Umso mehr freut es ihn, dass diese Eishockey-Macht aus dem Norden nun bezwungen ist. 4:3 nach Verlängerung schlug das DEB-Team im Viertelfinale die Schweden. Eine späte Revanche für 1984. Den Cracks um den Garmisch-Partenkirchner Marcus Kink steht nun zu, was Bernander und Reindl vor 34 Jahren verwehrt blieb: Sie spielen am Freitag im Halbfinale gegen Kanada (13.10 Uhr) um eine Medaille.

Deutschland nimmt keine Favoritenrolle ein

Im Endeffekt, sagt der Kaltenbrunner, „ist es wie damals bei uns“. Die Deutschen zählen gewiss nicht zu den Favoriten. Zum Auftakt setzte es eine 2:5-Niederlage gegen Finnland. Doch sie verhalten sich wie eine Dampflokomotive, die Zeit braucht, um ihre Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. „Die Deutschen reiten auf einer Welle, sie wachsen über sich hinaus“, sagt Berndaner. Nicht nur die richtige Einstellung erkennt der ehemalige Weltklasse-Verteidiger, sondern auch einen Siegeswillen, der nur die Besten auszeichnet. Hinzu komme eine starke Defensive, die auch Kink mit seinem exzellenten Unterzahlspiel stabilisiert, sowie „das nötige Glück“, das den 84er-Helden versagt blieb. Diese Mischung hat Deutschland sensationell ins Halbfinale gespült.

Was nun möglich ist? Silber auf jeden Fall. Denn die Kanadier sind ohne ihre NHL-Stars, die den Sport auf einem anderen Level zelebrieren, zwar eine pfeilschnelle Truppe, aber bei Weitem keine Übermacht. Berndaner hält sie auf keinen Fall für stärker als die Schweden. „Ich traue es den Deutschen zu, auf dieser Wolke weiterzuschweben.“ Er und seine Mitstreiter von 1976 finden, dass es an der Zeit für eine Ablösung ist. Erst kürzlich haben sie bei einem Treffen wieder darüber gesprochen, wie schön es doch wäre, neue Helden zu feiern. „Es ist schade, dass du nach über 40 Jahren immer noch das Aushängeschild der Sportart bist“, sagt der Bronze-Gewinner. Gerade nach den vergangenen, eher tristen zwei Jahrzehnten, in denen Eishockey aus dem Fokus der Öffentlichkeit rutschte, wäre ein Olympia-Coup ein Weckruf. Einer, der dem Nachwuchs, wie dem gesamten Sport in Deutschland überhaupt einen Schub gibt, glaubt Berndaner. „Mich würde das total freuen.“

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