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Dreßens Pressesprecher im Interview: „Thomas lässt den Hype nicht an sich heran“

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Von: Christian Fellner

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Der Mann im Hintergrund: Ralph Eder (M.) lässt Thomas Dreßen beim Weltcup nur selten aus den Augen. © Kornatz

Im Zielraum der Weltcup-Strecken ist er der Mann an der Seite von Thomas Dreßen:  Seit mehr als 18 Jahren fungiert Ralph Eder als Pressesprecher beim Deutschen Skiverband (DSV). Er vermittelt zwischen den Sportlern und den Medien, schirmt die Athleten ab, wenn es sein muss. Wie das Verhältnis eines Pressesprechers zu den Sportlern ist, wie er speziell den Mittenwalder einschätzt, davon erzählte er am Rande des ersten Trainings dem Tagblatt.

Ralph Eder, das waren bestimmt stressige Tage für Sie, immer an der Seite von Thomas Dreßen?

Ja, in dem Fall hat es sich aber gut getroffen, dass ich vor Ort war. Denn in Kitzbühel sind immer sehr viele Medien. Die Situation für mich ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist viel Arbeit, auch organisatorisch, zum anderen ist es ideal, dabei zu sein, weil man dadurch den ersten medialen Druck gut abfangen kann. Denn was nach so einem Sieg passiert, ist die klassische Situation: Zumindest alle sportrelevanten Medien melden sich und fragen nach einem Interview. Das kann man natürlich nicht zulassen vor den Heimrennen, so leid es mir tut.

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War hautnah beim großen Coup von Thomas Dreßen dabei. © Kornatz

Die Konstellation mit den Heimrennen direkt nach Kitzbühel ist da sicher nicht ideal. Und zwei Wochen später gleich noch Olympia.

Genau. Aber der Moment war dennoch großartig, alles war so stimmig, deshalb hat sich die Nachricht im deutschsprachigen Raum auch so durchgesetzt. Wir bekamen ja nicht nur Anfragen aus Deutschland, sondern aus Österreich und der Schweiz, eigentlich von überall. Aber man muss einfach schauen, dass Thomas jetzt in der Spur bleibt, dass er sich aufs Skifahren konzentrieren kann. Entsprechend haben wir alle Sachen abgelehnt. Einzelinterviews können wir jetzt nicht abarbeiten. Thomas könnte jetzt 25 Stunden am Tag irgendwo auftreten. Das macht keinen Sinn.

Wie packt er die Situation? Sie haben viele Sportler in dieser Lage begleitet.

Sehr gut. Es wird ihm ja immer Bodenständigkeit attestiert. Genau so ist es. Thomas ist tatsächlich ein extrem bodenständiger Mensch. Er lässt diesen Hype gar nicht so an sich heran. Er freut sich, klar. Er ist auch stolz darauf, was er geschafft hat. Aber er weiß, dass er noch längst nicht durch ist, was seine skifahrerische Zukunft anbelangt. Er macht sich sehr wenig aus dem Drumherum, dadurch wird es leichter für alle Beteiligten.

Wie haben Sie das Rennen in Kitzbühel erlebt? Sie stehen ja unten im Zielraum, sehen es auf der Leinwand. Wie war das?

Ich muss sagen, dass wir im DSV heuer eine ungewöhnliche Saison fahren. Wir haben historische Erfolge wie der Sieg von Peppi Ferstl in Gröden oder jetzt Thomas in Kitzbühel. Aber wir hatten auch unfassbar schwierige Themen wie Todesfälle, schwere Verletzungen im eigenen Team. Bei uns geht es rauf und runter. Deswegen ist der Sieg von Thomas jetzt auch für Skideutschland, für den Verband, für uns alle sehr viel wert. Weil er ein so sympathischer Sportler ist, der sich gut präsentiert. Wir bekamen auch sehr viel Zuspruch von anderen Teams. Die Rennfahrer haben sich mit ihm gefreut, das war wirklich ehrlich gemeint. Auch hat man dem Team sehr viel Respekt entgegengebracht.

Wie nah sind Sie als Pressemann wirklich an so einem Sportler dran? Wie viel Zeit verbringen Sie gemeinsam?

Das ist immer abhängig von den Erfolgen. Aber eines muss ich sagen: Ich habe mit den allermeisten Sportlern, ich würde sagen 99 Prozent, ein beinahe freundschaftliches Verhältnis. Das erleichtert die Arbeit unheimlich. Denn man muss sich oft sehr schnell und klar austauschen, festlegen, was passiert, wie es passiert. Das läuft mit Felix Neureuther genauso wie mit Viktoria Rebensburg, Severin Freund oder Andreas Wellinger. Das geht über meine ganzen Disziplinen hinweg, die ich betreue. Wir kommunizieren immer auf engem, direktem Weg. Ich investiere, wenn ich zum Beispiel mit den Skispringern unterwegs bin, auch sehr viel Zeit für die Alpinen und umgekehrt. Das macht es leichter in Situationen, in denen es sehr schnell gehen muss.

„Thomas fokussiert sich auf das Wesentliche“

Große Ruhephasen sind Ihnen da sicher nicht vergönnt im Winter. Sie müssen wahrscheinlich fast 24 Stunden erreichbar sein für diese Sportler.

Ja, es gibt immer lange Gesichter, wenn das Telefon klingelt – wenn ich überhaupt mal daheim bin. Im Winter habe ich im Grunde kein Wochenende, an dem ich zuhause bin. Es geht durch – sieben Tage die Woche, fünf Monate lang.

Aber es ist sicher großartig, solche Momente wie in Kitzbühel selbst mitzuerleben?

Ganz klar. Das ist toll, man schöpft auch wieder Kraft.

Das Vertrauen der Sportler muss groß sein. Sie haben ja die Goldene Gams von Thomas Dreßen in die Hand gedrückt bekommen und in der Siegernacht auf sie aufgepasst.

Das ist die Erfahrung von zwei Jahrzehnten Tätigkeit und einigen gewonnen Rennen. Man hat in Kitzbühel nach dem Wettkampf ein relativ langes Nachlaufprogramm. Erst gibt es die Siegerehrung, dann hatten wir eine TV-Liveschaltung, dann habe ich für die Familie einen Tisch im Rasmushof organisiert, damit sie gemeinsam essen kann. Danach gegen 21 Uhr geht es noch einmal rüber ins VIP-Zelt, da wird der Sieger groß präsentiert. Das dauert dann so bis 22.30 Uhr. Als der offizielle Teil vorbei war, hab ich gesagt: ,Gams her, Wertsachen her, ihr müsst jetzt in den Londoner weiterziehen.‘ Da klinke ich mich dann aus. Aber aus Erfahrung weiß ich, wie schnell dort etwas vergessen wird. Daher nehme ich die Sachen mit, verstaue sie in meinem Zimmer, dann passt alles.

Haben Sie schon einmal eine Trophäe verloren?

Nein. Ich war aber dabei, als Felix die Trophäe auf den Tisch geknallt hat mit den Worten: ,Hier ist sie‘. Paff, und schon war sie nicht mehr ganz. Ich hab’ viel erlebt. Auszeichnungen, Medaillen, Wertsachen – diese Dinge nehme ich daher an mich, suche mir noch einen Kollegen, der beim Feiern ein wenig auf die Truppe aufpasst und fertig. Aber: Das sind keine Schachspieler, sondern Abfahrer. Die sollen auch einmal so feiern wie Abfahrer. Und ich denke, das haben sie auch gemacht.

Ist der Heimweltcup für Thomas Dreßen nun schwierig direkt nach Kitzbühel, weil die Aufmerksamkeit so groß ist?

Das Schwierige am Heimweltcup ist, dass die Kandahar eine sehr schwierige Strecke ist. Nach Kitzbühel, das in den Medien unfassbar gehypt wird, glauben viele, es kommt nur noch Garmisch-Partenkirchen. Aber hier musst du wirklich alle Sinne beieinander haben. Das fordert die Strecke. Ich glaube, Thomas fokussiert sich auf das Wesentliche, da mach’ ich mir bei ihm überhaupt keine Sorgen.

Wie geht er mit dem Sieg um? Er flippt bestimmt nicht aus?

Ganz sicher nicht. Er ist ein sympathischer Mensch, der gut zuhört, nachdenkt, mitdenkt, auch emotional ist – ein richtig guter Typ. Ich habe auch seine Mama und Freundin kennengelernt, das Umfeld ist super. Da passt alles.

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