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Seit drei Jahren im Nationalkader: Regina Gilg fuhr mit den Deutschen schon zur WM und EM. 

Womöglich schon 2022?

Eisstockschießen bei Olympia: Gilg ist noch skeptisch

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Stockschießen bei den Olympischen Spielen? Schon 2022 in Peking sollen die ersten Schützen auf Gold-Jagd gehen. Regina Gilg aus Ohlstadt könnte auf dem Eis stehen. Allerdings nur, wenn der Verband nachbessert.

Ohlstadt – Eigentlich will Olympia ja jung werden. Wilde, am besten langhaarige und tätowierte Sportler sollen eine Show bieten, ein junges Publikum an die Bildschirme lockt. Für die Sommer-Spiele 2020 in Tokio (Japan) nahm das Internationale Olympische Komitee (IOC) sogar Skateboarden ins Programm auf. Obwohl viele Skater gar keine Lust auf Olympia haben. Für sie ist Skateboarding eher Lifestyle als Sport.

Beim Eisstockschießen würden die wenigsten von Lifestyle sprechen. Eher von Altmännersport. Gut, die Vorstellung von bierbäuchigen Mannsbildern, die auf zugefrorenen Seen bei Glühwein und Weißbier ein paar Stöcke übers Eis schubsen, hat schon lange keinen Bestand mehr. Die Bierbäuche sind bei den Spitzen-Schützen längst verschwunden. Ohne körperliche Fitness geht nichts mehr. Top-Teams wie der TSV Peiting reisen durch Europa, spielen in der Champions League gegen Mannschaften aus Litauen, Weißrussland, der Schweiz oder Tschechien. Im Gegensatz zu den Skateboardern wollen die Stockschützen zu Olympia. Seit über 50 Jahren kämpfen sie um die Aufnahme. Bei den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen und 1964 in Innsbruck wurde die Disziplin getestet, fiel aber durch. Jetzt könnte der Olympia-Traum der Stockschützen endlich wahr werden. Eigentlich ist er es schon. Zumindest fast.

Das IOC hat den Eisstock-Weltverband (IFI) vor Kurzem offiziell in die Olympische Familie aufgenommen. Ein wichtiger Schritt. Und ein großer Erfolg. Läuft in den kommenden zwei Jahren alles nach Plan, könnten die Stockschützen schon 2022 bei den Spielen in Peking (China) um olympisches Edelmetal spielen. Die Chinesen haben vorsorglich sogar schon eine Sportstätte reserviert. „Es wäre der absolute Hammer, wenn es schon so schnell klappt“, sagt Christian Lindner.

Der Peitinger ist Präsident des Deutschen Eisstock-Verbandes (DESV). Er kämpft seit Jahren für eine Olympia-Teilnahme der Stockschützen. Ganz so optimistisch sieht Regina Gilg die Lage noch nicht. Die Chancen, in Peking zu starten, schätzt sie auf 40 Prozent. „Ein Haufen Arbeit“ liege vor den Funktionären, sagt sie. Denn die Situation ist komplex: Bevor die Tickets für die Spiele vergeben werden, müssen die Stockschützen ihre Hausaufgaben erledigen. Eine Teilnahme-Garantie ist die Aufnahme in die Olympische Familie nicht. In den kommenden zwei Jahren muss sich der Sport beweisen– und fit für Olympia machen. Unter anderem soll die Zählweise vereinfacht werden. „Das aktuelle Punktesystem ist zu schwierig, nur für Insider verständlich“, sagt Lindner. Gilg, die für den Deutschen Meister TSV Kühbach schießt, hält nichts davon, sich zu verbiegen. Im schlimmsten Fall würden die Deutschen in der heimischen Liga einen anderen Modus antreten als bei den Spielen. „Meine größte Angst ist, dass das Spiel nicht mehr so präsentiert wird, wie es eigentlich ist“, sagt sie. Verbandspräsident Lindner beruhigt: „Wir werden uns etwas einfallen lassen, damit es künftig jeder kapiert.“ Außerdem müssen die bereits bestehenden Doping-Kontrollen verschärft werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir alle Forderungen erfüllen“, sagt Lindner. Natürlich würde sich Gilg über eine Zusage für 2022 freuen. Alleine die Fernsehpräsenz reizt. Sie sei bloß ein minimalistisch veranlagter Mensch. „Ich lasse mich lieber positiv überraschen“, betont die Schützin aus Ohlstadt.

Offen ist derweil noch, welche und wie viele der drei Eisstock-Disziplinen (Mannschaftsspiel, Ziel- und Weitenbewerb) ins Programm kommen. Favorisiert werden aktuell das Mannschaftsspiel sowie das Zielschießen.

Stehen die Stockschützen 2022 tatsächlich auf Olympischem Eis, ist eine Medaille quasi garantiert. Das DESV-Team dominiert gemeinsam mit Österreich und Italien seit Jahren die Szene, steht bei Weltmeisterschaften eigentlich immer auf dem Podest. „Ziel wäre schon Gold“, stellt Gilg klar. Die Kaderschützin, die seit drei Jahren zum Nationalteam gehört, hätte auch kein Problem damit, weitere vier Jahre oder noch länger zu warten. Sie ist ja erst 21. Kollegen Ulrike Lachenmeier schießt mit 38 noch auf Weltklasse-Niveau. Gilg betont aber auch: „Je früher wir olympisch werden, desto besser.“

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