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Planung im Krankenbett: Kurt König nach seiner Hüft-OP.

2001 initiierte der Berglauf-Bundestrainer das Rennen

Er dankt ab: König organisiert seinen letzten Karwendel-Berglauf

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Nach 17 Jahren Karwendel-Berglauf ist Schluss für Kurt König: Der Mittenwalder organisiert letztmals den – wie er sagt – anspruchsvollsten Berglauf Deutschlands. Zum Abschied hofft er auf einen neuen Rekord.

Mittenwald– Mit seinen Bestzeiten von damals würde Kurt König noch heute den Kult-Lauf auf das Empire State Building in New York gewinnen. Doch König ist jetzt 59. In diesem Alter betrachtet der Mittenwalder jede bezwungene Treppenstufe schon als Erfolg. Im Mai erhielt er in Garmisch-Partenkirchen eine neue Hüfte. In seiner Jugend hatten Ärzte eine Fehlstellung ausgemacht, die sich über Jahre und viele Bergrennen hinweg nur verschlimmerte – bis König den Punkt erreichte, an dem jede Tour zur Qual wurde. Zwei Monate nach der Operation hinkt König noch immer. Weniger kompliziert hatte er sich diesen Heilungsprozess vorgestellt. Aber ein Virus befiel die Wunde. Man pumpte den Ex-Top-Läufer mit Antibiotikum voll, fesselte ihn ans Bett. Drei Wochen.

König hat in diesen schweren Tagen viel Zeit gefunden, über sich und seine Zukunft nachzudenken. Vor einem Jahr hatte er seinen Rückzug beim Laufclub Mittenwald und dem Karwendel-Berglauf angekündigt. Die 17. Ausgabe am Samstag (11 Uhr) wird seine letzte sein. Nur geglaubt hat ihm keiner. Die anderen sagten: Der Kurt wird es machen. Doch König betont: „Der Kurt macht es nicht mehr.“ Wie es weitergeht, kann er nicht abschätzen. Es gibt keinen, der die Ämter übernehmen möchte. Bis März 2019 führt er den Laufclub. Dann stehen Wahlen an. Bei jeder Sitzung habe er die Nachfolge-Problematik angesprochen. Ohne ein Ergebnis zu erzielen, das ihn zufriedenstellt. Aber er wird nicht weitermachen, egal wie oft und wie vehement die Kollegen auf ihn einreden. „Wenn ich jetzt nicht den Schlussstrich ziehe, geht das immer so weiter.“ Auf keinen Fall möchte er den Absprung verpassen und wie viele Sportler enden, die „nie loslassen können“.

König hält Kurs in der Heimat für den anspruchvollsten

Ausgepumpter Titelverteidiger: Robbie Simpson gewann vorige Woche den Zermatt-Marathon. Ob er in seine frühere Wahlheimat Mittenwald zurückkehrt, ist ungewiss.

Vom Krankenbett aus habe er seinen letzten Karwendel-Berglauf organisiert, den er als „mein Baby“ bezeichnet. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte der Berglauf-Bundestrainer ein Foto, das ihn mit Laptop auf dem Schoß im Krankenhaus zeigt. Mit dem jüngsten Eintrag im Sozialen Netzwerk verkündete er seinen Rückzug vom Karwendel-Berglauf. „Je näher der letzte Tag rückt, desto mehr habe ich zu schlucken“, sagt König. 2001 initiierte er das Rennen. Als Bundestrainer hat er seither viele Strecken des Landes gesehen. Den Kurs in der Heimat hält er nach wie vor für den anspruchsvollsten. „Man findet nichts Vergleichbares in Deutschland.“ Der Lauf weise alle Facetten auf: naturbelassen, wild, eine Herausforderung für Körper und Kopf. „Ich habe mit den Athleten gelitten.“ König lockte aber mit mehr als nur einem Ausflug an die körperlichen Grenzen. Das Rennen baute er zum Event aus, bot Bergführungen an, veranstaltete Messen, verteilte an seine Starter mehr als nur das obligatorische Teilnehmer-T-Shirt, das sie beinahe bei jedem Lauf abstauben. Die Zahlen geben ihm recht: 300 Bergläufer kommen garantiert, selbst wenn es – wie im Vorjahr – schneit. Für seinen Abschied erwartet König ein Rekord-Rennen. Das liege weniger an seiner Person, sondern mehr am Wetter. Der Wetterbericht sagt: Samstag scheint die Sonne. Die bisherige Bestmarke (363) stammt aus dem Jahr 2008, als König die Deutsche Berglaufmeisterschaft nach Mittenwald geholt hatte. Dieses Mal integriert der LCM den bayerischen Titelkampf in sein Rennen.

Allerdings fehlen die Spitzenläufer. Seinen Kader-Athleten hat König abgeraten, in Mittenwald zu starten. Sie sollen sich für die WM-Quali im Stubaital in zwei Wochen schonen. Vorjahressieger Robbie Simpson, der lange in Mittenwald lebte, dürfte nach seinem Sieg beim Zermatt-Marathon vorige Woche ebenfalls eine Pause einlegen. Aber bei solchen Top-Leuten könne man nie sagen, was denen einfalle. „Manche wissen Freitagabend noch nicht, wo sie am Samstag laufen.“ Als Favorit zählt der Laufclub-Chef den polnischen Doppel-Sieger Andrzej Dlugosz sowie Osterfelder-König Florian Zeisler. Chancen auf die Top-Fünf räumt er auch dem heimischen Lauftalent Robert Sußbauer ein. Ein Kletterer, kein Sprinter. „Das könnte seine Strecke sein“, betont König. Der LCM-Boss wird mit der Bergbahn nach oben fahren. Seine Hüfte lässt einen Fußmarsch noch nicht zu.

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