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Vorbild-Figur: Marcus K ink führt das deutsche Team bei den Olympischen Spielen in Südkorea als Assistenz-Kapitän an.

Eishockey-Star aus Garmisch-Partenkirchen

Neureuthers „Aparillo-Spezl“ Kink fährt endlich zu Olympia

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2010 strich man Marcus Kink aus dem Olympia-Kader. Acht Jahre später fährt der Garmisch-Partenkirchner nun doch zu den Spielen. Nur sein Freund muss – leider – daheimbleiben.

Füssen – Die wilden Geschichten von Marcus Kink, Felix Neureuther und den sieben Aparillos sind längst nicht mehr geheim. Man weiß, dass die Werdenfelser Burschen, die sich seit Schulzeiten kennen, einen Stammtisch gründeten, gemeinsam in den Urlaub fliegen und vor acht Jahren mit demselben Tattoo – einem Aparillo-Schriftzug – aus Miami zurückkehrten. Die beiden Spezl Kink und Neureuther verfolgten, losgelöst von den übrigen Aparillos, ein weiteres Ziel: Einmal wollten sie gemeinsam zu Olympia.

Es sind 14 Jahre vergangenen, seit Kink erstmals in den Kader der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft berufen wurde. Er hat in dieser Spanne drei Olympische Spiele miterlebt. Allerdings sah er sie nur am Fernseher. Ganz schlimm erging es ihm 2010 vor dem Turnier in Vancouver, das später in einem epischen Finale zwischen Kanada und den USA gipfelte. Als letzten Spieler strich Bundestrainer Uwe Krupp den Garmisch-Partenkrichner aus dem Aufgebot. „Ein Moment, in dem man traurig ist. Ich hatte die Hoffnung“, sagt er heute. Deshalb weiß er, wie sich sein verletzter Spezl Neureuther fühlt. Sie hätten die Treffen im Olympischen Dorf genossen. Kink freut sich natürlich noch immer, weil er aus dem Lager der Skifahrer einige kennt. Aber er leidet mit Neureuther, weil er selbst erlebt hat, wie hart diese Zeiten sind. 2010 – „das war bitter“, sagt er. Gleichzeitig habe ihn der Rückschlag motiviert. Für die Jahre danach. 2014 ging es der Mannschaft wie Kink: Sie verpasste Olympia im Kollektiv, was einem Herzstillstand glich. Mittlerweile schlägt das Herz wieder. Ein 3:2-Sieg vor 10 0000 hysterischen Letten hat Deutschland reanimiert und zu Olympia getragen.

Der Kader, mit dem der DEB auszieht, umfasst nur noch drei Eishockey-Profis, die den Olympia-Traum von Vancouver gelebt haben. Kink ist er zweitälteste Neuling. Mit 33 Jahren. Nur Yannick Seidenberg ist ein Jahr älter. Seit Ewigkeiten teilen sich die zwei ein Zimmer. Bei Lehrgängen, bei Weltmeisterschaften, einfach immer, wenn Deutschlands beste Eishockeyspieler zusammenkommen. In Pyeongchang stehen den Teams Vierer-Appartements zu. Wen die Oldies zu sich lassen, haben sich noch nicht entschieden. Es muss keiner aus der Mannheim-Connection sein (sechs Adler-Profis sind nominiert). „Es gibt keine Grüppchen. Wir spielen alle für die Nationalmannschaft.“

Vielleicht, schätzt Kink, bestimmt das auch der Sturmi – also Bundestrainer Marco Sturm, Ober-Olympionike im Team. Der Ex-NHL-Star hat seinen Schützlingen allerhand von diesem Spektakel erzählt. Die Dokumentation über das Bronze-Wunder von Innsbruck 1976, die er mehrmals angeschaut hat, führte er vor. Darin enthalten ist die Rede seines Chefs, DEB-Präsident Franz Reindl, über den Teamgeist, der die Mannschaft getragen hat. Sturm schwärmte ihnen auch von der Eröffnungsfeier vor. „Ein Riesen-Ding“ soll das sein, sagte Sturm. Obwohl das Turnier der Deutschen erst am 15. Februar beginnt, fliegen sie bereits morgen nach Südkorea. Geschlossen nehmen sie an der Feier teil. Man kann’s als weitere Aktion des Trainers interpretieren, den Teamgeist zu stärken. Kink versteht es als solche. „Wir wollen alles aufsagen, uns motivieren, noch enger zusammenrücken.“

Im deutschen Lager sieht man es als großes Plus, dass die Mannschaft über Jahre gereift ist und schließlich bei der Heim-WM im Vorjahr in den Kreis der besten acht Nationen vordrang. Nicht einmal die NHL-Profis müssen sie einbauen. Sie dürfen nicht teilnehmen, weil ihnen die Profiliga keine Freigabe erteilt. Die großen Eishockey-Mächte wie Schweden und Finnland, auf die das DEB-Team trifft, mag das härter treffen. Doch Kink betont: „Das wird trotzdem eine große Herausforderung.“ Deutschland sei sicher nicht Favorit. „Aber wir brauchen uns auch vor keinem zu verstecken.“ Mit Zielvorgaben hält er sich zurück. Sein bestes Hockey möchte er zeigen. In Unterzahl fallen ihm wichtige Aufgaben zu. Außerdem hat ihn Coach Sturm zu einem von drei Assistenz-Kapitänen ernannt. Diese Rolle füllt er auch in Mannheim aus – dort gar als Kapitän – übrigens vor Marcel Goc, dem Anführer der Nationalmannschaft. Doch egal ob nun ein „C“ oder ein „A“ auf dem Trikot gedruckt ist: „Ich will immer führen und vorausgehen. Das ist wichtiger als der Buchstabe.“

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