Fokus auf den Ball: Einst entschied sich Jakob Jörg (weißes Trikot) für den Fußball und gegen Eishockey. 
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Fokus auf den Ball: Einst entschied sich Jakob Jörg (weißes Trikot) für den Fußball und gegen Eishockey. 

Wohin führt Jakob Jörgs Weg?

Was ist der nächste Schritt für Jakob Jörg nach der U19 des TuS Geretsried?  

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Was ist der nächste Schritt für Jakob Jörg nach der U19 des TuS Geretsried? Jakob Jörg steht zwischen dem Abitur und seiner weiteren fußballerischen Karriere.

Bad Bayersoien – Wer in Bad Bayersoien aufwächst, der hat zwangsläufig einmal einen Eishockeyschläger in der Hand. Das ist unvermeidlich in einem Dorf ohne Fußballverein. Jakob Jörg war ein guter Eishackler. Der bayerische Verband hatte ihn für seine Auswahl nominiert. Einer der Kollegen damals, J.J. Peterka, dürfte bald in der NHL auflaufen, wenn die Liga ihren Betrieb aufnimmt. Maximilian Glötzl, ein Mitspieler in Peiting und immer noch guter Freund, steht in Köln unter Vertrag – DEL. Markus Schweiger, ebenfalls Jahrgang 2002 und Jörgs Teamkollege, unterschrieb kürzlich beim ESV Kaufbeuren – Zweite Liga. Alle haben sie sich für den Puck entschieden.

Jörg hat mit 13 Jahren aufgehört. Er fragt sich heute manchmal, warum er das getan hat. Mit glücklichen Fügungen könnte auch er jetzt Profi sein. Aber er hat damals auf den Rat der Mutter gehört, der Fußball besser gefiel. Sie hat nichts falsch gemacht, weil der Sohn ein ausgeprägtes Talent für beide Zweige offenbarte, aber das Gymnasium keine Doppelkarriere zuließ. Nicht auf dem Niveau, auf dem Jakob Jörg Eishockey und Fußball spielte. Aus ihm ist doch allerhand geworden. Im Landkreis zählt der 18-Jährige zu den größten Fußballtalenten, das schon bald für einen 1. FC Garmisch-Partenkirchen oder vergleichbare Klubs interessant wird. Mit dem TuS Geretsried stieg der Ammertaler im Sommer in die Bayernliga auf, zweithöchste Liga dieser Altersklasse. Womit nun der weniger schöne Teil der Geschichte kommt.

TuS Geretsried nach vielen Neuzugängen mit Schwierigkeiten in der Bayernliga 

Der TuS steht auf dem letzten Platz, hat alle fünf Partien verloren. Sieben Wochen der Vorbereitung fehlte Jörg mit einem Muskelfaserriss. Erst seit zwei Spielen gehört er wieder zur Stammformation. Konditionell, sagt er, „bin ich noch nicht da, wo ich sein möchte“. Aber das ist das kleinste Problem. Das größere: Bei der Geretsrieder U19 läufts nicht rund. Die Bayernliga sah der Klub als große Chance, verpflichtete 15 neue Fußballer, aus Milbertshofen, aus Ingolstadt, ein Drittel davon ausgebildet von Profiklubs. Aber irgendwie, das ist sicher auch der fehlenden Zeit geschuldet, harmoniert wenig. „Wir tun uns extrem schwer, sind keine wirkliche Mannschaft“, sagt Jörg. Geretsried wird in dieser corona-bedingt auf eine Halbserie verkürzten Saison im Winter absteigen. So zumindest der Stand der Dinge vor dem Lockdown.

Was danach kommt? Fraglich. Wie es dann mit Jakob Jörg weitergeht? Ebenso fraglich. Der Bayersoier besucht in Garmisch-Partenkirchen die Fachoberschule, im Frühjahr 2021 schreibt er sein Abitur. Die 45 Minuten Fahrzeit (einfache Strecke) sind bereits jetzt eine Plagerei. Früher „hat man schon mal das Heft mitnehmen können“, aber seit Februar sitzt er selbst am Steuer. „Das Abi steht im Vordergrund“, betont er. Er denkt voraus. In der Landesliga bei den Männern würde er schon gerne unterkommen. Gleichzeitig hat er sich vorgenommen, regelmäßig zu spielen, sich zu verbessern. Beides dürfte ein Balanceakt werden. Bei den Herren in Geretsried, die in die Bayernliga drängen, funktioniert das eher nicht. „Wahrscheinlicher ist, dass ich woanders lande.“

Jakob Jörg sieht sich selbst nicht als Edeltechniker, jedoch hat er andere Qualitäten

Kürzlich traf er auf einen alten Weggefährten, nicht aus dem Eishockey, aus dem Fußball. Im Duell mit Unterhaching spielte er unter anderem gegen Spezl Lucas Stegemann, der vom Bezahlbereich träumt. Mit ihm hat er vor fünf Jahren noch in Murnau gekickt. U13 Bezirksoberliga – das Maximum in diesem Alter. Das war auch eine „super, super geile Saison“, wie er sagt. Die Münchner Löwen lockten ihn direkt in der Winterpause. Jakob Jörg vertröstete sie auf den Sommer. Aber dann hieß es: kein Interesse. Stefan Schwinghammer vermittelte ihn nach Geretsried. Beide verstehen sich sehr gut. Obwohl Jörg nur ein Jahr in Murnau kickte, reißen die Bande nicht. Thomas Bauer, Bastian Vogl, Stegemann – man trifft sich privat, feiert gemeinsam. Nicht ausgeschlossen, dass sie irgendwann wieder vereint sind. In Murnau. „Ich bin richtig froh, dass der Kontakt noch so da ist.“

In Geretsried ist er Einzelkämpfer, aber damit hat er kein Problem. Bezirksoberliga, Landesliga, jetzt Bayernliga – Jörg zählte stets zum Stammkader, weil er praktisch sämtliche Anforderungen an einen Mittelfeldspieler abdeckt. Er gewinnt Zweikämpfe, spielt ordentliche Pässe, trifft das Tor, nur „ein Edeltechniker bin ich auf jeden Fall nicht“, scherzt der Ammertaler. Der körperliche Part lag ihm schon immer mehr. Womöglich ist das auf seine Eishockey-Laufbahn zurückzuführen. Ein bisschen hackelt er immer noch. Bei den Bayersoier Beavers, den Bibern, ein Hobby-Team. Jörg sagt: „Zum Aufhören macht es mir zu viel Spaß.“ (Andreas Mayr)

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