Drei Spieler kämpfen um einen Fußball, zu sehen sind nur die Beine und der Ball.
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Die Fußball-Vereine im Kreis Zugspitze wollen etwas Neues ausprobieren.

Fußballvereine im Kreis Zugspitze stimmen für Pilotprojekt

Lust auf Neues

  • vonPatrick Hilmes
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Zwei Drittel waren von Nöten, zwei Drittel haben dafür abgestimmt. Im Kreis Zugspitze haben sich die Amateurfußball-Vereine dafür entschlossen, ein Pilotprojekt einzuführen. Wann? Das ist noch fraglich.

Landkreis – Die Lust auf Fußball ist eh groß bei den Amateuren, sind sie doch seit Monaten zum Warten verdammt. Die Lust auf etwas Neues ist offenbar ebenso groß. Denn die Abstimmung zum Pilotprojekt im Kreis Zugspitze hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit durch die Vereine erhalten. Das neue Spielmodell wird also kommen, die Frage nach dem Wann ist aber noch offen. 75,4 Prozent der Vereine haben sich an der Umfrage des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) beteiligt. 67,47 Prozent stimmten für das Pilotprojekt, das damit als angenommen gilt. Voraussetzung war das Erreichen einer Zwei-Drittel-Mehrheit, ansonsten wäre die Reform wieder in der Schublade verschwunden. Zudem hatten die Vereine im Kreis Zugspitze die Wahl, für welchen Zeitraum das Projekt getestet werden soll – zwei oder drei Jahre. Die Mehrheit (70,21 Prozent) votete für die kürzere Variante. Zusätzlich wurde abgestimmt, ob der Relegationsmodus mit Hin- und Rückspiel oder eine am Eishockey angelehnte Playoff/Playdown-Variante mit einer Best-of-three-Serie ausgetragen werden soll. Das Votum der Zugspitz-Vereine: 64,85 Prozent der Klubs sprach sich gegen ein Playoff-Modell aus, will also die bewährte Relegation behalten.

Kleinere, regionale Gruppen

Zur Erinnerung: Bei dem Pilotprojekt werden die Spielklassen von Kreisliga bis C-Klasse in kleinere, regionale Gruppen mit sieben oder acht Mannschaften unterteilt. Diese spielen im Herbst ihre Tabellen aus. Die besten drei Teams kommen in eine Aufstiegsrunde, die restlichen Mannschaften in eine Abstiegsrunde. Weiter geht es dann im Frühjahr mit den neuen Klassenkonstellationen. Der Erstplatzierte der Aufstiegsrunde ergattert einen Platz in der nächsthöheren Spielklasse, der Letzte der Abstiegsrunde muss den Gang eine Liga tiefer antreten. Der Zweite beziehungsweise Vorletzte muss die Relegation bestreiten.

Doch wie geht es nun weiter? Diese Frage kann noch nicht beantwortet werden und hängt insbesondere von zwei Faktoren ab – Entwicklung der Corona-Pandemie und Verbandsentscheidung über Auf- und Abstiegsregelung bei Abbruch der Saison 2019/20/21. Eigentlich ist es jetzt nur noch Formsache, dass das Pilotprojekt starten kann. Der Kreisspielausschuss Zugspitze muss nun lediglich formell das neue Modell beim Verbandsausschuss beantragen. Dieser Schritt ist notwendig, da man offiziell von der Spielordnung abweicht. Die Genehmigung des Verbandsspielausschusses vorausgesetzt, kann dann zu einem noch festzulegenden Zeitpunkt das Spielmodell für zwei Jahre gestartet werden. Aufgrund der Unwägbarkeiten kann sich der Startschuss jedoch verzögern. „Es kann eventuell auch passieren, dass dieses Modell erst zur Saison 22/23 startet. Das müssen wir im Moment einfach offen lassen“, betont der Kreisvorsitzende Heinz Eckl.

Viele offene Fragen

Derzeit gibt es einfach noch zu viele offene Fragen. Ab wann dürfen die Mannschaften wieder normal trainieren? Wie lang wird die Vorbereitungszeit sein? Wann können die Punktspiele starten? Reicht dann die Zeit noch für die im Modell vorgesehene Vorrunde mit 14 Spieltagen? Wie viele Mannschaften melden überhaupt noch für die neue Saison? „Das Virus wird auch in der zweiten Jahreshälfte die einen oder anderen Schwierigkeiten hinterlassen. Das muss man auch irgendwo mit einrechnen“, gibt Eckl zu bedenken.

Bad Kohlgrub und Unterammergau stimmten dagegen

Bedenken hat auch Sepp Geipl. Der Vorsitzende des FC Bad Kohlgrub sieht die Zeit für Neues nicht gekommen. „Wir können doch froh sein, wenn überhaupt mal das Altbewährte wieder erlaubt ist. Danach hätte man mal was Neues ausprobieren können.“ Daher stimmte der Verein gegen das Pilotprojekt. So wie auch der WSV Unterammergau. Der Grund ist aber ein anderer. „Wir wollten die Abwechslung haben. So kann es sein, dass man viermal in einer Saison gegen den gleichen Gegner antritt“, sagt Josef Thiermeyer, Coach der Kreisklassen-Mannschaft. Dieser mögliche Nachteil ist auch Florian Müller, Abteilungsleiter beim SV Ohlstadt, bekannt. „Mit der Relegation kann man sogar sechsmal auf dieselbe Mannschaft treffen. Zudem können dadurch Derbys verwässert werden.“ Doch für ihn und den weiteren Verantwortlichen beim SVO überwiegen die Vorteile, weshalb man sich für das neue Spielmodell ausgesprochen hat. „Es bringt frischen Wind. Man spielt dann auch gegen Mannschaften, auf die man sonst nicht getroffen wäre.“ Zudem reizt Müller der Umstand, dass es quasi zwei Saisonfinals gibt. „Das sind zwei spannende Hälften. Vermasselst du den Start, hast du mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun.“

Der Wunsch nach frischem Wind

Diesen Punkt ordnet Klaus Ellert, Vorsitzender des FC Kochelsee Schlehdorf, eher als Nachteil ein. Würde man im Anschluss an die gesamte Saison die Punkte zusammenrechnen, wäre so manches Team nach der alten Zeitrechnung vielleicht nicht abgestiegen. Doch auch beim FCKS war der Reiz des Neuen ausschlaggebend für die Entscheidung pro Pilotprojekt. „Warum nicht mal was Neues ausprobieren? So spielt man gegen andere Mannschaften, das kann auch für die Zuschauer ganz interessant sein.“

Die Fans im Hinterkopf hatte auch der SV Uffing um Coach Thomas Neumeier bei seinem Voting für das neue Spielmodell. „So wird es mehr Derbys geben. Das könnte größere Zuschauerzahlen bedeuten.“ Auch er hat Angst vor Abnutzungserscheinungen, plädiert aber dafür, es zumindest mal auszuprobieren.

Entscheidung gegen Playoffs

Der 1. FC Garmisch-Partenkirchen, dessen Landesliga-Truppe im altbewährten Modus weiterspielen wird, hätte sich gewünscht, dass auch die Playoff-Variante Einzug hält. „Das wäre bestimmt interessant gewesen. Warum nicht alles mal ausprobieren“, sagt Arne Albl, Vorsitzender des Vereins. Auch dem TSV Murnau um Abteilungsleiter Michael Adelwart gehe die Neuerungen nicht weit genug. „Ich würde mir wünschen, dass nicht nur immer einer aufsteigt, sondern mehrere. Das würde wirklich frischen Wind bringen.“ Zudem spricht sich Adelwart dafür aus, die Spielzeiten künftig früher beginnen zu lassen. Generell stellt man sich beim TSV aber auch die Frage, ob der richtige Zeitpunkt für diese Reform gekommen ist. „Die Priorität liegt eigentlich wo anders.“ Dennoch voteten auch die Murnauer dafür, einen Versuch zu wagen. „Allein schon wegen der vielen Arbeit von Heinz Eckl. Es macht sich nicht jeder so viele Gedanken. Das muss respektiert werden.“

Der Kreisvorsitzende selbst freut sich schon auf den Start des Pilotprojekts: „Selbst wenn wir später starten sollten, wird es ganz einfach spannend sein, ob das Modell auch in der Praxis attraktiv und brauchbar ist. Wir sind auf alle Fälle neugierig.“

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