Lokalmatador und Weltklasse-Läufer: Der Schotte Robbie Simpson lebt seit eineinhalb Jahren in Mittenwald.

Organisator mit Zeitproblemen

Abschied vom Karwendel-Berglauf?

Es gehen wieder Top-Stars der Szene an den Start: Zum 16. Mal findet der Mittenwalder Karwendel-Berglauf statt. Ob es eine Fortsetzung gibt? Fraglich.  Kurt König denkt über einen Rückzug nach.

Mittenwald – Kurt König ringt schwer mit sich. Natürlich liegt ihm der Karwendel-Berglauf in seiner Heimat Mittenwald am Herzen. Aber die Veranstaltung ist eben auch eine Last für den 59-Jährigen. Zum 16. Mal findet der wohl spektakulärste Berglauf Deutschlands am Samstag, 15. Juli, statt. Vielleicht aber auch zum letzten Mal – zumindest unter der Regie von König.

Organisiert den Berglauf: Kurt König.

Der Organisator spricht ganz offen von Abnutzungserscheinungen. Es sei aber weniger ein Motivationsproblem, denn eine Zeitfrage. König hat vor einiger Zeit das Amt als Bundestrainer der Bergläufer beim Deutschen Leichtathletik-Verband übernommen. Ein Job, in den er viel Energie steckt. „Die Aufgaben nehmen mir viele Kapazitäten für den Karwendel-Berglauf weg“, betont er. König ist mit seinen Kadersportlern nun deutlich mehr unterwegs. „Beides zu 100 Prozent zu erfüllen, geht einfach nicht.“

Und dann ist da noch der Laufclub Mittenwald, dem er als Vorsitzender Aufmerksamkeit zukommen lassen muss und will. Auch diesen Posten möchte er 2019 abgeben. Dann stehen wieder Wahlen an. „Beim Berglauf und im Verein sollen es Jüngere übernehmen.“ Das wäre sein Wunsch. Natürlich auch, dass es weiter geht am Karwendel. Denn der Lauf sei zu imposant, um einfach im Archiv auf einigen Internet-Seiten zu verschwinden.

Doch dessen Organisation erfordert eben auch einen Mann an der Spitze, der den Fokus voll auf die Veranstaltung richten kann. Allein der Verantwortung wegen. „Die für 300 oder 400 Läufer zu tragen, das zermürbt“, stellt König klar. Vor allem bei den Wetterkapriolen, die die Mittenwalder in den vergangenen Jahren erlebt haben. Nicht selten wurde es weiß oben im Zielgebiet – Schnee mitten im Sommer. „Wir hatten da wenig Glück“, blickt König zurück. Es ist immer ein Riesenaufwand, kurzfristig alles umzuwerfen. „Das sind diese Unwägbarkeiten, die am Nervenkostüm zerren.“ König spricht in diesem Fall nicht nur für sich selbst, sondern auch für Streckenchef Gerhard Wolf und alle anderen Helfer, die ihn über die vielen Jahre unterstützt haben. Genau dieser Punkt habe immer funktioniert: die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, der Bergbahn oder den Hilfsorganisationen wie der Bergwacht. „Wir wurden immer unkompliziert unterstützt.“

Vier Favoriten gehen an den Start

Sieger unter sich: Youssief Tekle und Melanie Doll haben den Karwendel-Berglauf schon gewonnen.

Für den Berglauf am Samstag haben sich König und Team wie gewohnt akribisch vorbereitet. „Um den Teilnehmern ein richtiges Gipfelergebnis bieten zu können, führt die Strecke wieder hinauf zur Nördlichen Linderspitze.“ Auch wenn sich viele große Namen immer sehr kurzfristig zu einem Start entscheiden, sind im Vorfeld schon zahlreiche Top-Starter fix. 

Als Favoriten gehen bei den Männern vier Läufer ins Rennen: Der in Mittenwald lebende Schotte Robbie Simpson hat 2016 als Sieger auf der wegen Schneefall an die Bergstation verkürzte Strecke in 59:48 Minuten einen neuen Rekord aufgestellt. Youssief Tekle aus Eritrea erreichte im Jahr davor das Ziel an der Linderspitze in der Rekordzeit von 1:05,05 Stunden. Beide sind wieder mit von der Partie. Dazu kommt der Pole Andrzej Dlugosz, Sieger von 2012 und 2013, sowie Abraham Filimon (Eritrea). Besonders Simpsons Zusage freut König. „Er ist ein Top-Athlet und wird bei der Leichtathletik-WM in London im Marathon starten.“ Ein Weltklasse-Sportler also – und dazu noch ein Lokalmatador. Bei den Damen strebt Melanie Doll den Titel-Hattrick am Karwendel an.

Vom LC Mittenwald haben sich Antje Rieger und Simon Schermak angemeldet. Der Mittenwalder Laurentius Öttl und Leopold Rix aus Garmisch-Partenkirchen sind weitere Lokalmatadore. König rechnet noch mit weiteren Nachzüglern. Denn eines stellt er klar: „Unser Lauf hat eine eigene Faszination.“

Wolfgang Kunz

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