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Ohne Training zu Team-Gold: Julian Zenke (l.) bei der Bayerischen Meisterschaft. 

Eine OP ist die letzte Option

Leichtathlet Julian Zenke: „Ich kann nicht mehr laufen“

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Julian Zenke leidet: Seit zwei Monaten plagen ihn schwere Knieschmerzen. Nur einen Wettkampf hat er bestritten. Er gewann Gold. Das tröstet ihn aber nicht, weil er von ganz anderen Dingen träumt.

Murnau– Julian Zenke hat aufgehört mit Laufen. Er weiß, dass er das eigentlich nicht kann. Er fühlt sich nicht wohl dabei. Es nervt ihn.

Beschlossen hat er das Mitte März. Er erinnert sich noch ganz genau, dass es nach einem Dauerlauf war. Ins Knie schoss ein Schmerz ein. Der Murnauer wusste, es lag an der Überbelastung. Er war davor zuviel gespurtet.

Fast zwei Monate sind seitdem vergangen und Zenke sagt: „Die Entzündung geht nicht mehr weg.“ Sein Arzt durchleuchtete das Gelenk im Kernspintomographen, empfahl eine Operation, eine Arthroskopie. Dagegen wehrt sich Zenke. „Ich bin kein Fan davon, das ist die letzte Option“, betont er. Zwei Wochen verzichtet er aktuell auf Sport. Danach lässt er sich Kortison spritzen. Schlägt das nicht an, bleibt ihm nur noch die OP. Wie schlimm die Situation ist: „Ich kann nicht mehr laufen.“

Zenke führt Statistik. Er hat die Laufkilometer – so sagen die Leichtathleten – gezählt. 20 Kilometer in zwei Monaten vermerkt er. Ein Witz für einen, der in der Jugend einmal Deutschlands Siebtschnellster über 3000 Meter Hindernis war. Alleine die Hälfte riss er bei der Bayerischen Meisterschaft über zehn Kilometer in Neuhausen ab. Er startete ohne Training. Nur einen kurzen Testlauf legte er ein. „Ich wollte wissen, ob es Sinn macht, wieder zu laufen“, sagt Zenke. Das Knie hielt, der Murnauer wurde Siebter im Einzel und holte Gold in der Mannschaft. Den Erfolg schreibt er seinen Teamkollegen Markus Brennauer und Nick Jäger zu. „Die haben ordentlich Tempo gemacht.“ Mit seiner Zeit von 33:53 Minuten überraschte er sich selbst. Auch wenn der Mittelstrecken-Spezialist betont: „Mit Training wäre deutlich mehr gegangen.“

Für den Sommer hatte er große Ziele

Schon am nächsten Tag wollte das Knie nicht mehr wie Zenke. Mit 25 Jahren fühlt er sich eigentlich so gut wie noch nie. Wenn man das in seinem Alter schon sagen kann. Für den Sommer hatte er sich große Ziele gesteckt. Triathlon reizt ihn. Seit Monaten bereitet er sich auf den ersten Wettkampf vor. In vier Wochen steigt der Triathlon Ingolstadt. Zenke hatte das Gefühl: „Da könnte ich schon etwas reißen.“ Er hat abgesagt. „Das zermürbt mich.“

Radfahren wäre nicht das Problem. Seit er nicht mehr laufen kann, strampelt er. Den Schmerz spürt er trotzdem. Aber es geht, versichert der Student. Mit seinem Verein, dem TSV Penzberg, fuhr er kürzlich nach Italien. Normal ist das ein reines Lauf-Trainingslager. Denn der TSV – in erster Linie Coach Brennauer – verwaltet den Läufer-Stützpunkt der Region. Zenke radelte. 700 Kilometer in weniger als einer Woche. „Ich habe immer gehofft, dass Ingolstadt noch hinhaut.“ Hoffen half aber nichts.

Zenke hätte sich ins Ziel quälen können. Mit Schmerzen und Schmerzmitteln. Doch es geht ihm nicht darum, nur anzukommen. „Ich möchte einen raushauen“, stellt der Leichtathlet, der nach wie vor auch im VfL Murnau Mitglied ist, klar. Er sieht Potenzial. Mit Laufen hat er – gesund – keine Probleme, Radfahren liebt er und Schwimmen? Gut, da landet er schon irgendwo im Mittelfeld. Nun verbringt Zenke die Zeit mit Warten. Er sucht einen Standort, an dem er seine Master-Arbeit schreiben kann. Das Bachelor-Studium in Ansbach endet im Juni.

Ende August findet der Allgäu Triathlon statt. Das Kult-Rennen feiert 35. Geburtstag. Es werden 2000 Teilnehmer erwartet. Julian Zenke möchte mitmachen – wenn er bis dahin wieder laufen kann.

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