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Nadine Horchler setzt Biathlon-Karriere fort - und will um Weltcup-Platz kämpfen

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Von: Katharina Bromberger

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Der Spaß am Biathlon war für Nadine Horchler der Hauptgrund zum Weitermachen. Jetzt kämpft sie um einen Platz im Weltcup-Team. © Claus Wachsmann

Nadine Horchler macht weiter. Noch hat sie zu viel Spaß am Biathlon, noch will sie sich nicht aus dem Leistungssport verabschieden. Dieser Schritt dürfte manchen überraschen.

Mittenwald – Einunddreißig. Nadine Horchler spricht’s aus, als wär’s eine Krankheit. „Einunddreißig. Wahnsinn. So alt.“ Sie lacht, will niemandem auf die Füße treten, der vielleicht schon das biblische Alter von einundvierzig oder sogar darüber erreicht hat. Aus Sicht einer Leistungssportlerin aber sei man mit 31 nun mal nicht mehr die Jüngste. Und wenn sie an ihre Anfänge als junge Frau zurückdenkt. . . „Niemals hätte ich damals gedacht, dass ich das so lange mach’.“ Und es ist noch nicht Schluss. Mindestens eine weitere Saison wird Nadine Horchler ihre Biathlon-Karriere fortsetzen. Aber anders als früher.

Seit zwölf Jahren betreibt die Wahl-Mittenwalderin Leistungssport. Wo sie früher der Druck nachts nicht schlafen ließ, schaltet sie heute am Abend einfach mal ab. Wo sie früher verbissen gearbeitet, immer noch härter trainiert hat, hört sie heute auf ihren Körper – und macht eine Pause, wenn der danach verlangt. Mittlerweile sagt sie auch so Sätze wie: „Biathlon ist nicht alles.“ Für die nächsten Monate aber spielt der Sport wieder eine Hauptrolle. Denn Horchler verfolgt ein klares Ziel: ein Platz im Weltcup-Team. Denn sie mag gelassener geworden sein. Weniger ehrgeizig sicher nicht. „Für den IBU-Cup schinde ich mich nicht den ganzen Sommer über.“ Denselben Satz hat sie vor einem Jahr gesagt. Und tat dann genau das.

In der zweiten Liga der Biathleten zeigte Horchler, die für ihren Heimatverein SC Willingen startet, im vergangenen Winter solide Resultate, belegte am Ende Platz drei in der Gesamtwertung, ihre jüngere Schwester Karolin sogar Platz eins. Nur: Es nützte ihnen nichts. Die sechs Weltcup-Startplätze waren vergeben, rotiert wurde nicht. „Da hatte ich kurz mal eine Krise im Kopf.“ Gerne hätte Horchler gewusst, wie ihre Leistung im Vergleich zu den Besten einzuschätzen ist. Zudem bekam sie so keine Chance, sich ihren Traum von der Olympia-Teilnahme zu erfüllen. Irgendwann in dieser Phase überlegte sie, ob sie nicht alles hinwerfen sollte. Im Grunde aber war die Frage schon beantwortet, während sie sie sich stellte. Ein solcher Abgang – keine Option. Durchbeißen gehört zu Horchlers Lebensphilosophie. Es sollte sich lohnen.

Zwei Weltcup-Plätze sind zu vergeben

Für das Weltcup-Finale im russischen Tyumen im März nominierten die Trainer Horchler. Im Sprint landete sie nur auf Rang 39, in der Verfolgung aber auf Platz 12 – mit der zweitbesten Laufzeit. „Krass“, sagt sie noch immer. Sie konnte mithalten mit den Top-Leuten. Ein Baustein unter vielen, weshalb sich die 31-Jährige im April zum Weitermachen entschied. Viel machte sie auch vom neuen Trainerteam abhängig: Auf den langjährigen Damen-Chef-Coach Gerald Hönig – künftig Schießtrainer – folgten der 36 Jahre alte Kristian Mehringer und sein gleichaltriger Assistent Florian Steirer. In einem Gespräch stellten sie sich, ihre Ziele und Ideen vor. Horchler gefiel, was sie hörte. Und ihr gefiel der Sport. Ohne Spaß, sagt sie, wäre sie nicht mehr dabei. „Ich muss nichts künstlich in die Länge ziehen.“ Doch sieht sie es auch als gewisses Privileg, den Sport, den sie seit ihrer Kindheit liebt, auf hohem Niveau betreiben zu dürfen. Lange wägte sie Für und Wider ab – das Für überwog. Kurz vor ihrem Urlaub im April gab ihr auch der Deutsche Skiverband Bescheid, dass sie im kommenden Jahr zum Team gehört. Auf der Kaderliste der Athleten steht sie im neu geschaffenen Ergänzungskader, entscheidend aber sei die Lehrgangsgruppe. Horchler gehört zur LG 1a – wie die sieben weiteren besten deutschen Biathletinnen um Olympiasiegerin Laura Dahlmeier. Sie ist wie die Teamkolleginnen Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Denise Herrmann aufgrund ihrer Top-15-Platzierung im Gesamtweltcup der Vorsaison für die ersten Weltcup-Rennen gesetzt. Zwei Plätze im Team sind frei. Diese werden bei der Deutschen Meisterschaft im September vergeben. Horchler wird darum kämpfen.

Vor zwei Wochen hat sie ihre Vorbereitung begonnen. Und macht dabei eine neue Erfahrung. In all den früheren Jahren habe sie eine Weile gebraucht, um wieder in den Trainingsrhythmus zu kommen, musste sich überwinden. „Das hab’ ich dieses Mal gar nicht. Es macht einfach Spaß.“ Nur der Ganzkörpermuskelkater nach den ersten Einheiten, „der ist immer gleich schlimm“. Ob mit 21 oder 31.

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