Die ersten drei Läufer der Eckbauer-Challenge an der Zielstation sowie Norbert Kutschera von der meinBerglauf-App
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Erschöpft, aber glücklich: (v.l.) Mirko Pawel gewann die Eckbauer-Challenge, für die Norbert Kutschera von der meinBerglauf-App die Technik stellte. Karlheinz Federle wurde Zweiter, Christian Negura Dritter.

Berglauf

Neue Rekorde bei der Eckbauer-Challenge

  • vonPatrick Hilmes
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Wer läuft am öftesten auf den Eckbauer in Garmisch-Partenkirchen? Diese Frage wurde bei der Eckbauer-Challenge gestellt. Mirko Pawel und Karlheinz Federle beantworteten sie auf beeindruckende Weise.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist einfach gesagt, wenn jemand meint, er kenne einen Ort, ein Gebiet oder auch einen Berg wie seine eigene Westentasche. Das Sprichwort ist schnell parat. Viele dürften das auch über den Eckbauer in Garmisch-Partenkirchen sagen. Zwei, die das definitiv behaupten können, sind Mirko Pawel und Karlheinz Federle, die Erst- und Zweitplatzierten der diesjährigen Eckbauer-Challenge von Sport Conrad.

Das Laufevent stellte die Herausforderung: So oft wie möglich im Monat Juli den Eckbauer bezwingen. 4,3 Kilometer mit rund 500 Höhenmeter. Vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen auf den Ausflugsberg. Das Event fand heuer das zweite Mal statt. Bei der Premiere im vergangenen Jahr schafften 15 Teilnehmer 324 Läufe. 63 davon gingen auf das Konto von Mirko Pawel, der sich damit den Sieg gesichert und die Latte für die kommenden Jahre vermeintlich hochgelegt hatte. Die Betonung liegt aber auf vermeintlich.

Denn heuer wurde dieser Rekord wahrlich pulverisiert. Pawel trat erneut an und spulte 559 Kilometer sowie 65 000 Höhenmeter ab. Summa Summarum macht das ganze 130 Bergbezwingungen. So oft hatte er das aber eigentlich nicht geplant. „Ich wollte einfach nur meinen Titel verteidigen und das letzte Jahr toppen“, erzählt der 46-Jährige. Das ist ihm gelungen. Wie? Sein Tag war der Challenge entsprechend durchgetaktet. Um 7 Uhr bugsierte ihn der Wecker aus dem Bett, um 8 Uhr stand er am Startpunkt der Strecke. Dann ging es rauf. In den ersten Wochen vier- bis fünfmal, manchmal am Nachmittag nochmals. Abends ging er dann seinem Beruf als Croupier in der Spielbank Garmisch-Partenkirchen nach. Fünf bis sechs Stunden schlafen und schon stand Pawel wieder am Berg – alle 31 Tage im Monat Juli. Bereits nach Tag 22 stand er zum 100-mal auf dem Gipfel. Die Konkurrenz hatte er damit distanziert, die restlichen neun Tage ließ er es „ruhig“ angehen und bewältigte die Strecke „lediglich“ weitere 30-mal.

Dass Pawel zu Beginn noch eine höhere Schlagzahl an den Tag gelegt hatte, war auch auf Karlheinz Federle zurückzuführen. Dieser war Pawels Kontrahent. Beide kennen sich aus der Spielbank, wo auch Federle vor seinem Renteneintritt arbeitete. „Wir haben uns gegenseitig angestachelt“, sagt Federle. Der 64-Jährige wollte mit Pawel mithalten. „Ich musste aber schnell einsehen, dass das nicht klappt“, gesteht er. Nach dieser Einsicht setzte er sich dann ein anderes Ziel. „Ich dachte: Schaust’ mal, ob du nicht die 100 schaffst.“ Federle konnte Ende Juli vermelden: Ziel erreicht. Er erklomm den Eckbauer ganze 103-mal. Federle ist jemand, der sich eh gerne viel in der Natur bewegt, von seinem morgendlichen Trott musste er sich aber verabschieden. „Sonst hatte ich die ersten Stunden immer verplempert.“ Nun ging es bereits in der Früh zum Berg. Drei- bis viermal täglich pro Tag grüßte er von der Spitze, lediglich an zwei Tagen pausierte er.

Aber nicht nur Pawel und Federle machten sich mehrmals ein Bild vom Eckbauer. Insgesamt nahmen diesmal 30 Frauen und 27 Männer an der Challenge teil. Gemeinsam kamen sie auf 835 Bergbegehungen, wie Norbert Kutschera von der meinBerglauf-App mitteilte. Mithilfe dieser App wurden die Läufe der Athleten gemessen und aufgezeichnet.

Pawel und Federle waren zwar am häufigsten auf dem Eckbauer, die meisten Kilometer in den Beinen hatte am Ende des Monats aber Christian Negura, der 68 Läufe absolvierte. Während Pawel und Federle die Eckbauerbahn für den Rückweg nutzten, machte sich der 62-jährige Negura zu Fuß auf den Heimweg und kam somit auf knapp 600 Kilometer im Juli.

Anreiz für alle war kein hohes Preisgeld oder sonstiges, sondern die Bewegung in der Natur. Unter den Teilnehmern wurden Sachpreise verlost. Wer öfters auf dem Eckbauer war, erhöhte seine Gewinnchance. Den Hauptpreis ergatterte aber nicht Pawel, nicht Federle und auch nicht Negura. Laufschuhe im Wert von 250 Euro gingen an Oliver Schrems, der durch seine 64 Läufe eine Gewinnchance von acht Prozent hatte.

Für Pawel und Federle gilt jetzt, was für viele der anderen Athleten auch gelten dürfte: Ruhe und Entspannung. „Ich lege erst mal die Beine hoch“, erzählt Federle schmunzelnd. Und den Eckbauer sehen die beiden Erstplatzierten so schnell auch nicht wieder. Fürs Erste haben sie ihn genügend bezwungen. Jeden Stein, jeden Stock, jede Wurzel, jeden Baum, jede Unebenheit – Pawel, Federle und Co. kennen den Eckbauer jetzt wie ihre eigenen Westentaschen.

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