Ergänzungskader heißt das neue Unwort im Skisport: Benedikt Staubitzer hat‘s erwischt. Er geht nun einen anderen Weg - über das Privatteam Global Racing
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Sommertraining allein: Benedikt Staubitzer verbringt viel Zeit in den Bergen. 

Ausgebootet vom DSV: Staubitzer probiert‘s auf eigene Faust

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Ergänzungskader heißt das neue Unwort im Skisport: Benedikt Staubitzer hat‘s erwischt. Er geht nun einen anderen Weg - über das Privatteam Global Racing

Garmisch-Partenkirchen – Wer das „EK“ vor dem Namen hat, der muss sich Gedanken machen. Schleunigst. EK heißt Ergänzungskader. Kein schönes Wort für einen Sportler. Eines, das es seit Mai 2018 gibt. Da führte der Deutsche Skiverband neue Strukturen in der Förderung seiner Sportler ein. EK ersetzte B2. So hieß der Kader der Aussortierten früher. „Selbstversorger“ nannte man sie. Weil sie eben selbst für ihr Training aufkommen mussten, nicht mehr die volle Unterstützung des Verbands genossen.

Benedikt Staubitzer trägt dieses „EK“. Vor einigen Wochen hat er es verpasst bekommen, als die Oberen im Skiverband mit den Trainern zusammensaßen und die Mannschaften einteilten. Der Garmisch-Partenkirchner ist einer von vier Alpinen aus dem Welt- und Europacup-Bereich im DSV, die es getroffen hat. Veronique Hronek gehört dazu, Anton Grammel und der Altenauer Fabian Gratz. „Ein bisserl überrascht war ich schon“, räumt Staubitzer ein. Denn als er im Vorwinter sein Comeback nach zwei Jahren Verletzungspause gab, „hieß es, dass man das schon auf dem Schirm habe“.

Staubitzer kämpfte in der Folge wieder mit kleineren Verletzungen, einem gebrochenen Daumen etwa. Dennoch startete der Athlet vom Skiclub Mittenwald fünfmal im Weltcup. Am Ende fehlte Zählbares. „Klar, das war nicht mega“, sagt er. „Aber speziell im Training habe ich mich schon auf einem guten Level bewegt.“ Half nichts. Staubitzer wurde heruntergestuft. EK also.

Drei Varianten gab es danach im Grunde: Sich an den Verband heften, auf eigene Kosten bei so vielen Lehrgängen wie nur möglich mitmachen, um den Kontakt nicht zu verlieren. Lösung zwei: Die Flinte ins Korn werfen, die Karriere beenden. Oder Nummer drei: Sich einem unabhängigen Team anschließen. Staubitzer wählte letzteren Weg. „Natürlich hätte es die Möglichkeit gegeben, weiter mit dem DSV zu arbeiten“, stellt er klar. „Aber das wollte ich nicht. Da sehe ich keinen roten Faden, denn du trainierst immer mit anderen Gruppen.“ Aufhören kam grundsätzlich nicht in Frage. „Ich bin ja leistungstechnisch nicht irgendwo im Nirwana, und so viele gute Leute gibt es im Riesenslalom in Deutschland aktuell auch nicht.“ Also war die Entscheidung recht schnell gefallen. „Ich mache weiter auf eigene Faust.“

Staubitzer hörte sich um nach den Privatteams, die kleinen Verbänden oder eben jenen Rennfahrern, die abseits ihres Heimatverbands arbeiten möchten oder von diesem aussortiert wurden, professionelle Rahmenbedingungen bieten, um ihren Sport weiterhin betreiben zu können. Auf eigene Kosten versteht sich. „Für die Herren gibt es sogar eine größere Auswahl“, sagt Staubitzer. Er entschied sich für das Team Global Racing des US-Amerikaners Paul Epstein. 13 Athleten aus acht Nationen hat der frühere Rennfahrer und langjährige Coach als Teamchef unter seinen Fittichen.

Seit einigen Wochen gehört Staubitzer nun der Mannschaft an. Ein Kennenlernen auf dem Hintertuxer Gletscher fand bereits statt. Dem Werdenfelser gefällt’s. „Das Internationale ist etwas ganz anderes.“ An Konkurrenz mangelt es nicht. Im Gegenteil. Da ist der Österreicher Magnus Walch, der Top-20-Resultate im Weltcup vorzuweisen hat, oder der junge Belgier Sam Maes, der bei der Junioren-WM 2019 zweimal Bronze in den technischen Disziplinen abräumte. „Es sind richtig gute Leute dabei, das war mir bei der Teamauswahl auch sehr wichtig.“

In puncto Training ändert sich wenig für Staubitzer. Oftmals werde kurzfristig entschieden, wo sich die Gruppe zu Einheiten trifft. Ende Juli geht es für fünf Wochen nach Neuseeland. „Schön, aber auch schön teuer“, kommentiert der Athlet. „Doch ich ziehe das durch.“ Der Pluspunkt: In Ozeanien warten auf die Rennläufer gleich die ersten hochkarätigen Wettbewerbe, um Punkte für die Ranglisten zu sammeln.

Für den Winter peilt Staubitzer natürlich den Weltcup an. An der Qualifikation für den Auftakt in Sölden darf er in jedem Fall teilnehmen. Die Zusage hat er in der Tasche. Ohnehin ist die Verbindung zu den Coaches und ehemaligen Teamkollegen absolut intakt. Beim Sommertraining wird er obendrein vom Bundesstützpunkt alpin mit Markus Anwander und Sportwissenschaftler Max Rieder unterstützt. Ein wichtiger Punkt für den Sportler. Das Vertrauen genießt er auch weiterhin von seiner Skifirma Blizzard. „Ohne einen Ausrüster hätte ich gar nicht mehr weitermachen brauchen“, sagt Staubitzer. Auch seinen Platz bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr behält er zumindest bis Mai 2020.

Dann wird abgerechnet – in vielerlei Hinsicht. Staubitzer ist Realist. „Wenn ich in diesem Winter am Ende kein vernünftiges Resultat stehen habe, dann hat es eben nicht gereicht.“ Doch daran verschwendet er erst einmal keinen Gedanken. Ein klares Ziel hat er vor Augen: „Ich will zur WM 2021. Das ist ein weiter Weg, und mir ist klar, dass ich sicher nicht einem Stefan Luitz den Platz streitig machen werde“, betont Staubitzer. Aber er gibt sich kämpferisch: „So wie im vergangenen Winter, so will ich nicht aufhören, das kann ich so nicht stehen lassen. Ich weiß, dass ich es besser kann.“ Vielleicht wird er ja sogar das „EK“ wieder los.

Auch anderen Sportlern aus der Region ist es so ergangen: Fanny Chmelar vom SC Partenkirchen schwenkte um auf eine Koch-Lehre; 

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